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: " ... und ich bleibe für immer"

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Amsterdam 1928, die Olympischen Spiele: Erstmals seit sechzehn Jahren ist Deutschland wieder dabei. Die deutsche Olympiamannschaft ist mit 214 Sportlern vertreten. Von den Fechtern kommen acht aus Offenbach, einer Hochburg des Fechtens.

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          Amsterdam 1928, die Olympischen Spiele: Erstmals seit sechzehn Jahren ist Deutschland wieder dabei. Die deutsche Olympiamannschaft ist mit 214 Sportlern vertreten. Von den Fechtern kommen acht aus Offenbach, einer Hochburg des Fechtens. Unter ihnen ist die siebzehnjährige Florettfechterin Helene Mayer. In ihrer Heimatstadt nennt man sie nur die "blonde Hee". Zum zweiten Mal bei Olympischen Spielen beteiligen sich in Amsterdam Frauen im Florettfechten. Helene Mayer begeistert das Publikum: Die junge, schlanke blonde Frau gewinnt 16 von achtzehn Kämpfen. Als sie ins Finale einzieht - mit weißem Stirnband und "Brezelfrisur" als Markenzeichen -, ihre Gegnerin, die Engländerin Muriel Freeman, bezwingt, ist der Jubel grenzenlos. "Gold" für Deutschland - und für Offenbach. Mit der Drittplazierten Olga Oelkers steht zudem eine weitere Offenbacherin auf der Siegertreppe. Jetzt will jeder wissen, wer Helene Mayer ist.

          In Deutschland, in Offenbach wusste man es seit langem: eine Spitzenfechterin. Schon 1923 war sie deutsche Jugendmeisterin, im Jahr darauf Meisterschaftszweite, dann sechs Jahre in Folge deutsche Meisterin. Die jüngste Siegerin bei Olympischen Spielen - neben Sonja Henie - wurde von Presse und Rundfunk umjubelt, international blitzartig populär und zu einem Sportidol.

          Eine kaum zu überschauende Menschenmenge erwartete Helene Mayer am 13. August 1928 in Frankfurt am Hauptbahnhof. Am selben Abend nahmen in ihrer Heimatstadt Offenbach Zehntausende an dem Triumphzug teil, der zum Festsaal der Turngesellschaft führte: 1400 Gäste feierten dort nicht nur Olympiasiegerin Mayer, sondern auch ihre Konkurrentin Oelkers. Beide waren sie Mitglieder des Fechtclubs Offenbach von 1863, der zweitältesten Vereinigung dieser Sportart in Deutschland. Stürmischen Beifall erhielt Mayers Trainer Cavaliere Arturo Gazzera. Ein besonderer Gruß der Festgesellschaft ging an die Eltern von Helene Mayer, den praktischen Arzt Ludwig Carl Mayer und seine Frau Ida Anna. Der Vater war Jude, die Mutter Protestantin. 1906 war der Vater nach Offenbach gezogen und hatte in der Bahnhofstraße 18 eine Arztpraxis eröffnet. 1909 kam Sohn Eugen zur Welt, ein Jahr später Helene; im Kriegsjahr 1916 folgte Ludwig.

          Bezeichnend für die Stimmung im Kaiserreich war, dass Ludwig Carl Mayer der "Judde-Mayer" genannt wurde - zur Unterscheidung von dem neben ihm wohnenden "christlichen" Mayer. Indes wollte Ludwig Carl Mayer wenig mit seiner Religion zu tun haben. Seine Tochter meldete er 1921 vom israelitischen Religionsunterricht in der Frankfurter Schillerschule ab. Helene, intelligent und vielseitig interessiert, genoss die besondere Aufmerksamkeit der Mutter. Mit sechs Jahren bekam die Tochter Ballettunterricht. Noch als junge Frau war sie bei Tanzaufführungen zu sehen. Zum Fechten kam Helene durch ihren Vater. Kontakte zu Liesel Hartmann, einer erfolgreichen Fechterin beim Fechtclub Offenbach, führten dazu, dass Helene zur weiteren körperlichen Ertüchtigung dem Fechtmeister und Vereinstrainer Cavaliere Arturo Gazzera vorgestellt wurde. Da war sie acht. Gazzera, Absolvent der berühmten Fechtschule "Scuola Magistrale di Scherma" in Rom, erkannte das Talent von Helene fürs Florettfechten und setzte alles daran, dass auch sie ihr Augenmerk auf diesen Sport richtete.

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