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Ebola, Dengue, Sepsis : Seuchen und Systeme

Die Universitätsklinik in Frankfurt hat sich vorbereitet auf ankommende Ebola-Verdachtsfälle. Bild: Reuters

Ob Ebola näher rückt, weiß niemand. Dass das Virus tatsächlich verschleppt wird, ist offenkundig. Eine Pandemie ist es noch immer nicht. Doch die Ausbreitung anderer tödlicher Erreger-Leiden wie Dengue und Sepsis zeigt, wie auch fortschrittlichere Gesundheitssysteme als jene in Afrika versagen.

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          Wer über die dramatische Situation in den westafrikanischen Ebola-Epidemiegebieten den Kopf schüttelt und über die prognostizierten 1,4 Millionen Infizierten, der wird angesichts solcher Zahlen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: 2,35 Millionen Menschen, die sich 2012 auf dem amerikanischen Kontinent mit dem Dengue-Virus ansteckten - 1,2 Millionen mehr als vier Jahre davor in der ganzen Welt registriert worden waren. Impfung? Fehlanzeige. Heilung? Keine spezielle Therapie verfügbar. Wo die Gesundheitsversorgung brachliegt, sterben bis zu zwanzig Prozent am Denguefieber, bei guter medizinischer Betreuung einer von hundert.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          In großen Teilen Südamerikas und Asiens ist die Infektion mittlerweile die wichtigste Todesursache bei Kindern. Das sagt einiges über das öffentliche Gesundheitswesen in diesen Ländern. In den siebziger Jahren wurde die Krankheit in neun Ländern festgestellt, heute ist sie in mehr als hundert Staaten verbreitet. In Chinas Provinz Guangdong meldeten die Gesundheitsämter am Montag 6089 bestätigte Dengue-Fälle - ein Rekordwert. Üblich waren die Jahre davor unter tausend. Zwei Tage nach der offiziellen Bekanntmachung am Mittwoch meldete die staatliche Nachrichtenagentur schon 7497 Infizierte. Die Gesundheitssysteme versagen, nicht nur in den Krisengebieten Afrikas.

          Blutsauger: Die Tigermücke kann mit einem Stich das gefährliche Dengue-Fieber übertragen.

          Das Dengue-Virus wird durch wärmeliebende Stechmücken übertragen. Deren Ausbreitung wird seit Jahren prophezeit, sei es auf Konferenzen des Weltklimarates IPCC oder der Weltgesundheitsorganisation WHO. Auch Europa haben die hoch anpassungsfähigen Gelbfiebermücken, Aedes aegypti, die das Virus verbreiten, erreicht; 2010 wurden die ersten lokalen Übertragungen in Südfrankreich und Kroatien nachgewiesen. Auf der Insel Madeira wurden vor zwei Jahren mehr als 2000 Infektionen erfasst. Importierte Fälle sind mittlerweile in zehn europäischen Ländern verbürgt.

          Die Welt, so scheint es, sieht eine medizinische Katastrophe auf sich zurollen, ihre Mittel jedoch sind kaum sichtbar - genauso wenig wie die Bereitschaft, die Vorsorge zu stärken. Vor allem die rapide anschwellenden Großstädte sind gefährdet. Vierzig Prozent der Weltbevölkerung, rechnet die WHO mittlerweile, leben in potentiellen Dengue-Regionen. Die Mediziner sind darauf ebenso wenig vorbereitet wie die öffentlichen Gesundheitssysteme. Brasilien will die Notbremse ziehen, eine Art Verzweiflungsexperiment soll die Überträgermücken stoppen: Tausende Mücken, die das Wolbachia-Bakterium in sich tragen und deshalb unfruchtbar sind, werden seit vergangener Woche vier Monate lang im Wochenrhythmus in einem nördlichen Abschnitt von Rio de Janeiro ausgesetzt. Damit soll der Vermehrungszyklus unterbrochen werden. Erfolgsaussichten? Ungewiss. Präventiv könnte viel erreicht werden, wenn die Wasserversorgung und die Müllentsorgung funktionieren würden. Selbst dort, wo Klinikbetten zur Verfügung stehen, fehlt es an der Organisation, am Geld und am Personal, um die Katastrophe rechtzeitig einzudämmen.

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