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Schulinitiative : „Schach als Bildungswerkzeug“

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Schach für alle: Schüler sollen künftig früh das „Spiel der Könige“ lernen (Foto: Hamburger Schulschachturnier Rechtes Alsterufer gegen linkes Alterufer“ im Februar) Bild: dpa

Schach für Grundschüler: Der frühere Weltmeister Garri Kasparow setzt sich erfolgreich für Schach als Schulfach ein. Das französische Bildungsministerium empfiehlt künftig allen Schulen den Unterricht.

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          An das Europäische Parlament gerichtete Initiativen haben einen schweren Stand. Von denen, die die Hürde der Zulassung nehmen, findet nur jede dreizehnte eine Mehrheit unter den Abgeordneten. Eine Initiative für Schach an den Schulen hat es geschafft. Das ist vor allem ein Erfolg für Garri Kasparow und die von ihm erst vor neun Monaten ins Leben gerufene Kasparow Chess Foundation Europe.

          Der 48 Jahre alte Russe verbrachte mehrere Sitzungswochen in Straßburg, um Abgeordnete persönlich von „Schach als Bildungswerkzeug“ zu überzeugen. „Von den Osteuropäern und Spaniern haben 90 Prozent unterschrieben, von den Deutschen, Briten, Franzosen und Italienern nur jeder Dritte“, sagt Kasparow. „Dafür zieht sich die Unterstützung quer durch sämtliche politische Lager: In allen Fraktionen liegt sie bei 50 bis 60 Prozent.“

          Schulschachprogramme beruhen meist auf Freiwilligkeit. Etwa 15 deutsche Schulen experimentieren mit Schach als Pflichtfach. Das erste Land, in dem Schach flächendeckend von der zweiten Klasse an unterrichtet wird, ist seit vorigem Jahr Armenien.

          Pädagogischen Nutzen verspricht das Spiel vor allem im Grundschulalter. Als Beleg gilt eine vierjährige Langzeitstudie der Universität Trier. „Um im Schach erfolgreich zu sein, braucht man die gleichen Fähigkeiten wie in der Schule und im Leben: geistige und emotionale Disziplin, Kreativität, Logik, Vorausberechnung, Visualisierung, Gedächtnis und Fleiß“, sagte Kasparow bei den „Journées de l’Innovation“ bei der Weltkulturorganisation Unesco in Paris.

          Fide kontert mit Rosneft

          Das französische Schulministerium empfiehlt künftig allen Primarschulen Schachunterricht. In Südafrika, wo Kasparow bis Montag war, sollen durch Schach vor allem sozial benachteiligte Schüler gefördert werden. Von seiner nächsten Station Estland erhofft er sich einen Großversuch mit computergestütztem Schachunterricht: „Weil Schach Spaß macht, bietet es einen idealen Einstieg ins digitale Klassenzimmer.“ Lehrmaterial stellt seine Stiftung zur Verfügung. Finanziert wird sie von dem Industriellen Jan Callewaert, der auch Präsident des belgischen Fußballerstligaklubs Leuven ist.

          Kasparows andere Opposition: Ende Februar im russischen Präsidentschaftswahlkampf (Foto: Menschenkette durch Moskau)
          Kasparows andere Opposition: Ende Februar im russischen Präsidentschaftswahlkampf (Foto: Menschenkette durch Moskau) : Bild: dapd

          Kasparow sagt, dass er mit Schulschach kein Geld verdienen will. Nachdem der von ihm unterstützte Anatoli Karpow die Wahl um den Vorsitz im Weltschachbund (Fide) 2010 verloren hatte, habe er vor der Wahl gestanden, ob er sich wieder auf die Oppositionsarbeit gegen den künftigen russischen Präsidenten Putin konzentriere oder im Schach noch ein Projekt verfolge. Den Ausschlag gab für ihn, dass die Fide-Führung das Schulschach grob vernachlässigt habe.

          Doch nun versucht der Dachverband, sich die Deutungshoheit zurückzuholen: 100 Schulen in jedem Land sollen mit Spiel- und Lehrmaterial ausgestattet werden. Sponsor dieses Programms ist die staatliche russische Ölgesellschaft Rosneft, die zum direkten Einflussbereich Putins gehört.

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