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Vier Minuten schwerelos : Flieger, grüß mir die Sterne

Huckepack ins Weltall

Es ist ein gewaltiges Gebäude, unter dessen weitgespanntem Dach die Flugkontrolle, die Abfertigungshalle und eine Besucherplattform untergebracht sind, in deren breiter Scheibe wir uns nun spiegelten: sieben winzige Menschlein in neongrünen Leibchen und allesamt mit einem Helm auf dem Kopf, weil der Flughafen noch immer als Baustelle gilt; im Hintergrund die Start-und-Land-Bahn und noch weiter hinten das Zickzack der Gipfelkette der San Andreas Mountains. Selbst für den Hangar ist unter dem Dach noch Platz, mit Raum für etliche Raketen und Trägerflugzeuge, jedes mit einer Spannweite von mehr als vierzig Metern.

So ist das Konzept: Das Flugzeug “White Knight Two“, eine Art Katamaran der Lüfte, transportiert zwischen seinen beiden Rümpfen die Rakete „Space Ship Two“ auf eine Höhe von fünfzehntausend Metern. Dort wird sie ausgeklinkt und zündet ihren Hybridmotor, der sie mit viereinhalbfacher Schallgeschwindigkeit binnen neunzig Sekunden in eine Höhe von weit mehr als hundert Kilometer befördert. Dort verbringen zwei Piloten und sechs Passagiere vier Minuten in der Schwerelosigkeit des Alls, blicken in tiefschwarzer Nacht auf die Sterne oder schauen hinab auf die Krümmung der Erde, bevor die Rakete ihre faltbaren Tragflächen ausfährt und in einer langen Spirale allmählich nach unten trudelt.

Der Traum von den Sternen

Der Konstrukteur Burt Rutan hat diese Kombination schon vor mehr als zehn Jahren entworfen und gebaut und damit im Jahr 2004 den maßgeblich von Anousheh Ansari und ihrem Schwager Amir Ansari gestifteten X-Preis gewonnen: zehn Millionen Dollar für das erste private, wiederverwendbare Raumschiff. Der Milliardär und Reisevisionär Richard Branson übernahm die Idee, ließ Rutan größere Modelle bauen und will sie nun für die touristischen Flüge seines Unternehmen Virgin Galactic einsetzen. Zweihunderttausend Dollar kostet ein Ticket für den zweieinhalb Stunden dauernden Ausflug. Fünfhundert Personen haben bisher schon den vollen Preis bezahlt, darunter Schauspielerinnen wie Sigourney Weaver und jüngst Kate Winslet, zahlreiche Millionäre aus der Wirtschaft, aber auch Personen, die für ihren Traum von den Sternen ihr Haus verpfändet haben sollen. Wann es den ersten offiziellen Start in die Thermospähre geben wird - dann an Bord: Richard Branson und seine beiden Kinder -, ist nicht bekannt.

Ursprünglich war ein Termin im Jahr 2009 vorgesehen; aber selbst das Schild „Starting 2011“ an der Landstraße zum Weltraumbahnhof wurde schon vor langer Zeit wieder abmontiert. Momentan spricht man von Ende 2013. Es dreht sich alles um die Sicherheit, sagte Dick. Sie sei das Allerwichtigste. Und vielleicht ist es ja tatsächlich der Wunsch, jedes Risiko möglichst auszuschließen, weshalb Richard Branson vom Bauherrn des Weltraumbahnhofs, dem Bundesstaat Neu-Mexiko, nun fordert, die Rollbahn zu verlängern - nun, da die Bauarbeiten abgeschlossen schienen und nur der Innenausbau noch fehlt. Aber vielleicht spielt hier auch jemand auf Zeit. Jedenfalls macht sich unter den Bewohnern der Region ein wenig Unmut breit. Denn sie waren es, die mit erhöhten lokalen Steuern den Bau des zweihundert Millionen Dollar teuren Flughafens zur Hälfte finanzierten. Virgin Galactic wird ihn vorerst für zwanzig Jahre mieten.

Wirtschaft am Boden

Spaceport America, das ist die Hoffnung, soll zum Motor dafür werden, die miserable wirtschaftliche Situation in der Region zu überwinden. Aber allzu viele Arbeitsplätze sind jenseits des Wachpersonals und der Feuerwehr bisher noch nicht entstanden. Und etliche lokale Unternehmer, die am Bau des Flughafens beteiligt waren, sitzen angeblich bis heute auf ihren Rechnungen. Bis zu einer halben Million zusätzliche Besucher erwartet man des Weltraumbahnhofs wegen, wenn die Gebäude betreten werden dürfen, die Flugzeuge starten, womöglich täglich zweimal, und die Raketen zurück zur Basis schweben. Dennoch gibt es bisher nur ein einziges neues Hotel, nur ein paar Führungen jeweils am Wochenende - und nirgendwo auch nur eine Ansichtskarte, ganz zu schweigen von Souvenirs, außer dem T-Shirt in einem nahe gelegenen Ort mit der Aufschrift „Meine Rakete ist größer als deine!“.

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