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: Von der Straße aus nur das Tor zu sehen

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lhe/bie. KRONBERG. Wer Eigentum erwerben möchte, dabei statt nach der Abkürzung "EFH" für Einfamilienhaus auch nach Angeboten mit der Bezeichnung "Villa" schaut und noch ein wenig Garten ums Heim haben möchte, sollte sich im Vordertaunus auf einen siebenstelligen Kaufpreis einstellen.

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          lhe/bie. KRONBERG. Wer Eigentum erwerben möchte, dabei statt nach der Abkürzung "EFH" für Einfamilienhaus auch nach Angeboten mit der Bezeichnung "Villa" schaut und noch ein wenig Garten ums Heim haben möchte, sollte sich im Vordertaunus auf einen siebenstelligen Kaufpreis einstellen. Vor allem in Königstein und Kronberg gibt es Häuser, die neben der schieren Größe auch Charakter ausstrahlen: Villen mit einem Alter von zum Teil mehr als 100 Jahren, die damalige Baustile spiegeln und oft genug von interessanten Geschichten ihrer Eigentümer künden. Ein Objekt, das jetzt auf dem Markt ist, fällt aber selbst auf diesem exklusiven Markt auf. Die aufgerufene Kaufsumme hat eine Stelle mehr als üblich, aber das haben die übrigen Daten auch. Für 12,5 Millionen Euro steht das frühere Domizil des legendären Bankiers Hermann Josef Abs zum Verkauf.

          Sorge vor lästigen Blicken oder Google Streetview müssen die Bewohner nicht haben. "Lediglich ein großes Tor ist von der Königsteiner Straße aus zu sehen", heißt es in der Beschreibung der Immobilienmakler von Engel & Völkers. Schließlich bot das 45 000 Quadratmeter große Grundstück genügend Platz, um Abstand zur Grenzbebauung zu lassen. Auch die Wohnfläche ist mit 1200 Quadratmetern üppig bemessen. Der Blick in den Flur zeigt Bedarf für einen ziemlich langen Läufer, und mit dem Flügel muss man nicht das Wohnzimmer vollstellen - dafür gibt es das angrenzende Musikzimmer. Über die Zahl der Räume gibt das Exposé keine Auskunft. Dass "genug Zimmer nebst Bädern" vorhanden sind, glaubt man gern. Vom Elternschlafzimmer geht der Blick über das Grundstück.

          Bei diesen Größenverhältnissen würde auch für die fleißigste Hausfrau das Putzen zur Vollzeitaufgabe, weshalb das Anwesen natürlich auf Personal eingestellt ist. So stehen auf dem Gelände ein eigenes Fahrerhaus mit 125 Quadratmetern Wohnfläche und ein Gärtnerhaus mit 85 Quadratmetern Wohnfläche zur Verfügung. Dabei stammt das Haus nicht aus der Zeit vor der Jahrhundertwende, in der bei vielen der alten Villen ein Kutscherhaus zum guten Ton gehörte. Errichtet wurde es vielmehr 1936, als der I.G.-Farben-Vorstand Fritz ter Meer einen Teil des Parkgeländes der Villa Guaita erwarb, um dort einen Landsitz bauen zu lassen. Die 1893 erbaute namengebende Villa von Max von Guaita, Spross der im 17. Jahrhundert vom Comer See eingewanderten einflussreichen Frankfurter Familie, wurde 1961 abgerissen, um das Areal zu parzellieren und zu bebauen.

          Ein solches Schicksal droht der benachbarten Villa nicht, die der spätere Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Abs 1953 übernahm. Sie steht ebenso wie der Park unter Denkmalschutz. Ausgewiesen als Kulturdenkmal und "frühes Beispiel für die traditionalistische Tendenz in der Baukunst, die sich nach 1945 entfaltet und bis 1960 als Hauptströmung im Villenbau behauptet".

          Im Vergleich zu den Jugendstilbauten der Zeit davor oder modernen Architektenträumen wirkt das Haus, von seiner schieren Größe einmal abgesehen, eher schlicht. "Das wohl Exklusivste an diesem Anwesen ist das äußerlich Unscheinbare", heißt es in der Beschreibung. Das Objekt ist das teuerste, das Engel & Völkers derzeit in Hessen anbietet. Auch bundesweit zähle es zur Spitze, sagt Holger Baete, Leiter des Königsteiner Büros. Die heutigen Eigentümer hatten das Anwesen 2001 gekauft.

          Hermann Josef Abs, der von 1901 bis 1994 lebte, zählt zu den wichtigsten Bankern Deutschlands im 20. Jahrhundert. 1938 trat er in den Vorstand der Deutschen Bank ein, wo er nach dem Urteil seines Biographen Lothar Gall "in die Nähe der Nazis" gerückt ist, ohne Nationalsozialist gewesen zu sein. 1948 zählte er zu den Gründern der Kreditanstalt für Wiederaufbau, 1952 verhandelte er über Deutschlands Auslandsschulden, von 1957 bis 1967 führte er die Deutsche Bank.

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