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: Bankenchef Bouton sagt gegen Spekulant Kerviel aus

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Als "Gauner", als "Betrüger" und selbst als "Terrorist" hat er ihn bezeichnet. Doch getroffen hat er ihn bis zum gestrigen Dienstag nie. Daniel Bouton, der während elf Jahren als Vorstandsvorsitzender die Société Générale zu einer ...

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          Als "Gauner", als "Betrüger" und selbst als "Terrorist" hat er ihn bezeichnet. Doch getroffen hat er ihn bis zum gestrigen Dienstag nie. Daniel Bouton, der während elf Jahren als Vorstandsvorsitzender die Société Générale zu einer führenden Investmentbank aufbaute, sagte nun als Zeuge im Prozess gegen Jérôme Kerviel aus - jenen Händler, der die Bank mit seinen Milliarden-Spekulationen ins Wanken brachte und der Karriere von Bouton ein jähes Ende setzte. Nur wenige Meter von Kerviel entfernt, sprach Bouton zum Richter aufblickend mit sicherer Stimme in ein Mikrofon. Der heute 60 Jahre alte Franzose schilderte zunächst, wie die Nachricht von "der Katastrophe" ihn und seine Vorstandskollegen bis ins Mark erschütterte, hatten sie doch schon alle Hände voll mit der Finanzkrise zu tun. Zeitweise musste Bouton ins Krankenhaus. "Bis zum heutigen Tage bedaure ich zutiefst, was geschehen ist", sagte der Ex-Konzernchef, der heute eine kleine Beratungsgesellschaft unterhält. Glaubwürdig legte er dar, dass die Bank niemals wissentlich die Wetten von Kerviel unterstützt haben konnte, sie seien zu riskant gewesen. "Ich glaube nicht, dass einer seiner Vorgesetzten etwas davon wusste".

          Selbstkritisch analysiert Bouton, wie die internen Kontrollen versagten: Sie waren nicht an einem Ort zentralisiert und zogen nur Salden-Werte, aber nicht die absolute Höhe der Einsätze in Betracht. Am Ende seiner Aussage wollte er "im Interesse der 150 000 Mitarbeiter der Société Générale" Kerviel eine Entschuldigung abringen. Der Dreiunddreißigjährige - wie immer in stoischer Ruhe - wollte das Geschehene jedoch nur "bedauern" und behauptete, von Vorgesetzten "ermutigt" worden zu sein.

          Bisher hat sich im Prozess indes vor allem deren Inkompetenz gezeigt. Kerviels unmittelbarer Chef räumte ein, dass er vom Handel nichts verstand und Kerviels Erklärungen "jedes Mal für glaubwürdig hielt". Dessen Vorgesetzter wiederum las wichtige E-Mails nur oberflächlich. Sie hätten Kerviels Machenschaften in den Computersystemen der Bank durchaus auf die Schliche kommen können. Doch "wer etwas finden will, muss erst einmal suchen", sagte sein direkter Chef. Ob für diese Unfähigkeit auch der zehn Hierarchiestufen entfernte Bouton verantwortlich war, ist nicht Gegenstand dieses Prozesses. chs.

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