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Wassernotstand in Kalifornien : Die große Dürre

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Zum Vergleich: Die „Green Bridge“ über den Lake Oroville im Sommer 2011 (links) und 2014 (rechts) Bild: AFP

Kalifornien erlebt eine Katastrophe. Viele Menschen sind ohne fließendes Wasser, Ackerland liegt brach. Der Rest der Welt wird die Folgen im Supermarkt spüren - etwa beim Zitronenkauf.

          Der Stausee hoch über dem kalifornischen Städtchen Porterville hat den imposanten Namen „Lake Success“ („Erfolgssee“). Gebaut wurde er vor mehr als 50 Jahren, um Fluten zu verhindern, steht es auf einer Hinweistafel. Er ist außerdem für allerlei Freizeitaktivitäten gedacht, auf der Tafel werden Wasserski, Bootfahren und Angeln genannt. Aber an diesem heißen und trockenen Oktobernachmittag macht der See einen kümmerlichen Eindruck. Von Wassersportlern ist weit und breit keine Spur, von Flutgefahr kann keine Rede sein. Der See ist gerade einmal zu 4 Prozent gefüllt, Tendenz sinkend, wie der für die Instandhaltung der Anlage verantwortliche Chad Stuart sagt. Der Fluss, der vom Stausee hinab nach Porterville führt, ist ganz ausgetrocknet.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Unten im Ort hat sich das Leben von Menschen wie Yolanda Serrato drastisch verändert. Wenn Serrato ihren Wasserhahn aufdreht, passiert nichts mehr. Wenn sie duschen will, gießt sie Wasser aus einem Becher über sich. Ihr Vorgarten sieht heute aus wie ein Stück Wüste. Das saftige Grün des Rasens ist verschwunden.

          Der Wassernotstand ist das Ergebnis einer verheerenden Dürre, die Kalifornien heimsucht. Sie dauert nun schon drei Jahre an, aber die Konsequenzen werden immer gravierender. Es gibt Menschen, die wie Serrato kein fließendes Wasser mehr haben, Bauern, die ihre Felder brach liegen lassen, um sie nicht bewässern zu müssen, und Städte, in denen verdorrte Bäume einfach umfallen. Gouverneur Jerry Brown hat schon im Januar den Notstand ausgerufen und versucht seither, mit immer neuen Anordnungen und Gesetzen den Wasserverbrauch in der Region zu senken, Betroffenen zu helfen und den Bundesstaat besser für künftige Dürreperioden zu rüsten.

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          Die Dürre ist überall in Kalifornien präsent. Ob es nun riesige Schilder neben den Highways um Los Angeles sind, die Bürger zum Wassersparen aufrufen. Oder der Hinweis in einem Café in San Francisco, dass wegen der Dürre für vormals kostenlose Eiswürfel jetzt 50 Cent fällig sind. Oder die Anordnung der Stadtverwaltung in Santa Cruz, dass Restaurants ihren Kunden nicht mehr automatisch Leitungswasser servieren dürfen, sondern nur noch auf ausdrücklichen Wunsch. In kaum einer Region dürften die Folgen der Dürre aber so massiv zu spüren sein wie in Tulare County, wozu auch Porterville gehört.

          Von hier stammen mehr landwirtschaftliche Erzeugnisse als aus jedem anderen kalifornischen Landkreis, entsprechend wichtig ist eine stabile Wasserversorgung. Zudem gibt es hier viele Haushalte, die sich über Grundwasserbrunnen auf ihren Grundstücken selbst versorgen und nicht an kommunale Betriebe angeschlossen sind. Diese Brunnen versiegen derzeit wegen der Dürre reihenweise, was die Wasserzufuhr in den jeweiligen Haushalten jäh enden lässt. Allein in East Porterville, einem gemeindefreien Ort am Rande von Porterville, haben mehr als 300 Häuser kein fließendes Wasser mehr.

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