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: Verzweifelt gesucht und doch verdächtigt

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h.r. DARMSTADT. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) richtet ein Jahr nach Start des Projekts „Mehr Männer in Kitas“ eine Zwischenkonferenz aus, ...

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          h.r. DARMSTADT. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) richtet ein Jahr nach Start des Projekts „Mehr Männer in Kitas“ eine Zwischenkonferenz aus, die sich mit einem brisanten Thema beschäftigen soll. Es geht um den „Risikofaktor Mann“ und die Furcht, männliche Erzieher könnten eine Gefahr für Jungen und Mädchen in Kindertagesstätten sein. In der Einladung zu der Konferenz ist von einem „Generalverdacht“ die Rede, zu dem unter anderem die bekannten Missbrauchsskandale in Kirchen und Schulen beigetragen hätten. Diesem (Vor-)Urteil soll auf der Tagung am 23. August in der Hochschule Darmstadt nachgegangen werden. Zur Diskussion stehen Schutzkonzepte, die auch Fragen beantworten sollen wie die, wo Grenzen überschritten werden und wie mit Verdächtigungen umgegangen werden kann.

          Dass die vor allem durch Erzieherinnen in den Kitas geprägten Rollenbilder es erschweren, junge Männer für den Beruf des Erziehers zu gewinnen, hatte die Leiterin des Fachbereichs Kindertagesstätten bei der EKHN, Sabine Herrenbrück, schon zum Start des Projekts im August vergangenes Jahr hervorgehoben. Nach ihren Erfahrungen sowohl unter den Mitarbeiterinnen, aber auch unter Müttern ist ein genereller „Missbrauchs-verdacht“ nicht selten. „Das ist einer der zentralen Punkte, auf die wir in Gespräche immer wieder stoßen und die oft als eine Strategie der Abgrenzung zu werten sind“, sagte Herrenbrück. Nur wenn sich diese Einstellung ändern ließe, werde es für Männer leichter sein, „in der Kita Fuß zu fassen“.

          Bislang ist das in Hessen nur in bescheidenem Umfang gelungen. Zum Start der Kampagne „Mehr Männer in Kitas“, die durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend getragen wird, waren von den 5500 Kita-Mitarbeitern in der EKHN genau 131 männlichen Geschlechts, was einer Quote von etwas mehr als zwei Prozent entspricht. Daran hat sich bisher kaum etwas geändert. Wie Christian Urbanik von der Projektkoordination auf Nachfrage mitteilte, konnten innerhalb eines Jahres auf Messen, in Berufsinfozentren und Schulen 1431 Jugendliche angesprochen werden; zu 70 von ihnen werde mit Hilfe eines Newsletters weiter intensiver Kontakt gehalten. Ob dies bei den jungen Männern am Ende zu einer positiven Entscheidung für den Erzieherberuf führt, zu dessen Manko auch die Entlohnung gehört, will die EKHN erst am Ende der Kampagne im September 2013 exakt ermitteln. Zu diesem Zeitpunkt wird in Frankfurt eine bundesweite Tagung zum Thema „Männer in Kitas“ stattfinden.

          Wir Urbanik sagte, ist das Interesse an der Zwischenkonferenz groß. Es lägen schon jetzt rund 100 Anmeldungen vor. In der Einladung zu der Tagung, auf der Vertreter der Kirche, aber auch Pädagogen und Wissenschaftler zu Wort kommen sollen, wird der pauschale Verdacht gegen Männer als „ungerechtfertigte Diskriminierung“ bezeichnet. Professionelle pädagogische Arbeit könnten sowohl Frauen als auch Männer leisten. Entscheidend sei nicht das Geschlecht, sondern die persönliche Eignung, das Fachwissen und die Fähigkeit, das erworbene Wissen anzuwenden.

          Dem Generalverdacht, der Männern die Entscheidung für den Erzieherberuf erschwere und den deshalb auch die Werbekampagne tangiere, setzt die Projektleitung in Darmstadt den Grundsatz „Professionalität kennt kein Geschlecht“ entgegen. Dafür werben wollen die Beteiligten unter Müttern und auch den Erzieherinnen. „Verunsicherte Kita-Leitungen“ benötigten Vorgaben, wie sie angemessen auf konkrete Misstrauensäußerungen reagieren könnten. Solche Verfahrensmodi zum Umgang mit institutionellen Verdachtsfällen erarbeite der Fachbereich derzeit, teilte Herrenbrück mit.

          Anmeldungen zur Konferenz am 23. August (17 bis 21 Uhr) sind per E-Mail über die Projektstelle „Mehr Männer in Kitas“ (info@mikitas.de) möglich.

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