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: Im Notfall mit der Patientenverfügung überfordert

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In der Diskussion über die Patientenverfügung geht es darum, möglichst hautnah den Willen der betroffenen Person als oberste Richtlinie zu etablieren (F.A.Z. vom 18. Februar). Doch ist man sich der erheblichen Begrenzungen und Hindernisse ...

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          In der Diskussion über die Patientenverfügung geht es darum, möglichst hautnah den Willen der betroffenen Person als oberste Richtlinie zu etablieren (F.A.Z. vom 18. Februar). Doch ist man sich der erheblichen Begrenzungen und Hindernisse bewusst, die der Einzelfall aus der Sicht des Notarztes mit sich bringt? In vielen Fällen ist die Patientenverfügung einfach nicht aufzufinden, da die zu reanimierende Person allein ist oder eventuell anwesende Angehörige nicht informiert sind. Auch befindet sie sich häufig in Verwahrung bei anderen Familienmitgliedern. In diesem Falle gilt der mutmaßliche Überlebenswille des Patienten, und er wird medizinisch versorgt durch Rettungsdienst und anschließende intensivmedizinische Behandlung. Später präsentierte Patientenverfügungen, welche intensivmedizinische Maßnahmen ablehnen, stellen die Ärzte vor ein ethisches Dilemma zwischen hippokratischem Eid und dem Willen des Patienten.

          Auch geben viele Verfügungen keinen eindeutigen Handlungspfad vor; zum Beispiel findet sich öfters der Text: "Im Falle einer nicht kurablen Erkrankung ist von Wiederbelebungsmaßnahmen abzusehen." Diese Information ist nicht ausreichend eindeutig, wenn der Patient etwa an Krebs im Endstadium leidet, aber der Notarzteinsatz durch eine andere - nicht mit der Grunderkrankung in Zusammenhang stehende - Ursache ausgelöst wurde, beispielsweise einen Herzinfarkt oder eine leicht zu behandelnde Unterzuckerung. Vom ethischen Gesichtspunkt aus zeigt sich, dass viele Menschen mit der Patientenverfügung im Moment eines akuten Notfalls überfordert sein dürften, da sie emotional dann zu stark ergriffen sind. Tragische Situationen entstehen, wenn die anwesenden Familienmitglieder entgegen dem in der Verfügung enthaltenen Willen ein Weiterleben wünschen.

          Die Patientenverfügung erweist sich daher für den Notarztdienst als untauglich. Primäres Augenmerk des Notarztes sollte auf den Erhalt des Lebens gerichtet sein, welches durch das Suchen und Studieren einer Patientenverfügung zwangsweise gefährdet ist. Diese Frage nach einer eventuellen Lebensverlängerung oder entsprechendem Unterlassen derselbigen ist zu wichtig, als dass sie in Eile vor Ort anlässlich eines Notarzteinsatzes entschieden werden sollte. Diese Entscheidung sollte in Ruhe unter Einbeziehung der Familie und des Hausarztes in der Klinik erfolgen.

          DR. MED. IMOGEN SCHEEF, Bonn

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