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Grube Messel : Ein Welterbe macht noch kein Reiseziel

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Puzzlespiel: Paläontologen suchen in der Grube Messel nach fossilen Spuren von Lebewesen Bild: Wohlfahrt, Rainer

Die für Funde seltener Fosslilien berühmte Grube Messel kommt weiterhin nicht auf große Besucherzahlen. Jetzt sollen Kooperationen mit dem Odenwald-Tourismus helfen.

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          Von den Welterbestätten der Unesco in Hessen hat es die Grube Messel am schwersten, Besucher in großer Zahl zu locken. Deshalb gibt es Bestrebungen, die Fossilienfundstätte gemeinsam zu vermarkten mit der Odenwald Tourismus GmbH und dem Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald.

          Wie die Geschäftsführerin der Welterbe Grube Messel gGmbH, Marie-Luise Frey, erläuterte, fanden zwar 40.000 Besucher im vergangenen Jahr den Weg in das 2009 eröffnete Besucherzentrum. Doch die Zahl der 1600 Gruppenführungen könne nicht verbergen, dass die Grube Messel mit ihrem einzigartigen Ruf „nicht zwingend ein reiseauslösendes Kriterium“ darstelle und dass auch die Zielgruppe der Personen, die sich als „Welterbesammler“ verstünden, zu klein sei. Dabei stehe der Titel „Unesco-Welterbe“ für ein hochwertiges Angebot.

          Kaum Besucher für eine Woche

          Die Touristikfachleute im Odenwald hatten in den vergangenen Jahren schon von einigen Strategien Abschied genommen. Sie erkannten, dass kaum Besucher für eine Woche und länger zu gewinnen sind, dass die meisten zu Tagesausflügen kommen. Lediglich das Beerfelder Land verzeichnet derzeit 4,9 Übernachtungen je Gast. Selbst die Stadt Darmstadt bleibt unter dem Wert von 2. Zudem gab es in der Vergangenheit keinen einheitlichen Werbeauftritt: In einigen Odenwaldregionen machte man den Drachen „Siggi Sagenhaft“ zum Werbeträger, übersah aber, dass das Element aus der Siegfriedsage nur für einen Teil des Mittelgebirges stehen kann.

          Nun sollen verstärkt Kontakte zu Busunternehmen aufgenommen werden, damit mehr Reisende in den Odenwald und zu seinen Welterbestätten kommen. Hier will auch die Grube Messel selbst verstärkt werben. Beeinträchtigt werden die Pläne allerdings durch einen gravierenden Nachteil des Mittelgebirges: Es gibt kaum Hotels im Odenwald, die große Gruppen beherbergen können. Also müssen sich Odenwald-Touristikfachleute und Welterbestätten bemühen, dass sie und die Landschaft eingebunden werden in Touren, die Heidelberg und Frankfurt zum Ziel haben, Darmstadt und Michelstadt. Vor allem aber wollen die Welterbestätten füreinander und miteinander am Markt auftreten: Neben der Fossilienfundstätte in Messel sind das die Königshalle des einstigen Benediktinerklosters Lorsch als Relikt karolingischer Baukunst und der Odenwald-Limes als Teil der römischen Außengrenze zwischen Obernburg und Osterburken.

          Überraschungsfund: Ein Rieseneichhörnchen, dessen Skelett derzeit in der Forschungsstation Messel von Ölschiefer freigeschabt wird. Bilderstrecke

          Vorgestellt wurde jetzt das Marketingkonzept. Ansprechen will man das Fachpublikum direkt über die Welterbestätten sowie das breite Publikum über die Tourismusorganisationen. Seit 2009 verfolgt der Odenwald die Marketingstrategie, seine vier Profilthemen „Unesco-Welterbe“, „In der Natur bewegen“, „Kultur erleben“ und „Essen, Trinken und Genießen“ zu verknüpfen. Dabei ist eine bessere Vernetzung der Welterbestätten mit den Tourismusdestinationen erforderlich.

          Mit Unterstützung des Förderprogramms „Deutsche Unesco-Welterbestätten“ erhielt die Grube Messel den Auftrag, als „Leuchtturm“ im „Welterbe-Erlebnisland“ zu fungieren. Ziel ist es laut Frey, das „alleinstellungsfähige touristische Profil“ für potentielle Gäste erkennbar zu machen. Familien mit Kindern, die schon jetzt 25 Prozent der Besucher ausmachen, und Schulklassen (zehn Prozent) will man vor allem ansprechen. Positive Resonanz zeigten schon Aktionen wie die Geowerkstatt mit Geopark-Rangern an der Grube Messel.

          Inzwischen gibt es im Odenwald über die drei Bundesländer hinweg ein Buchungssystem, Gruppenangebote für Reiseveranstalter, Wanderangebote mit Pauschalen, ein Netz von Radwanderwegen.

          Geopark überzieht gesamtes Mittelgebirge

          Die Grube Messel versucht nun mit dem Geopark Odenwald-Bergstraße auf Schwerpunkte zu setzen: geologische Entdeckungstouren mit den Themen Vulkan, Fossilien, Wasser, Höhlen, ferner auf Landschaftsführungen und familiengerechte Natur- und Umweltthemen. Der Geopark überzieht das gesamte Mittelgebirge mit seinen 3500 Quadratkilometern in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg. Ihm gehören 105 Kommunen und sieben Landkreise an. Das Messel-Besucherzentrum bildet den nördlichen Eingangspunkt.

          Es organisiert seit 2009 Führungen und informiert über die Geschichte der Grube, ihre Entstehung vor 49 Millionen Jahren, über Vulkanausbruch und die Fossilien. Zudem stellt es dar, welche Artenvielfalt für die damalige Zeit nachzuweisen war. Sensationsfunde wie Urpferdchen und das Äffchen „Ida“ als ein Bindeglied in der Evolution erlangten Weltruhm. Nirgendwo fanden sich mehr versteinerte Säugetiere als in der Grube Messel. Gezeigt werden sie in der sogenannten Schatzkammer im Besucherzentrum, im Heimatmuseum in der Gemeinde Messel, Langgasse 2, im Senckenbergmuseum in Frankfurt und im aktuell noch geschlossenen Hessischen Landesmuseum in Darmstadt.

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