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Senator Ted Cruz : Rambo

Wenn Ted Cruz durch das Land reist und über den amerikanischen Traum spricht, dann wissen Freund und Feind: Der Mann möchte Präsident werden. Bild: AFP

Im Haushaltsstreit mit den Demokraten ist er unterlegen. Doch den 42-jährigen Senator Ted Cruz hat die Auseinandersetzung mit der Regierung bekannter denn je gemacht. Gut für ihn, denn der Republikaner hat noch ganz andere Ambitionen.

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          Als Ted Cruz vor einem Jahr Senator wurde, hängte er ein Ölgemälde in sein Büro. Es zeigt seinen ersten Auftritt vor dem Supreme Court. Das ist zehn Jahre her, Cruz war 32 Jahre alt und Generalanwalt von Texas. Weil der Maler nicht nur Cruz malte, sondern auch drei weitere Maler, die Cruz malten, ist dessen pomadisierter Haarschopf vierfach zu sehen. Das passt zu dem Eindruck, den Cruz bei seinen Kollegen hinterlässt: Dieser Mann kreist um sich selbst. Er selbst bietet eine gefälligere Deutung an: Das Gemälde erde ihn - denn damals habe er vor dem Obersten Gericht krachend verloren. Was heißen soll: Sonst hat Cruz meistens gesiegt.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Als er vor drei Jahren mit Hilfe der Tea Party für das Amt des Senators kandidierte, zählte er seine Erfolge auf - etwa den, dass eine Steintafel mit den Zehn Geboten auf dem Grundstück des texanischen Parlaments bleiben durfte. Ein Berater der Republikaner sagte der Zeitschrift „GQ“: „Er hat den Job des Generalanwalts wie eine Mischung aus Rocky und Rambo klingen lassen.“ Seine Rambo-Qualitäten gehen vielen Senatoren auf die Nerven. Cruz gehörte dem Kongress erst wenige Wochen an, da suchte er sich bei der Befragung Chuck Hagels zu profilieren, den der Präsident als Verteidigungsminister nominiert hatte. Cruz insinuierte, Hagel habe Honorare von Amerikas Feinden bekommen, womöglich gar von Nordkorea.

          21-Stunden-Filibuster mit Gutenachtgeschichte

          Obwohl der Kongressneuling in der eigenen Fraktion isoliert ist, hat es Cruz Ende September geschafft, die Republikaner im Repräsentantenhaus auf seine Linie festzulegen: Obama bekommt einen Übergangshaushalt nur, wenn er seine Gesundheitsreform entkernt. Cruz’ 21-Stunden-Filibuster mit Gutenachtgeschichte für die beiden Töchter daheim konnte den Senat zwar nicht daran hindern, die Bedingungen abzulehnen. Aber die PR-Aktion schraubte den Preis in die Höhe, den jeder kompromisswillige Republikaner zahlen muss. Nun wird dieser fällig, denn das Ziel war angesichts der Mehrheitsverhältnisse unerreichbar. Der republikanische Senator Bob Corker presste seinen Ärger über den Kollegen, der gern von seinem Studium an zwei Eliteuniversitäten erzählt, in diesen Satz: „Ich habe zwar nicht in Princeton und Harvard studiert, aber ich kann zählen.“

          Ted Cruz ist jetzt im ganzen Land bekannt. Die meisten lehnen seine Haltung zwar ab - aber im konservativen Publikum, auf das es ihm jetzt ankommt, hat er Punkte gesammelt. Wenn er durch das Land reist, in seinen schwarzen Cowboystiefeln über Bühnen spaziert und eloquent über den amerikanischen Traum spricht, dann wissen Freund und Feind: Cruz will Präsident werden. Die Geburt in Kanada dürfte dafür kein Stolperstein sein. Cruz verzaubert die Leute mit der Geschichte seines kubanischen Vaters, der einst (als Mitstreiter der Castro-Brüder!) vom Batista-Regime eingesperrt wurde, sich dann „nur mit 100 Dollar, eingenäht in die Unterhose“ nach Amerika durchschlug und ein Ölunternehmen gründete. Er habe zwei politische Helden, sagt Ted Cruz: „Meinen Vater und Ronald Reagan.“

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