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Vier Minuten schwerelos : Flieger, grüß mir die Sterne

Hier geht es rein: Zwischen zwei Flügeln des Gebäudes hindurch schreiten die Astronauten direkt in die Zukunft. Bild: Freddy Langer

In Neu-Mexiko ist der erste Weltraumbahnhof für touristische Flüge ins All so gut wie fertiggestelt worden. Doch niemand weiß, wann die ersten Raketen starten.

          Der Weg ins Weltall führt durch die staubtrockene Landschaft Neu-Mexikos. Hier ein paar Wacholdersträucher, dort ein paar Kreosotbüsche, dazwischen anderes dürres Gestrüpp, ansonsten Staub, viel brauner Staub, den der Wind zu kleinen Wirbeln dreht und vor sich herreibt, dass es aussieht, als tanzten dunkle Geister übers Land. In einer Senke zerfallen die Hütten einer ehemaligen Siedlung von Minenarbeitern. Auf dem Asphalt sitzen Truthahngeier und reißen einen Kadaver in Stücke. Und entlang der Straße zäunt bis zum Horizont Stacheldraht die unermesslich große Ranch Ted Turners ein, des ehemaligen Besitzers von CNN, der hier Büffel züchtet. Die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel. Dann taucht in dem endlosen Nichts eine erdfarbene Kuppel auf, ganz flach, wie hingeduckt, wie der Panzer einer Schildkröte.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Wir würden die Rakete nicht sehen, hatte Dick auf unserem Weg zum Weltraumbahnhof gesagt. Und auch nicht das Trägerflugzeug. Ist alles in Kalifornien, hatte er gesagt. Zu Testzwecken. Sicherheitschecks, you know. Immer wieder neue Sicherheitschecks. Zumal erst im vorigen Oktober, als das Fluggerät einer größeren Zuschauergruppe präsentiert werden sollte, daran eine, wie Dick es formulierte, Anomalie beobachtet worden sei. Aber wir würden, und hier hatte er eine kurze Pause gemacht, um tief Luft zu holen, über die Startbahn fahren. In seinem kleinen Bus. Eine Meile kerzengeradeaus durch die Wüste. Als ob wir das nicht schon die ganze Zeit machten, dachte ich. Aber Dick sagte, es würde sensationell werden: unterwegs zu sein auf genau der Straße, die schon bald die direkte Verbindung ins Universum sein wird.

          Ready for take off

          Dick war unser Fahrer. Dick war zugleich der Reiseleiter unseres Ausflugs über das Gelände von Spaceport America. Und am äußeren Ende der Rollbahn schlüpfte er mit einigem schauspielerischen Geschick zudem in die Rolle eines Piloten für den Sternenflug. „White Knight Two is ready for take off“, gab er vor, den Tower anzufunken. „Engine lit“, sagte er mit dem ruhigen Ton dessen, der es sich auch beim Dreieinhalbfachen der Erdbeschleunigung in seinem Sitz noch bequem macht. „All engines running“, sagte er und dass Kate Winslet endlich ihren Hintern in den Sessel quetschen und den Sicherheitsgurt schließen solle. Dann folgte ein „Confirm!“, und ein paar „Roger“ gingen zwischen ihm und dem ebenfalls von ihm gespielten Fluglotsen hin und her, bevor er endlich das Gaspedal des Kleinbusses heruntertrat, bis die Tachonadel exakt auf fünfundfünfzig Meilen pro Stunde zeigte. Im Stakkato-Rhythmus ratterte die gestrichelte Linie des Mittelstreifens unter dem Auto hindurch. Einer aus der Gruppe filmte die Fahrt mit seinem Handy durch die Windschutzscheibe. Und eine Frau sang lauthals „Major Tom“ von David Bowie - das Poplied einer Weltraum-Odyssee. Pioniergeist und ein kindliches Gemüt schließen einander offenbar nicht aus, begriff ich. Da war Dick auch schon von der Startbahn abgebogen und hatte seinen Kleinbus vor der großen Halle des Spaceport geparkt. Wir stiegen aus.

          In den ersten Entwürfen des Weltraumbahnhofs sieht das Gebäude noch aus wie ein riesiger Rochen, der mit ausgebreiteten Flügeln am Boden liegt, jeden Moment bereit davonzufliegen, abzuheben in eine andere Sphäre. In der Wirklichkeit ist der Eindruck weniger märchenhaft, auch weniger organisch. Am Schnittpunkt des TWA Terminal am Kennedy-Flughafen von New York und der Kongresshalle in Berlin, die wie eine Auster aus dem Wasser ragt, hat das Architektenbüro Foster and Partners eine Form gefunden, die auf der einen Seite an ein Raumschiff erinnert und auf der anderen an ein zusammengekniffenes Auge. Wie eine Skulptur liegt das Gebäude an einem Hang, schiebt sich hier in die Erde, wölbt sich dort auf. Und wenn in nicht allzu ferner Zukunft Studenten vom Agricultural College in Las Cruces das Dach begrünt haben werden, sofern man von Grün sprechen darf, bei all diesen dürren Wüstenpflanzen, dann wird man wohl glauben, das Haus schiebe sich aus dem Boden heraus.

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