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Sicherheit von Indexfonds : ETF-Branche wehrt sich gegen Vorwürfe

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Bild: F.A.Z.

Die Anbieter börsengehandelter Indexfonds wehren sich gegen mangelnde Anlegerschutz-Vorwürfe. Große Gesellschaften übersicherten ihr Fondsvermögen sogar, heißt es.

          Die Anbieter börsengehandelter Indexfonds (ETF) wehren sich gegen Vorwürfe von Aufsichtsbehörden, dass ihre Produkte das Geld der Anleger nicht ausreichend schützen. "Die meisten unserer Produkte sind nicht nur besichert, sondern auch mit mindestens 107 Prozent übersichert", sagt Thorsten Michalik, Leiter von DB X-Trackers, der ETF-Sparte der Deutschen Bank. "Teilweise liegt die Besicherung unserer ETF sogar bei 120 Prozent."

          Nach den milliardenschweren Fehlspekulationen des Händlers Kweku Adoboli, mit denen er die UBS in eine schwere Krise stürzte, kam auch wieder Kritik an ETF auf. Denn Adoboli hatte vorgegeben, riskante Positionen durch entsprechende Käufe von ETF abzusichern - ohne dies jedoch getan zu haben.

          Einsatz von Derivaten und Swaps in der Kritik

          Besonders jene ETF-Variante, die auf dem Einsatz von Derivaten und Swaps basiert, geriet in die Kritik. Auch wenn Adobolis Fehlspekulationen nicht der ETF-Branche angelastet werden können, haben einige Finanzaufsichtsbehörden die Sorge geäußert, diese auf Derivaten basierenden ETF könnten unangemessen hohe Risiken eingehen und eine weitere Gefahr für die Stabilität des gesamten Finanzsystems darstellen. So hatten schon vor Bekanntwerden des UBS-Skandals die britische Finanzaufsichtsbehörde FSA und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ihre Bedenken publik gemacht.

          Michalik dagegen hält die bisher getroffenen Maßnahmen für ausreichend. "Wir veröffentlichen täglich für jeden Fonds, wie hoch er besichert ist, und listen genau auf, woraus diese Sicherheiten bestehen." Dies mache DB X-Trackers schon seit November des vergangenen Jahres, also schon bevor die Kritik an Derivate-ETF öffentlich wurde. "Wir wollen ja volle Transparenz", sagt Michalik weiter.

          ETF wurden vor etwas mehr als zehn Jahren in Europa eingeführt und erleben ein starkes Wachstum, weil sie einen kostengünstigen Einstieg in eine Vielzahl von Indizes und eine sehr genaue Abbildung verschiedenster Marktindikatoren auf Aktienkörbe, Branchen, Länder, Anleihen, Währungen und selbst Rohstoffe oder Hedgefonds ermöglichen.

          Zwei Varianten von ETF stehen sich dabei gegenüber: Replizierende ETF, bei denen die Fondsgesellschaft physisch die im entsprechenden Index enthaltenen Aktien kauft. Bei einem ETF auf den Aktienindex Dax kauft die Fondsgesellschaft sämtliche 30 Dax-Werte entsprechend ihrem Gewicht in dem Index. Daneben gibt es Derivate-ETF, in der Branche swapbasierte ETF genannt, bei denen die Entwicklung des Dax über Swaps dargestellt wird. Diese Konstruktion bieten neben DB X-Trackers Anbieter wie Comstage oder Lyxor an. Viele Fondsgesellschaften führen beide Varianten im Programm.

          "Unabhängig davon, wie ein ETF konstruiert ist, sind alle unsere Indexfonds gesetzlich Investmentfonds nach europäischem Recht und unterliegen voll der Regulierung von Investmentfonds", sagt Michalik. So erlaube die europäische Richtlinie für Investmentfonds (Ucits) den gezielten Einsatz von Derivaten, stellt dafür jedoch bestimmte Regeln auf.

          "Entweder kann man die Aktien oder Rentenanleihen und einen Swap im ETF halten, dann ist die Besicherung zwangsläufig bei den meisten Anbietern um die 100 Prozent, mindestens jedoch bei 90 Prozent", erklärt Michalik. "Oder man hält im ETF nur einen Swap und richtet bei einer unabhängigen Drittpartei einen Sicherheitenkorb ein, dann ist auch eine Übersicherung möglich." Dabei ist sich Michalik sicher: "Unsere Methode der Auslagerung und Übersicherung, verbunden mit der Transparenz, die wir bieten, das wird Standard in der Branche."

          Absicherung gegen das Gegenparteienrisiko nötig

          Bei Derivate-ETF sehen die Aufsichtsbehörden die Gefahr, dass die Anleger Geld verlieren, wenn die Gegenpartei der Fondsgesellschaft nicht mehr zahlungsfähig sein sollte. Wenn ein Anleger beispielsweise 1000 Euro in einen Dax-ETF von DB X-Trackers einzahlt, dann kauft diese von der Deutschen Bank eine Forderung über 1000 Euro in Dax-Aktien, verbunden mit der Garantie, dass die Forderung gegenüber der Deutschen Bank auch künftig täglich genauso viel wert ist wie der Dax. Diese Transaktion wird als "Swap" bezeichnet. Dank dieses Geschäfts entspricht die Wertentwicklung des Dax-ETF börsentäglich genau der Entwicklung des Dax.

          Das Vermögen des Dax-ETF besteht somit nicht aus einem Portefeuille an Dax-Aktien, sondern aus einer Forderung gegenüber der Deutschen Bank. Somit trägt der ETF-Käufer ein Risiko gegenüber der Bank für den Fall, dass diese zahlungsunfähig werden und ihrer Verpflichtung gegenüber den Kunden von DB X-Trackers nicht nachkommen sollte.

          Für diesen Fall hat DB X-Trackers vorgesorgt: Die Deutsche Bank hat bei einer von ihr unabhängigen Bank, State Street in Luxemburg, einen Deckungsstock für sämtliche ETF von DB X-Trackers eingerichtet. Diese Sicherung besteht laut Michalik aus einem weltweiten Korb an hoch liquiden Aktien aus soliden Ländern, wobei ein Einzeltitel nie mehr als 4 Prozent des Portfolios ausmachen darf. Sollte die Deutsche Bank zahlungsunfähig werden, liquidiert State Street sämtliche ETF und bezahlt die Anleger aus diesem Deckungsstock aus. Die Besicherung beträgt mindestens 107 Prozent und liegt derzeit laut Michalik bei 120 Prozent.

          Angenommen, der schlimmste anzunehmende Fall träte ein und die Deutsche Bank würde zahlungsunfähig, dann verliert der Käufer des Dax-ETF nur dann Geld, wenn an diesem Tag die Aktien des Deckungsstock gegenüber dem Dax-ETF innerhalb eines Tages so stark an Wert verlieren, dass die Übersicherung von mindestens 7 Prozent nicht ausreicht. Selbst in diesem unwahrscheinlichen Fall rettet der Anleger einen Großteil seines Einsatzes und erhält nach menschlichem Ermessen vielleicht 95 Prozent, 97 oder 99 Prozent seines Kapitaleinsatzes zurück. Damit, glaubt Michalik, bieten Derivate-ETF eine Sicherheit und Transparenz, wie sie selbst klassische Investmentfonds nicht bieten. Nur muss er davon noch die Aufsichtsbehörden überzeugen.

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