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: Warten auf Ackermann und Trichet

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FRANKFURT, 3. Februar. Der kommende Donnerstag wird für Josef Ackermann zum Tag der Wahrheit. An seinem 60. Geburtstag stellt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank den Jahresabschluss 2007 vor, und dann wird sich zeigen, ob ...

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          FRANKFURT, 3. Februar. Der kommende Donnerstag wird für Josef Ackermann zum Tag der Wahrheit. An seinem 60. Geburtstag stellt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank den Jahresabschluss 2007 vor, und dann wird sich zeigen, ob das Vertrauen, das die Finanzmärkte ihm und seiner Bank in den vergangenen Wochen gezeigt haben, gerechtfertigt war. Denn der Schweizer hat sich weiter aus dem Fenster gelehnt als viele seiner Kollegen aus anderen Banken und früh versichert, über die bekannten Belastungen aus der Finanzmarktkrise hinaus seien keine erheblichen weiteren Wertberichtigungen zu erwarten.

          Zwar ließ sich Ackermann eine Hintertür offen, indem er ergänzte, die Aussage gelte nur, sofern sich die Krise an den Finanzmärkten nicht noch einmal verschärfe. Nun ist die Krise vor allem auf den Kreditmärkten noch einmal schlimmer geworden, aber die allgemeine Erwartung lautet, dass die Deutsche Bank die schwierigen Monate seit dem vergangenen Sommer vergleichsweise gut überstanden hat. So sagen die Analysten der West LB für das Geschäftsjahr 2007 einen Gewinn vor Steuern von knapp 8,6 Milliarden voraus gegenüber 8,3 Milliarden Euro im Jahr zuvor.

          Sollte die Deutsche Bank am kommenden Donnerstag dennoch weitere Wertberichtigungen über viele Milliarden Euro ankündigen, wäre nicht nur Ackermanns Glaubwürdigkeit beschädigt. Das Misstrauen in die Finanzbranche allgemein würde wieder zunehmen und fraglos seine Spuren in den Aktienkursen hinterlassen. Mit Spannung warten die Märkte auch auf den Ausblick der Bank. Ackermann hatte in der Vergangenheit für 2008 einen Gewinn vor Steuern von 8,4 Milliarden Euro als Ziel angekündigt.

          Zu einem Test der Glaubwürdigkeit wird auch die kommende Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) für Jean-Claude Trichet und seine Kollegen. Einerseits breitet sich an den Finanzmärkten die Überzeugung aus, die EZB könne die kräftigen Senkungen der amerikanischen Leitzinsen nicht ignorieren und werde sich früher oder später der Fed anschließen. Diese Erwartung lässt sich am Wechselkurs von Euro und Dollar ablesen, der mit 1,48 Dollar für einen Euro nahezu unverändert blieb, obgleich die Fed innerhalb von eineinhalb Wochen ihren Leitzins um 1,25 Prozentpunkte gesenkt hat.

          Andererseits haben Trichet und seine Kollegen in den vergangenen Wochen immer wieder darauf verwiesen, dass für die EZB allein die Inflationsgefahren zählen und nicht die Wünsche von Aktienstrategen, denen niedrigere Zinsen natürlich zupass kämen. Eine Leitzinssenkung zum jetzigen Zeitpunkt könnte die EZB kaum begründen. Das heißt aber nicht, dass die Europäer völlig unbeeindruckt von der Fed agieren. Die amerikanischen Zinssenkungen dürften zumindest geeignet sein, eine Leitzinserhöhung der EZB, für die es im Rat in der jüngeren Vergangenheit zumindest einzelne Befürworter gab, zu verhindern. "Nach den jüngsten Äußerungen einzelner EZB-Direktoriumsmitglieder erwarten wir, dass es auf der Pressekonferenz erste Hinweise geben wird, die darauf schließen lassen, dass die EZB von ihrem Zinserhöhungskurs Abstand genommen hat und Zinssenkungen nicht mehr kategorisch ausschließt", kommentieren die Analysten der Bayern LB.

          An den Aktienmärkten haben sich die starken Schwankungen in der Vorwoche fortgesetzt, aber dank einer guten zweiten Wochenhälfte schlossen die großen Indizes im Wochenvergleich leicht im Plus. Der Dax überschritt am Freitag sogar kurzfristig die Marke von 7000 Punkten, konnte sich im weiteren Handelsverlauf aber nicht darüber halten.

          Die Aktienmärkte stehen im Banne sehr unterschiedlicher Nachrichten. Die jüngsten Arbeitsmarktzahlen aus den Vereinigten Staaten haben Befürchtungen bekräftigt, die amerikanische Wirtschaft werde in eine Rezession abgleiten. Auch die Leitzinssenkungen der Fed waren nicht geeignet, die Kurse dauerhaft zu stimulieren. Andererseits sorgte das Übernahmeangebot von Microsoft für Yahoo für gute Stimmung, auch wenn viele Marktteilnehmer darin eher eine Verzweiflungsmaßnahme des Konzerns aus Redmond im Wettbewerb mit Google sehen. Nichtsdestoweniger hat das Angebot von Microsoft die Aktienmärkte daran erinnert, dass viele Unternehmen in den vergangenen Jahren viel Geld verdient haben und über die Möglichkeit verfügen, bei gedrückten Aktienkursen auf Einkaufstour zu gehen. Die Unternehmen aus Industrie und Dienstleistungen profitieren dabei von der Schwäche vieler Private-Equity-Gesellschaften, die gegenwärtig nicht in der Lage scheinen, als konkurrierende Bieter in Übernahmeschlachten aufzutreten.

          Übernahmespekulationen kursieren auch um die französische Großbank Société Générale, seitdem ein Händler 4,8 Milliarden Euro in den Sand gesetzt hat. Die französische Regierung hat, wie zu erwarten, ausländische Banken vor Geboten gewarnt, was die Europäische Kommission auf den Plan gerufen hat. So wird es an den nationalen Rivalen BNP Paribas und Crédit Agricole liegen, ob die Société Générale ihre Unabhängigkeit bewahren kann.

          Um seine Unabhängigkeit kämpft weiterhin der Rohstoffkonzern Rio Tinto, in dessen Kapital unerwartet Chinalco und Alcoa eingestiegen sind. Mit Spannung erwartet der Markt, ob der Branchenführer BHP Billiton in den kommenden Tagen ein Übernahmeangebot vorlegen kann, das die Aktionäre von Rio Tinto zu überzeugen weiß.

          In der vergangenen Woche erreichte der Goldpreis in New York mit 942,20 Dollar für die Unze einen neuen historischen Höchststand. Das Edelmetall profitierte von Spekulationen auf weitere Zinssenkungen der Fed, die den Wechselkurs des Dollar weiter unter Druck setzen könnten. Ein schwacher Dollar an den Devisenmärkten geht häufig mit einem steigenden Goldpreis einher. Vorübergehende Schließungen von Minen in Südafrika trugen zur Hausse des Goldpreises bei. Allerdings konnte das Edelmetall seinen Rekord nicht halten. Zum Wochenende fiel der April-Terminkontrakt für die Unze auf 913,50 Dollar.

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