https://www.faz.net/-1v0-7ivkk

Skirennläufer Ted Ligety : Note eins mit Sternchen für den Fremdgänger

Bild: AP

Ski-Weltmeister Ted Ligety zieht im alpinen Riesenslalom Schwünge wie kein Zweiter. Aber weil er auf den Gesamtweltcup schielt, trainiert er vor allem Slalom.

          3 Min.

          Am Wochenende gab es mal wieder Zeugnisse in Sölden. So empfand das zumindest Marcel Hirscher, der Slalom-Weltmeister und Gesamtweltcupsieger aus Österreich. Seit zwanzig Jahren schon eröffnen in Sölden die alpinen Skirennfahrer ihre neue Saison, nach monatelanger Vorbereitung und kräftezehrenden Trainingstagen, und für Hirscher fühlt sich das immer ungefähr so an, „wie wenn man für die Schularbeit lernt und dann das Resultat zurückbekommt“. Diesmal wurde Hirscher im Riesenslalom am Sonntag Dritter, er gab sich deshalb „die Note eins“. Primus war aber wieder mal ein anderer. Einer, der nun schon zum sechsten Mal in Folge in Sölden auf dem Podium stand und zum dritten Mal nacheinander ganz oben: Ted Ligety.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          „Das ist ein Hang, der mir schon immer sehr lag, weil du dort nicht zu viel über Taktik nachdenken musst, weil es nicht so viele Geländewechsel gibt“, sagte der 29 Jahre alte Amerikaner. „Du kannst einfach voll angreifen.“ Und da macht dem Mann, der oft in abenteuerlichen Schräglagen durch die Tore kurvt, keiner was vor. Ligety ist Riesenslalom-Weltmeister, er hat zuletzt den Riesenslalom-Weltcup gewonnen und im vergangenen Winter sechs von acht Weltcuprennen im Riesenslalom für sich entschieden.

          Ligety ist Mister Riesenslalom, er ist das Ideal, er ist der, zu dem in der Branche derzeit alle aufschauen. „Ted zieht dort noch seinen Schwung durch, wo andere driften“, sagt Hirscher. „Er rutscht weniger als andere und fährt mehr“, sagt der Deutsche Fritz Dopfer. Der Amerikaner hat scheinbar das perfekte Paket gefunden aus Schuh, Bindung, Ski und Technik. Von seinem Ehrgeiz ganz zu schweigen. Der wurde erst 2012 aufs Neue geweckt, als er den Riesenslalom-Weltcup zum dritten Mal in Folge hätte gewinnen können - ihm dann aber Marcel Hirscher den Titel wegschnappte. Für Ligety war das der Antrieb, noch härter an sich und dem Material zu arbeiten. Im vergangenen Winter war er dann eine Klasse für sich.

          Der lässige Amerikaner: Akribisch in der Vorbereitung, entspannt im Auftreten

          Trotz dieser Überlegenheit empfand er den Auftaktsieg in Sölden als gewaltige Erleichterung. Die Schneeverhältnisse im Sommertraining seien oft schwierig gewesen, sagte Ligety, so recht habe er nicht gewusst, wo er wirklich stehe. „Letztes Jahr war ich im Training eineinhalb Sekunden schneller als alle anderen, diesmal wurde ich im Training immer mal wieder geschlagen.“ Dazu kam, dass er im Sommer oft fremdging, sportlich gesehen. „Ich bin dieses Jahr viel Slalom gefahren“, sagt er, dazu studierte er jede Menge Videomaterial von Slalom-Könnern wie Hirscher und anderen. „Es kommt mir vor, als sei ich im Slalom viel besser vorbereitet als im Riesenslalom“, sagte Ligety in Sölden.

          Drei Goldmedaillen bei einer WM

          Doch er hat ja auch Großes vor. Ligetys Ideal war immer, ein erstklassiger Allroundfahrer zu sein, und diesem Ziel ist er, trotz des überraschenden Olympiasiegs 2006 in der Kombination, noch nie so nahe gekommen wie in diesem Jahr. Im Februar in Schladming wurde er Weltmeister im Super-G, im Riesenslalom und in der Kombination; es war das erste Mal seit 45 Jahren, dass ein Fahrer dreimal Gold bei einer WM gewann. So ergibt sich Ligetys nächstes Karriereziel eigentlich von alleine: ein Sieg im Gesamtweltcup. Zumal Spitzen-Allrounder im Männer-Weltcup eine rare Spezies geworden sind - der Norweger Aksel Lund Svindal zählt noch dazu oder der Kroate Ivica Kostelic.

          Die Weltcup-Gesamtwertung aber ging in den vergangenen beiden Jahren an den Technikspezialisten Hirscher - und das, obwohl der fast nur Slalom und Riesenslalom fährt. Die Lücke für Ligety ist also da. Und der einzige Weg, um in diese Lücke vorzustoßen, führt für ihn über den Slalom. Will er ernsthaft um den prestigeträchtigsten Titel im Skirennsport konkurrieren, muss er dort häufiger punkten, als er das zuletzt tat - sein bisher letzter Podiumsplatz im Slalom datiert vom Januar 2008.

          Perfekte Linienwahl: Mister Riesenslalom rutscht nicht, er fährt geschnittene Kurven

          Anders als seine schillernden Teamkollegen Lindsey Vonn und Bode Miller ist Ligety keiner, der zuverlässig Aufreger produziert. Oft kommt er einfach wie ein lässiger Typ daher, in Flanellhemd und Flip-Flops, Schirmmütze und verspiegelter Sonnenbrille. Cool, locker, unerschütterlich. Doch inzwischen ist auch dem Letzten klar geworden, dass der so tiefenentspannte Typ in Wahrheit ein akribischer Arbeiter und ein herausragender Athlet ist. Gerade wurde Ligety vom amerikanischen olympischen Komitee zum Sportler des Jahres gewählt - als erster männlicher Alpin-Skifahrer. Und die nächste große Bühne wartet schon: die Olympischen Winterspiele im Februar in Sotschi. Der Perfektionist Ligety hat das Terrain dort natürlich längst erkundet - gleich nach der WM im Februar trainierte er vier Tage auf dem Olympia-Hang. Sein Eindruck: „Das Gelände erinnert mich an Beaver Creek.“ Die Konkurrenten werden es mit gemischten Gefühlen gehört haben. In den vergangenen drei Jahren siegte Ted Ligety im Riesenslalom von Beaver Creek dreimal.

          Topmeldungen

          Meghan und Harry : Weiß, englisch, konservativ

          Im Drama um Meghan und Harry steckt auch ein eigener politischer Kern: Die Menschen spüren, wie wichtig das Königshaus in bewegten Zeiten ist. Harrys Abschied hat eine andere Frage aufgeworfen.

          Angst um Kakaoernte : Schokolade wird teurer

          Sorgen um eine schlechte Ernte treiben den Kakaopreis an den Märkten. Zudem soll ein Preisaufschlag armen Kakao-Bauern helfen. Verbraucher müssen daher wohl mehr für die tägliche Tafel zahlen.