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Semperoper im Intendanten-Schock : Verliebt, verlobt, geschieden oder: Dorny muss gehen

  • -Aktualisiert am

Krachen im Gebälk: Die Semperoper in Dresden wird zur Kulisse eines Gerangels, bei dem angeblich keiner der Beteiligten versteht, worum es geht. Bild: dpa

Serge Dorny, dem Intendanten der Semperoper, wurde von der Kunstministerin persönlich und fristlos gekündigt - weil er den „Betriebsfrieden nachhaltig gestört“ habe. Erfahren hat er es aus den Medien. Am Dienstag ist Pressekonferenz.

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          Die Kündigung kam für Serge Dorny „total überraschend“. Gegenüber dieser Zeitung sagte er: „Es gab einen Gesprächstermin am 10.Februar, ich hatte die Ministerin um Aufklärung gebeten über die Verteilung der Kompetenzen. Sie versprach, mir bis zum 21.Februar die Rechte aus meinem Vertrag zu bestätigen, so wie er abgeschlossen worden war im vergangenen September. Jedenfalls erhielt ich am 21. von einem Mitarbeiter des Ministeriums einen Brief, dass die Ministerin verreist sei und erst am 26. antworten könne. Fast zeitgleich gab sie am 21. meine Kündigung bekannt.“

          Schon wieder ist die Semperoper in Dresden kopflos. Das ging schnell, der Schock sitzt tief. Jetzt müssen die Verantwortlichen zusehen, dass sie den Trümmerhaufen wieder abtragen, den das Kultusministerium des Freistaates Sachsen vor drei Tagen hinterlassen hat.

          Was die Schuldfrage angeht, steht zur Zeit Aussage gegen Aussage. Doch es gibt, egal, wer wann was falsch gemacht hat in den vergangenen Wochen an diesem aus Film- und Fernsehwerbung weithin bekannten Prachtopernhaus, bestehende Verträge. Den für den entlassenen Intendanten Serge Dorny, aber auch die der von ihm verpflichteten Mitwirkenden, Sänger wie Regisseure in der nächsten (und übernächsten) Spielzeit.

          Am Dienstag wird sich die Rumpfleitung des Hauses in einer Pressekonferenz der Frage stellen, wie es weitergehen soll. Es nehmen teil: Sabine von Schorlemer, die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Wolfgang Rothe, der kaufmännische Geschäftsführer der Semperoper, Christian Thielemann, der Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle, und Henrik Woll, der Orchestervorstand. Serge Dorny nimmt nicht teil.  Eines kann man jetzt schon sagen: Es wird teuer.

          Geteiltes Echo

          Über den Umweg einer Presseerklärung also hatte Ministerin Sabine von Schorlemer dem Intendanten Serge Dorny am Freitag mitgeteilt, er sei fristlos gekündigt. Die Wortwahl des Schreibens ist außergewöhnlich unhöflich. Konkrete Gründe werden nicht genannt. Stattdessen tadelt die Ministerin den Charakter des Entlassenen: Er habe das „vorhandene Vertrauen aller Beteiligten in kürzester Zeit verspielt“, den „Betriebsfrieden nachhaltig gestört“.

          Inzwischen haben sich Mitarbeiter des Opernhauses zu Wort gemeldet, die dem widersprechen, darunter auch Ballettdirektor Aaron Watkin. Auch der Chef der Staatskapelle, Christian Thielemann, erklärt öffentlich, er habe sich mit Dorny eigentlich ganz prächtig verstanden, obgleich die Konflikte, um die es geht, ihn ganz direkt betreffen.

          Serge Dorny, der entlassene Intendant der Semperoper


          „Ich finde es rätselhaft, was in diesem Schreiben drinsteht. Ich habe doch mit Herrn Dorny ganz wunderbare Gespräche gehabt“, sagte er gegenüber der F.A.Z., „die Staatskapelle und ich, wir sind ja kein revolutionärer Laden. Wir haben uns wahnsinnig auf Dorny gefreut.“ Von Kompetenzgesprächen zwischen Dorny und dem Ministerium habe er nichts gewusst.

          Verwaltungsdirektor Wolfgang Rothe dagegen stellte sich, kurz und lakonisch, „loyal“ hinter das Schreiben der Ministerin. Zur Schadensbegrenzung meinte deren Sprecherin, Annett Hofmann, am Samstag, unter Anspielung auf Dornys erst fünf Monate alten Vertrag: „Wir hatten uns zwar verlobt, waren aber noch nicht verheiratet.“

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