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Microsoft Kinect : Der Spielspaß mit Hand und Fuß

Nichts für die Studentenbude: Kinect benötigt bei zwei Spielern viel Platz Bild: dpa

Der Körper des Spielers wird zum Controller. Die Idee von Microsoft Kinect für die Xbox 360 bringt die Gestensteuerung auf eine neue Evolutionsstufe. Schon bald wird man auch das TV-Gerät mit Handbewegungen bedienen.

          Sport und Action im Wohnzimmer mit Luftsprüngen und Fußtritten: Die Rede ist von aktuellen Spielekonsolen und ihren Erweiterungen im Zeitalter der Bewegungserkennung. Die Idee ist nicht neu. Schon seit 2006 ist Nintendo mit der Wii ungemein erfolgreich: Mit einem Controller in der Hand steuert man seinen Avatar auf dem Fernsehgerät, die Konsole mitsamt angeschlossenen Sensoren wertet das Geschehen aus und setzt die Aktionen des Spielers um. Seit einigen Wochen bietet auch Sony einen solchen Controller für seine Playstation 3 an, das Move genannte System haben wir unlängst beschrieben.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Doch nun stellt Microsoft alles in den Schatten: Kinect ist im Handel, und damit erreicht die Gestensteuerung eine neue Evolutionsstufe. Der Controller wird überflüssig, weil der Spieler mit all seinen Bewegungen im Raum erfasst wird. Er muss nichts mehr in der Hand halten, er kann mit seinen Füßen kicken, den Oberkörper für ein schnelles Ausweichmanöver drehen, er kann hopsen und wedeln - allein sein Körper ist der Controller. Man benötigt keine Fernbedienung, keine spezielle Kleidung, keine aufgeklebten Markierungen und keine besondere Spielfläche.

          Schon einen Schritt voraus

          Sofort erinnert man sich an den Film, der die Gestensteuerung als Science-Fiction-Abenteuer auf die Kinoleinwand brachte. In "Minority Report" aus dem Jahr 2002 stand Tom Cruise vor großen Monitoren und arrangierte die Inhalte mit Hand- und Armbewegungen. Die Idee, dass man mit dem Finger virtuelle Objekte auf einem Bildschirm zusammenstellt, hat sich bei den Smartphones schon länger durchgesetzt. Nun wird das Prinzip erweitert, und es zeigt in eine Zukunft, die weit über die Spielewelt hinausgreift.

          Die Hardware: Mit Kamera und Infrarot wird das Geschehen im Raum erfasst

          Schon in wenigen Jahren wird man sein TV-Gerät in Kinect-Manier bedienen, ein Sensor erfasst die Gesten der Zuschauer, man schaltet mit einem Fingerstreich in der Luft von einem Sender zum nächsten, programmiert die Aufnahme oder blättert wie Tom Cruise durch die eigene Fotosammlung, die vom heimischen Medienserver vorgehalten wird. Wenngleich das alles noch utopisch erscheint, ist Kinect aber schon jetzt in einer Hinsicht dem "Minority Report" voraus: Ein Datenhandschuh ist nicht erforderlich.

          „Skelettmännchen“ mit Platzbedarf

          Zurück zur Spielewelt: Wie funktioniert Kinect? Die Hardware ist ein etwa 30 Zentimeter breiter Balken, der mit einem Kabel an die Xbox 360 S angeschlossen und vor oder auf das Fernsehgerät gestellt wird. Wer eine ältere Xbox verwendet, benötigt ein separates Netzteil. In diesem Querbalken befindet sich links ein Infrarotsender, der den Raum ausleuchtet. Was Personen und Objekte reflektieren, wertet der Infrarotempfänger in der Mitte aus und ermittelt daraus ein dreidimensionales Bild des Geschehens. Unterstützend kommt eine Webcam mit 640 × 480 Pixel hinzu, und vier Mikrofone sollen auch Spracheingaben der Spieler erfassen. Nach der optischen Ausleuchtung versucht Kinect, maximal zwei Spieler gleichzeitig zu identifizieren. Sie werden mit einem Algorithmus wie ein "Skelettmännchen" strukturiert.

          Das System legt 20 Punkte am Körper des Spielers fest: einen am Kopf, einen am Hals, je vier am linken und rechten Arm, vier am Unterleib, je einen an den Knien und je zwei am linken und rechten Fuß. Mit diesen Referenzpunkten wird die reale Bewegung erfasst und auf die virtuelle Figur am Bildschirm übertragen. Der Spieler muss zur Sensoreinheit einen Abstand von mindestens 1,20 Meter halten, dann wird eine etwa 1,30 Meter breite Spielfläche erfasst. Wer zu zweit nebeneinander spielen will, braucht deutlich mehr Platz. Bei einem Abstand von maximal 3,50 Metern beträgt die Spielfeldbreite ungefähr vier Meter. Kinect ist also nichts für Studentenbuden.

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