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: Anne Lauvergeon geht Luc Oursel wird Areva-Chef

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Auch Fukushima hat sie nicht mehr gerettet: Anne Lauvergeon, "Madame du Nucleaire" Frankreichs, muss gegen ihren Willen den Spitzenposten des staatlichen Kraftwerksbauers Areva räumen. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat ...

          Auch Fukushima hat sie nicht mehr gerettet: Anne Lauvergeon, "Madame du Nucleaire" Frankreichs, muss gegen ihren Willen den Spitzenposten des staatlichen Kraftwerksbauers Areva räumen. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat entschieden, dass Luc Oursel - ein Areva-Manager aus der zweiten Reihe - sie ersetzen soll. Damit enden die jahrelangen Spekulationen über den Rücktritt der bald 52 Jahre alten Französin. Gerne hätte sie ein drittes Mandat angetreten, doch nun wird sie das Unternehmen Ende Juni verlassen. Bis zuletzt hatte sie hinter den Kulissen Fürsprecher mobilisiert und für ihre Verlängerung plädiert. Viele Beobachter hatten geglaubt, dass Sarkozy nach der Katastrophe von Fukushima keinen Wachwechsel an der Spitze des weltgrößten Konstrukteurs von Kernkraftwerken wagen würde. Doch Sarkozys Wertschätzung für die Chefin des Atomkonzerns köchelt schon lange auf kleiner Flamme. Die wiederholten Verspätungen und die Kostenexplosion beim Bau des ersten Atomreaktors vom Typ EPR in Finnland ließen die Zweifel an der Führungskompetenz der ehemaligen Mitterrand-Beraterin wachsen. Achtmal hat Areva seine Rückstellungen erhöht, die sich inzwischen auf 2,7 Milliarden Euro häufen. Zudem gestaltete sich die Beziehung zum Areva-Großkunden und Auslands-Partner Eléctricité de France (EdF) schwierig. Der hohe Betriebsverlust von 423 Millionen Euro - der erste in der Unternehmensgeschichte - brachte das Fass zum Überlaufen. So zog Sarkozy die Reißleine. Die Intimfeinde der Französin, der Alstom-Chef Patrick Kron sowie EdF-Chef Henri Proglio, die dem Präsidenten nahestehen, dürften ihren Abgang mit Genugtuung aufnehmen.

          Lauvergeons Nachfolger gehörte lange Zeit nicht zu den gehandelten Kandidaten. Luc Oursel arbeitet erst seit 2007 bei Areva, führt dort aber die wichtige Tochtergesellschaft Areva NP, die für das Kerngeschäft des Kraftwerkbaus zuständig ist. An seinen Fähigkeiten als Ingenieur hat niemand Zweifel; wie Lauvergeon hat er die Eliteschule Ecole des Mines absolviert. Zudem ist er in der Belegschaft beliebt. Dass er einst als Energieexperte in den Beraterstäben sozialistischer Regierungen arbeitete, befreit ihn aus Sicht des Elysée-Palastes vom Verdacht der politischen Kumpanei.

          Seine Industrieerfahrung gewann Oursel beim französischen Konzern Schneider Electric, für den er auch in Schanghai und in Italien tätig war. Danach leitete er den Spediteur Geodis als Generaldirektor. Seit einem Jahr ist Oursel bei Areva für die großen Nuklearprojekte zuständig. Kaum jemand hatte ihn auf der Liste potentieller Nachfolger.

          Die resolute Areva-Chefin, die in der ganzen Welt als "Atomic Anne" bekannt geworden ist, muss nun beruflich umdenken. 1999 hatte sie der damalige sozialistische Finanzminister Dominique Strauss-Kahn zur Chefin der Nukleargesellschaft Cogema ernannt. Diese fusionierte sie zwei Jahre später mit der anderen großen französischen Atom-Institution Framatome. Angesichts der Rivalitäten der Ingenieure war das keine Kleinigkeit. Lauvergeon hat sich auch den Debatten mit den Atomkraftgegnern in Frankreich offen gestellt und Licht in die geheimniskrämerische Nuklearindustrie gebracht. Die ehemalige Sherpa Mitterrands nutzte ihre politische Erfahrung und ihr Netzwerk in Paris geschickt aus, um sich Eigenständigkeit gegenüber der Regierung zu erkämpfen. In der innerbetrieblichen Führung aber blieb vieles liegen. Die wiederholten Anlaufschwierigkeiten in Finnland ließen sich irgendwann nicht mehr mit dem branchenweiten Mangel an erfahrenen Ingenieuren, den üblichen Kinderkrankheiten eines Pilotprojekts oder den halsstarrigen Aufsichtsbehörden Finnlands entschuldigen. Siemens fühlte sich in der Juniorrolle als Areva-Aktionär vernachlässigt. Lauvergeons Rücktritt begleitet nun eine Welle von Sympathiebekundungen. 20 Abgeordnete verurteilten die Entscheidung. Zuvor hatten Areva-Verwaltungsrat Jean-Cyril Spinetta sowie die Atomenergie-Behörde CEA als Großaktionär die Verlängerung ihres Mandats gefordert. 17 Vorstandsmitglieder unterschrieben - nur einer nicht: Luc Oursel.

          CHRISTIAN SCHUBERT

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