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Vier Minuten schwerelos : Flieger, grüß mir die Sterne

Dabei ist der Flughafen umgeben von Weltraumgeschichte. Auf einer Landkarte hat das New Mexico Museum of Space History in Albuquerque längst zweiundfünfzig Punkte zum „New Mexico Space Trail“ zusammengefasst: vom Observatorium aus dem elften Jahrhundert in den Ruinen des Chaco Canyon bis zu den erschütternd großen Radioteleskopen, die westlich von Socorro auf Schienen durch ein Tal gefahren werden. Hierher, in die Einsamkeit der Wüste Neu-Mexikos, verlegte in den dreißiger Jahren der Raketenpionier Robert Goddard seine Experimente mit flüssigem Treibstoff, die er in Massachusetts begonnen hatte. John Paul Stapp bremste hier in den fünfziger Jahren seinen Raketenwagen von tausend Stundenkilometer auf null binnen einer Sekunde, um zu testen, welche Kräfte der menschliche Körper überlebt, und Joe Kittinger sprang aus demselben Grund in dreißig Kilometer Höhe aus der Gondel seines Ballons. Hier lernten die Nasa-Astronauten der Apollo Mission ihr Mondfahrzeug zu fahren, und viele glauben, dass hier im Jahr 1947 ein Ufo gelandet sei, dessen Insasse die Armee bis heute versteckt. Vor allem aber legte hier, nur einen Steinwurf vom Spaceport entfernt, Wernher von Braun mit seinen Versuchen in White Sands die Grundlagen für die bemannte Raumfahrt. Siebentausend Raketenstarts hat es dort auf der Missile Range seit Ende des Zweiten Weltkriegs gegeben - und bis heute ist White Sands neben dem Weißen Haus der einzige Flecken Amerikas, der nie überflogen werden darf. Nicht zuletzt dieser offene Himmel war ein Grund, hier in der Jornada del Muerto, wie die Senke heißt, den Weltraumbahnhof zu bauen.

Bald auch Hotels im All?

Längst wurde er von Boeing angemietet, um ferngesteuerte Hubschrauber zu testen. Und schon haben sich Unternehmen angesiedelt, die ebenfalls Programme für den Weltraum entwickeln: Armadillo Aerospace, XCOR Aerospace, UP Aerospacex - teils touristisch, teils für wissenschaftliche Zwecke. Der privatwirtschaftlichen Raumfahrt jedenfalls, so ist der Glaube, gehöre die Zukunft im All - und nicht länger der Nasa. Und Richard Branson gibt sich alle Mühe, sein Unternehmen vom Ruch einer Kirmesveranstaltung für die Superreichen frei zu halten. Achthundert Schulkinder durften ihr Testmaterial bei einem Probeflug in die Rakete stecken - um beispielsweise festzustellen, wie Marshmallows nach einem Aufenthalt in der Schwerelosigkeit aussehen.

Umweg durchs Universum

Natürlich ist es für Branson ein konsequenter Schritt, schon über Hotels im All nachzudenken, Raumstationen für Urlauber. Und dass Virgin Galactic bereits Verhandlungen mit Kiruna und Abu Dhabi führt, um dort weitere Spaceports einzurichten, hat nicht nur mit dem potentiellen Markt für Spaßflüge ins Universum zu tun. Vielmehr könnten hier erste Stationen für ein interkontinentales Streckennetz entstehen. Noch sind die Raumschiffe zu klein und die Antriebe zu schwach, um sich von den Spaceports in eine andere Richtung fortzubewegen als nach oben. Doch die Optimisten der Branche verkünden bereits, dass Raumflüge in überschaubarer Zukunft erheblich billiger werden und die Raumschiffe erheblich größer - und schon reden sie davon, in zehn bis fünfzehn Jahren etwa die Flugzeit zwischen London und Sydney dank der Abkürzung durchs All von jetzt dreißig auf vier Stunden zu verkürzen.

Wie lange eine Reise nach Sydney hingegen von Neu-Mexiko aus dauern würde, dem Spaceport im verlassenen Jornada del Muerto, hat niemand ausgerechnet. Der steht, fern von den modernen Verkehrswegen, vielleicht eines Tages wie eine alte Kirmesattraktion verlassen inmitten der Wüste.

Reise zu den Sternen

Touren zum Spaceport America können ausschließlich beim Unternehmen „Follow the Sun Inc.“ gebucht werden, jeweils Freitag bis Sonntag. Sie beginnen in Truth or Consequences, dauern etwa drei Stunden und kosten für Erwachsene 59 Dollar, für Kinder 29 Dollar. Information im Internet unter: www.ftstours.com

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