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: Zollitsch verteidigt Zölibat

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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, sieht keinen Spielraum für Änderungen beim Zölibat, dass auch verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden könnten.

          Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, sieht keinen Spielraum für Änderungen beim Zölibat, dass auch verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden könnten. Er verwies am Samstag im Haus am Dom auf zwei Weltbischofssynoden, die sich für die Beibehaltung des Zölibats ausgesprochen hätten, und reagierte damit auf Äußerungen namhafter katholischer CDU-Politiker, die sich jüngst für die Weihe verheirateter Männer ausgesprochen hatten. Auch der Provinzial der Jesuiten in Deutschland hatte sich entsprechend geäußert. "Es ist das gute Recht jedes Katholiken, seine Meinung zu äußern, aber der Zölibat ist ein hohes Gut", sagte Zollitsch. Er sei entscheidend für das Verständnis des Priestertums und der Kirche. Wichtig sei, junge Menschen auf Berufungen für das Priesteramt und andere kirchliche Berufe anzusprechen.

          Der Erzbischof war in Frankfurt aus Anlass des traditionellen Karlsamts zu Gast. In jedem Jahr gedenken die Frankfurter Katholiken mit einer besonderen Liturgie im Dom Karls des Großen, des Patrons des Doms und der Stadt. Dazu wird ein Bischof aus einem europäischen Land als Gastprediger eingeladen. Vor dem Gottesdienst gibt es mit dem jeweiligen Bischof eine öffentliche Gesprächsveranstaltung im Haus am Dom und einen Empfang im Römer.

          Zollitsch sprach sich im Haus am Dom für den Dialog mit Muslimen in Deutschland aus, forderte von diesen aber auch ein wachsendes Verständnis dafür, dass Gesellschaft und Religion nicht identisch seien und der Koran nicht in staatliche Gesetze überführt werden könne. Außerdem müsse es in islamischen Ländern Religionsfreiheit geben. Beispielsweise müsse die Kirche in der Türkei staatlich anerkannt werden. In Abgrenzung von dem in Frankreich geltenden Laizismus würdigte er das Modell der Kooperation von Kirche und Staat, wie es dies in Deutschland und anderen europäischen Ländern gebe. "Dafür müssen wir kämpfen", sagte er. Den Europa prägenden Beitrag des Christentums sieht er in der Betonung der Würde eines jeden Menschen. Von den Gläubigen wünscht sich der Erzbischof, der auch Mitglied im neuen, vom Papst eingesetzten Rat zur Förderung der Neuevangelisierung ist, "mehr Mut, davon zu sprechen, was uns bewegt".

          Das hob auch der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zu Beginn des Karlsamts im Dom hervor: Die Kirche brauche "Mut zur Mission". In seiner Predigt sagte Zollitsch, die Christen hätten eine "Bringschuld" in Europa: Sie müssten Antworten auf die Frage nach dem Wert und dem Sinn des Lebens haben. Als Beispiel nannte er die Initiative der katholischen und der evangelischen Kirche in Deutschland gegen eine direkte Sterbehilfe. Die Kirchen hatten jüngst eine christliche Patientenvorsorge vorgestellt. Zollitsch wandte sich aber auch gegen manche "larmoyante Kritik" an Entwicklungen in Europa, die es auch in der Kirche gebe. Als Beispiele für positive Entwicklungen nannte er Freiheitsrechte und den Wohlstand vieler Menschen in Europa.

          Unterschiedlich akzentuierten Tebartz-van Elst und der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz den von Zollitsch im Herbst angestoßenen Prozess für einen offenen Dialog in der Kirche. Der Bischof versteht darunter nicht eine "Debatte, sondern eine Vergewisserung des Glaubens", wie er im Dom sagte. Ähnlich hatte auch Zollitsch im Haus am Dom seine Initiative skizziert. Eltz warb hingegen bei einem Empfang nach dem Gottesdienst für einen ehrlichen, ergebnisoffenen Dialog über anstehende Themen. toe.

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