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Arbeitsmarkt : Das Spiel der Programmierer

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Eine typische Beschäftigung in der Spielwarenbranche gibt es nicht. Das hat zwei Gründe. Zum einen ist die Spielwarenbranche im Gegensatz zu vielen anderen Branchen nicht von einem bestimmten Rohstoff geprägt, sondern produkt- und vertriebsorientiert.

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          Eine typische Beschäftigung in der Spielwarenbranche gibt es nicht. Das hat zwei Gründe. Zum einen ist die Spielwarenbranche im Gegensatz zu vielen anderen Branchen nicht von einem bestimmten Rohstoff geprägt, sondern produkt- und vertriebsorientiert. Zum Zweiten ist die Spielwarenbranche mit 3,5 Milliarden Euro Umsatz relativ klein. Ihre Bedeutung am Arbeitsmarkt ist noch kleiner, weil ein großer Teil der hierzulande angebotenen Spielwaren im Ausland hergestellt wird. So kommt es zu ganz unkonventionellen Kombinationen.

          Der größte deutsche Spielwarenhersteller ist das Unternehmen Geobra Brandstätter in Zirndorf bei Nürnberg. Geobra stellt die unter der Marke Playmobil verkauften Figurenwelten her. Geobra ist aber als größter deutscher Spielwarenhersteller eigentlich ein kunststoffverarbeitender Betrieb (Chemie), orientiert sich aber am Tarif der Metallbranche. Das hat nach den Worten der Unternehmenssprecherin Gisela Kupiak historische Gründe. Geobra hat einmal mit Metallspielzeug begonnen. Die Metallwaren sind zwar längst aus dem Programm genommen, aber der Metalltarif ist heute noch Orientierungsgröße für die Bezahlung der Mitarbeiter. Geobra beschäftigt hierzulande 1600 Mitarbeiter an den Standorten Zirndorf (Zentrale) und Dietenhofen bei Nürnberg (Produktion). Schwierigkeiten bei der Personalbeschaffung gibt es nach den Worten von Geschäftsführerin Andrea Schauer nicht. Das Unternehmen hat gut 50 Auszubildende. Die 19 Verfahrensmechaniker bilden die größte Einzelgruppe, gefolgt von den 12 Industriekaufleuten. Da Geobra sehr viel Wert auf Hauskarrieren legt, ist das Unternehmen ein beliebter Ausbildungsbetrieb. Weitere bedeutende kunststoffverarbeitende Betriebe der Branche sind die Spritzgießereien der Marken Big (Bobby Car, heute ein Teil der Simba-Dickie-Gruppe), Wader (Kunststofffahrzeuge) oder Bruder (landwirtschaftliche Kunststofffahrzeuge).

          Ein wichtiger Arbeitgeber sind daneben die Spielehersteller Ravensburger und Schmidt, die Druckereien beschäftigen. Vollständig aus deutscher Produktion kommt nur das Holzspielzeug. Das trägt zwar nur etwa 3 Prozent zum Branchenumsatz bei, hat aber den einzigen spielzeugspezifischen Lehrberuf, den des Holzspielzeugmachers, dessen Bedeutung aber gering ist. Attraktivere Arbeitsplätze bieten sich aber auf jeden Fall bei den Herstellern von Computer- und Videospielen. Hier gibt es zwar nur wenige aus deutscher Produktion, so die Bestseller der Gothic-Reihe (Entwicklungsstudio Pluto 13, Essen) oder die der Anno-Reihe (Sunflowers, Heusenstamm bei Frankfurt). Vor allem Programmierer finden hier aber eine abwechslungsreiche Aufgabe, aber auch Spieledesigner sind in den Studios der Spieleentwickler gefragt. Als Konsumbranche steht die Spielwarenindustrie stärker im Fokus der Aufmerksamkeit, als ihrer Wirtschaftlichen Bedeutung zukommen würde. Das macht sie trotz ihrer Kleinteiligkeit wiederum für Manager anderer Branchen interessant. geg.

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