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UN-Konferenz : Wieviel Klimaforschung braucht ihr noch?

  • -Aktualisiert am

Bild: Dieter Rüchel

Die Politik geht eigene Wege: Nachdem sich die Diplomatie in eine Sackgasse gesteuert hat, steht der globale Klimaschutz vor einem Umbruch. Wie will man so Krisen lösen?

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          Seit fast 25 Jahren bemüht sich die internationale Klimadiplomatie nun schon um den Abschluss eines globalen Abkommens, mit dem die Treibhausgasemissionen wirksam begrenzt werden können. Und ebenso lange sind die Klimawissenschaften ein unerlässlicher Begleiter dieses politischen Prozesses gewesen. Doch nach der Veröffentlichung aller drei Teile des fünften IPCC-Sachstandsberichts und nur anderthalb Jahre vor dem mutmaßlich entscheidenden Klimagipfel in Paris hat sich allenthalben Ernüchterung breitgemacht. Vergleicht man die Stimmung mit jener zwischen der Veröffentlichung des vierten IPCC-Berichts 2007 und dem Klimagipfel von Kopenhagen 2009, so fällt zum einen auf, dass heute kaum noch jemand riskiert, den baldigen Durchbruch bei den Klimaverhandlungen zu verkünden. Zum anderen nehmen auch Warnungen vor nahenden Großkatastrophen wesentlich weniger Raum ein.

          Dies sind nicht einfach nur Anzeichen eines gesunkenen gesellschaftlichen Stellenwerts des Themas. Vielmehr kündigt sich hier ein umfassender klimapolitischer Paradigmenwandel an, der nicht mehr das Klimaproblem, sondern zunehmend die Akteure in den Mittelpunkt stellt. Um zu verhindern, dass der politische Prozess durch das wiederholte Scheitern großer Klimagipfel endgültig delegitimiert wird, hat die Klimadiplomatie faktisch Abstand davon genommen, sich an der ganz großen Lösung abzuarbeiten.

          Sinnbild für die globale Erwärmung: Dahinschmelzende Eisfiguren
          Sinnbild für die globale Erwärmung: Dahinschmelzende Eisfiguren : Bild: AP

          Anders als vor Kopenhagen glaubt kein Klimadiplomat, aber auch kein NGO-Vertreter noch ernsthaft daran, dass es möglich sein könnte, Großemittenten wie die Vereinigten Staaten oder China durch UN-Verträge auf tiefgreifende Emissionsminderungen zu verpflichten. Die größten Verschmutzerländer werden vielmehr im Vorfeld des Klimagipfels von Paris selbst bestimmen, was sie beizusteuern bereit sind, ernsthaft verhandeln werden sie darüber nicht mehr. Amerikas Präsident Obama hat nun den Anfang gemacht, andere Länder werden in den nächsten Monaten folgen.

          Damit setzt sich im internationalen Klimaschutz eine genuin politische Herangehensweise durch, die klimawissenschaftlich geprägte Vorstellungen von planetaren Grenzen oder einem noch verbleibenden globalen Emissionsbudget in den Hintergrund drängt. Im Mittelpunkt des neuen, akteurszentrierten Paradigmas werden nicht mehr Langfristziele der Klimastabilisierung stehen, sondern die Möglichkeiten und Grenzen der Verhandlungsprozesse - nicht mehr das Wünschbare, sondern das Machbare und nicht mehr möglichst wohlklingende Intentionen, sondern die tatsächlich erreichten Ergebnisse. Angesichts der Tatsache, dass die globalen Treibhausgasemissionen - allen Klimakonferenzen und IPCC-Berichten zum Trotz - seit 1990 um 40 Prozent gestiegen sind, werden sich die klimapolitischen Bemühungen in den kommenden Jahren darauf konzentrieren, überhaupt erst einmal eine Trendwende herbeizuführen, also den kontinuierlichen Anstieg der Emissionen zu stoppen. In welcher Geschwindigkeit sich der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen anschließend - wohl nicht vor 2025 bis 2030 - wird absenken lassen, steht auf absehbare Zeit noch nicht im Fokus der internationalen Klimapolitik.

          Aufmerksam: Bundesumweltminister Altmaier und der qatarische Konferenzpräsident am Samstag in Doha
          Aufmerksam: Bundesumweltminister Altmaier und der qatarische Konferenzpräsident am Samstag in Doha : Bild: dapd

          Aufgrund der bislang sehr starken Rolle der Forscher im globalen Klimadiskurs wird sich ein solcher Paradigmenwandel jedoch nur dann vollziehen können, wenn auch die Politikberatung der Wissenschaften, also der für die Öffentlichkeit sichtbarste Teil der Klimaforschung, auf einen pragmatischen Kurs umschwenkt. Dies betrifft nicht primär die Naturwissenschaften. Dass sich die Grundthese vom menschengemachten Klimawandel in den vergangenen Jahren weltweit durchgesetzt hat und sich die klimapolitische Debatte längst nicht mehr darum dreht, ob der Klimawandel überhaupt stattfindet, sondern im Wesentlichen nur noch um dessen Ausmaß, Charakter und Geschwindigkeit, ist unabweisbar. Dies wird eine Depolitisierung der Forschung befördern, in der wissenschaftliche Unsicherheiten wieder mit größerer Gelassenheit diskutiert werden können.

          Um einiges komplizierter ist die Lage der Klimaökonomen, deren Bedeutung seit dem vierten IPCC-Sachstandsbericht kontinuierlich zugenommen hat. Mit ihren Modellen, in denen sie die Transformation von Energiesystemen beschreiben, stehen sie inzwischen im Zentrum der klimapolitischen Debatte. Dementsprechend umkämpft waren auch die Verhandlungen über die Zusammenfassung des entsprechenden IPCC-Teilberichts im April in Berlin. Klimaökonomen haben nicht nur die Deutungshoheit darüber inne, welche Maßnahmen zu ergreifen wären, um die auf verschiedenen politischen Ebenen formulierten Ziele relativ kostengünstig zu erreichen. Bei nach wie vor ansteigenden Emissionen fällt ihnen zudem auch die unangenehme Aufgabe zu, autoritativ Aussagen darüber zu treffen, welche globalen Klimaziele überhaupt noch realistisch sind - und welche nicht mehr.

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