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: Sitzt wie ein Frosch, quakt aber nicht

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Ein Ochsenfrosch ist ein ziemlich großmäuliges Tier, er kann mächtig Krach machen, wenn er seine Stimme erhebt. Seine Sitzhaltung dabei hat eine kleine ...

          Ein Ochsenfrosch ist ein ziemlich großmäuliges Tier, er kann mächtig Krach machen, wenn er seine Stimme erhebt. Seine Sitzhaltung dabei hat eine kleine Uhrenmanufaktur zu einer ungewöhnlichen Gehäuseform inspiriert: Die wächst von 12 Millimeter Höhe am unteren Rand auf 15 Millimeter oben und soll den sitzenden Frosch nachahmen. Und so heißt die neue Aquamatic-Uhrenserie von Schaumburg Watch aus Rinteln Bullfrog.

          Wenn man sie zum ersten Mal in der Hand hält, fällt das freilich kaum auf. Erst wenn man sich die Sache von der Seite anschaut, erkennt man die aufsteigende Linie. Sie soll einen funktionalen Nachteil der flach am Arm getragenen Uhr ausgleichen: Den ungünstigen Winkel, in dem man aufs Zifferblatt schaut, weswegen die meisten Menschen unbewusst das Handgelenk etwas drehen, wenn sie die Zeit ablesen. Und das soll auch unter Wasser, und zwar dank verschraubter Kronen und ebensolchem Boden, bis 200 Meter Wassertiefe funktionieren. Das haben wir nicht ausprobiert, weil unser Exemplar, ein Bullfrog-Chronograph, ein (gewachstes) Rindslederband hatte. Wer ihn zum Tauchen einsetzen will, sollte sich für 59 Euro ein Silikonband mitbestellen.

          Die Gehäuseneigung ist freilich nicht so deutlich, wie wir nach der Papierform erwartet haben. Aber ein noch steiler ansteigendes Gehäuse würde dazu führen, dass man oft irgendwo hängenbleibt, weil die Uhr zu weit vorsteht. Unter eine Hemdmanschette würde sie wohl auch nicht passen. Wir tragen zwar keine Hemden, aber wir haben überdurchschnittlich oft Kontakt mit Türrahmen oder Klinken gehabt, weil für uns auch schon 15 Millimeter Höhe ungewöhnlich viel waren.

          Diese ungewollten Kontakte haben unserer Bullfrog aber nichts ausgemacht. Die Gehäuse der Serie bestehen aus Titan, was sie robust und leicht macht, das beidseitig entspiegelte Saphirglas ist extrem kratzfest und zeigt nach zwei Monaten keinerlei Spuren. Unser Exemplar mit seinem 42 Millimeter großen Gehäuse wog samt dem 22 Millimeter breiten Band mit Titanschließe 88 Gramm. Das ist problemlos zu tragen, auch wenn man die Uhr an schmäleren Handgelenken fest verzurren muss, damit sie nicht nach außen wegrutscht. Das wiederum führt dazu, dass man am Abend den mit dem erhabenen Schaumburg-Wappen verzierten Boden als Negativ-Abdruck auf dem Handgelenk hat.

          Auf dem mattlackierten, titanfarbenen Zifferblatt sind klar erkennbare versilberte Stabindexe aufgebracht, bei der „12“ ist der Totalisator angeordnet, der die Stopp-Minuten anzeigt, ihm gegenüber ersetzt die Datumsanzeige die „6“. Ein winziger Sekundenzeiger dreht in einem ebenso winzigen Kreis neben der „9“ permanent seine Runden, man muss genau hinschauen, damit man ihn sich bewegen sieht. Setzt man mit dem Drücker bei 2 Uhr den dünnen, aus der Mitte heraus agierenden Stoppsekundenzeiger in Gang, spürt man den deutlich knackenden Druckpunkt. Dann lassen sich die Sekunden auf einer roten Anzeige unterhalb der Indexe ablesen, um dann als gesammelte Minute auf den Totalisator zu wechseln. Um den äußeren Rand des Zifferblatts läuft eine Tachymeterskala. Die Zeiger sind mit Luminova belegt und zumindest in der ersten Hälfte der Nacht gut ablesbar, in der Dämmerung erscheinen sie bläulich, später grün, bevor sie verblassen.

          Die Bullfrog treibt das klassische Automatik-Chronographenwerk Valjoux 7750 von Eta an, es hat eine Gangreserve von 44 Stunden. Wer den Frosch nicht ständig trägt und den einseitig arbeitenden Antriebsrotor in Gang hält, muss Zeit und Datum öfter neu einstellen, was mit einem gewissen Aufwand verbunden ist. Denn da ist zunächst die Krone aufzuschrauben, bevor man die Funktionen in den verschiedenen Positionen ausüben kann. Wir haben die Bullfrog fast ununterbrochen getragen und in gut zwei Monaten eine Abweichung von drei Minuten beobachtet: Für eine mechanische Uhr ein prima Wert, der auch für die sorgfältige Regulierung des Kalibers bei Schaumburg spricht.

          Bleibt der Preis für die Ochsenfrösche, die derzeit in den Handel kommen: 1955 Euro verlangt Schaumburg Watch für den Chronographen, die beiden Dreizeigeruhren (eine mit zusätzlicher 24-Stundenanzeige) kosten 1074 und 1174 Euro. Die Bullfrogs aus Rinteln sind keine Großmäuler wie ihre Namensgeber, sondern der Beweis für die Kreativität kleiner Uhrenmarken, die mit Spezialitäten ihre Nischen finden.

          Monika Schramm

          Bezugsquelleninformation: Telefon 0 57 51/ 92 33 51 oder www.schaumburgwatch.com

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