https://www.faz.net/-1v0-7hpdm

Richard Pound : Interesse am Kampf gegen Doping fehlt

„Was sagt das über das Bekenntnis Deutschlands zu einem ethischen Sport?“: Richard Pound Bild: dpa

Richard Pound wirft Deutschland in einem Interview in der Sonntagszeitung vor, dass es nicht ernsthaft an der Bekämpfung von Doping interessiert sei. Hintergrund ist die Reduzierung des Budgets der Nada.

          Richard Pound, Gründungspräsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) und einflussreiches Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), wirft Deutschland vor, dass es nicht ernsthaft an der Bekämpfung von Doping interessiert sei, wenn es seine Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) in Bonn nicht ausreichend finanziere.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Wenn eine armselig finanzierte Agentur weiter beschränkt wird, ist das ein Zeichen, dass niemand an einem ernsthaften Kampf gegen Doping interessiert ist“, sagte er im Interview mit der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

          Der Nada steht für das kommende Jahr eine Reduzierung ihres Budgets um rund zwanzig Prozent auf weniger als vier Millionen Euro bevor. Der Bund will sein Engagement reduzieren, die Länder haben die Doping-Bekämpfung nie ausreichend unterstützt, ebenso wenig die Wirtschaft. Noch im Dezember hat bei der Vollversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes die überwältigende Mehrheit der Sportverbände eine finanzielle Förderung der Nada abgelehnt.

          Die Doping-Bekämpfung müsse vom Sport und vom Staat finanziert werden, fordert dagegen der 71 Jahre alte kanadische Jurist Pound. „Was sagt das über den deutschen Sport? Was sagt das über das Bekenntnis Deutschlands zu einem ethischen Sport?“, fragt er in dem Gespräch.

          Schock durch den Doping-Fall Johnson

          „Wenn man es der Nada unmöglich macht, ihre Arbeit zu tun, ist das kein gutes Zeichen.“ Die deutsche Nada sei schon bisher nicht gut ausgestattet gewesen, kommentiert Pound. Weniger Geld für die Doping-Bekämpfung aufzuwenden, statt sie immer stärker zu unterstützen, bedeute, Kontrollen, Aufklärung und Forschung einzuschränken.

          Pound erinnert sich in dem Interview an den Olympiasieg im Hundert-Meter-Lauf seines Landsmannes Ben Johnson bei den Olympischen Spielen von Seoul vor 25 Jahren und den Schock, den der Doping-Fall Johnson auslöste. Pound übernahm damals die Verteidigung des Sprinters - und stimmte im IOC für dessen Sperre.

          Topmeldungen

          Reformpaket gegen Klimawandel : Der Tag der Entscheidung

          Nach monatelangen Debatten steht die Bundesregierung vor einer klimapolitischen Richtungsentscheidung. Verschiedene Maßnahmen stehen zur Wahl. Eine Übersicht.

          „Downton Abbey“ im Kino : Flucht in die heile Adelswelt

          „Downton Abbey“, der Kinofilm, ist das polierte Produkt der Brexit-Jahre: ein nostalgischer Blick auf die Welt des englischen Adels und eine Aufforderung, sich vor der politischen Gegenwart zu verstecken.