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Wende in der Ebola-Krise? : Seuchenalarm ohne Skrupel

WHO-Generaldirektorin Margaret Chan und ihr Assistent Keji Fukuda bei der Verkündung des internaitonalen Gesundheitsnotstands in Genf.. Bild: AP

Ebola kann eingedämmt werden. Trotzdem gelingt das in Westafrika nicht. Den Ärzten läuft die Zeit davon koordiniert vorzugehen. Ihre Mittel sind begrenzt, gleichzeitig gefährden Panikmacher ihre Arbeit. Die Weltgesundheitsbehörde musste also handeln.

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          Panik schüren ist das, was amerikanische Konservative wie Donald Trump tun, wenn sie auf global vernetzten Kanälen über „Heimatschutz“ twittern und den Leuten Angst vor dem Einschleppen der Ebola-Seuche einjagen. Panik eindämmen ist dagegen das Gebot der Stunde. Kann die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das erreichen, indem sie den internationalen Gesundheitsnotfall erklärt und formal die Eskalationsschraube anzieht? Sie kann. Genaugenommen, kann sie gar nicht anders, wenn sie die Erfahrungen, die sie mit der Schweinegrippe gemacht hat, auch bei dieser ungewöhnlichen Ausbreitung des Zaire-Ebola-Virus in Westafrika nutzen will.

          Eine Frau wird Ebola-Opfer und stirbt in den Straßen eines Vorortes von Liberias Hauptstadt Monrovia.
          Eine Frau wird Ebola-Opfer und stirbt in den Straßen eines Vorortes von Liberias Hauptstadt Monrovia. : Bild: dpa

          Die Weltgemeinschaft steht immer vor dem gleichen Problem: Medizinisch fehlt es am Nötigsten; die koordinierte Reaktion wird durch politisches und soziales Missmanagement verhindert; und, besonders fatal: Irrationale Ängste und Quacksalbergestrüpp breiten sich schneller aus als der Erreger selbst. Die Menschen werden nicht erreicht, oft nicht einmal die Autoritäten. Was es da braucht, ist Gegendruck durch klare Vorschriften für eine disziplinierte Seuchenhygiene. Wenn nötig, auch mit einem globalen Seuchenalarm.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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