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Rückkehr zur Drachme? : Alternativen für Griechenland

Zahlungsmittel Euro: In dieser Fußgängerzone in Athen haben mehrere Geschäfte im Zuge der Krise geschlossen Bild: Nick Hannes/Reporters/laif

Zwei neue Parteien wollen Griechenland aus der Eurozone und zurück zur Drachme führen. Eine davon leitet der politische Ziehvater von Oppositionsführer Alexis Tsipras. Darüber freut sich vor allem Ministerpräsident Antonis Samaras.

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          Wäre die Welt so einfach, wie der griechische Oppositionsführer Alexis Tsipras sie seinen Anhängern auslegt, in Griechenland wäre alles in bester Ordnung. Im vergangenen Sommer, während der Kampagne zur Parlamentswahl, versprach der Athener Krisenmatador, als Ministerpräsident werde er den Geldgebern des Landes „aggressive Neuverhandlungen“ aufzwingen und sie so zu Zugeständnissen nötigen.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Seine Botschaft war verführerisch: Bleibt Athen stark, wird Berlin schwach. Es werde wieder Löhne wie zu Vorkrisenzeiten geben, die Schulden des Landes würden gestrichen. Knapp 27 Prozent der Wähler schenkten Tsipras Glauben - oder zumindest ihre Stimme. Nur knapp verfehlte sein Linksbündnis „Syriza“ das Ziel, stärkste Kraft zu werden.

          Ausgerechnet Tsipras’ Entdecker und politischer Ziehvater übt nun jedoch Kritik an der holzschnittartigen Krisenlogik von Syriza und ihrem Chef. „Es gibt in Griechenland die vor allem von Syriza unterstützte Ansicht, dass wir mit einer Regierung, die härter mit den Geldgebern verhandeln würde, viel besser dastünden. Zu glauben, man müsse nur auf den Tisch hauen und bekomme dann alles, ist aber naiv. So funktioniert es nicht“, stellt Alavanos fest.

          Alekos Alavanos war Tsipras’ Vorgänger an der Spitze von Syriza. Da er seit Jahrzehnten eine Galionsfigur der griechischen Linken ist, kann die Partei ihn nun schlecht als reaktionären Steigbügelhalter des Großkapitals abstempeln, wie sie es sonst gern tut mit ihren Kritikern. Die Behauptung, wenn Athen hart bleibe, könne es die Eurozone in die Knie zwingen, werde durch den Fall Zypern widerlegt, hält Alavanos seinem Nachfolger vor: „Zypern startete mit der denkbar härtesten Verhandlungsposition.

          „Plan B“ für Athen

          Bei der Abstimmung über das erste Memorandum mit der Troika stimmte das gesamte Parlament mit Nein oder enthielt sich, was einer Ablehnung gleichkam. In Griechenland wurde damals gejubelt. Zypern schien zu zeigen, dass auch kleine Staaten Verhandlungsmacht haben. Aber wir haben ja gesehen, was danach geschah.“ Danach geschah nämlich das Gegenteil von dem, was Tsipras als Ziel „aggressiver Neuverhandlungen“ ausgibt: Die Europäische Zentralbank kündigte an, sie werde Zyperns Banken von der für sie existentiellen Notfall-Liquiditätsversorgung abschneiden, füge Nikosia sich nicht. „Das Ergebnis nach einer Woche war für Zypern in vielerlei Hinsicht schlechter als die erste Lösung. Es war eine Katastrophe“, resümiert Alavanos. Im Mai, etwa sechs Wochen nach dem zyprischen Drama, hat er „Plan B“ gegründet, seine eigene Partei. Sie tritt gemäßigter auf als Syriza, ist aber eigentlich radikaler. Tsipras ruft zwar zum Aufstand gegen das vermeintliche deutsche Spardiktat auf und forderte auch einmal, die Unterhändler der Troika zu ignorieren, wenn sie nach Athen kommen, beharrt aber stets auf Griechenlands Mitgliedschaft in der Eurozone.

          “Plan B“ dagegen sagt, wer die Austeritätspolitik ablehne, müsse auch bereit sein, aus der gemeinsamen Währung auszuscheiden. Die Partei schlägt vor, Griechenland solle wieder die Drachme einführen. Mit der „Alternative für Deutschland“ hat er zwar keinen Kontakt, „aber ich halte das für eine interessante Bewegung. Sie denken freier, nicht nach festgelegten Schemata“, lobt Alavanos, der Deutsch versteht und nach eigenem Bekunden „alles“ liest, was Hans-Werner Sinn schreibt. Der Name des deutschen Wirtschaftswissenschaftlers fällt fast immer, wenn man mit griechischen Eurogegnern spricht.

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