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: Windkraft im Einklang mit Vogelschutz

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was. GIESSEN. Der Landesverband Hessen des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) fordert, neben Vorrangflächen für die Windkraftnutzung auch "klar definierte Ausschlussflächen" zu berücksichtigen. Erhalt biologischer Vielfalt und ...

          was. GIESSEN. Der Landesverband Hessen des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) fordert, neben Vorrangflächen für die Windkraftnutzung auch "klar definierte Ausschlussflächen" zu berücksichtigen. Erhalt biologischer Vielfalt und Nutzung regenerativer Energieträger seien gleichrangige Ziele für die Weiterentwicklung Hessens, heißt es in einem Konzept des Nabu zum Thema Windkraft, das Landesgeschäftsführer Hartmut Mai in dieser Woche präsentiert hat.

          Der Nabu kritisiert jedoch, dass in den zurückliegenden Jahren zu viele Windkraftanlagen an sensiblen Standorten geplant oder errichtet worden seien, worunter der Schutz biologischer Vielfalt leide. Der Naturschutzbund spricht sich im Grundsatz dafür aus, regenerative Energien stärker zu nutzen. Wenn das Land den Anteil erneuerbarer Energien bis 2020 auf 20 Prozent steigern wolle, werde das ohne Verdopplung oder Verdreifachung der bislang rund 600 hessischen Windkraftanlagen kaum zu realisieren sein. Es komme aber darauf an, dies in Einklang mit den Belangen der Natur zu machen. Dafür bedürfe es landesweit einheitlicher Planung.

          Zu den Vorrangflächen für den Schutz von Flora und Fauna sollten, so Mai, neben Naturschutzgebieten, dem Nationalpark Kellerwald-Edersee und Vogelschutzgebieten mit einer Größe von weniger als 10 000 Hektar auch die landesweit bedeutenden Zugkorridore gehören. Brut- und Rastplätze von geschützten Arten müssten von Windkraftanlagen ausgenommen werden.

          Als Beispiele für Fehlplanungen führt der Nabu Windkraftanlagen bei Ulrichstein und Helpershain im Vogelsberg, Nentershausen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, Sontra im Werra-Meißner-Kreis, Wolfhagen im Kreis Kassel sowie die Vasbecker Hochfläche im Kreis Waldeck-Frankenberg an.

          Bei Ulrichstein im Vogelsberg solle ein Windrad in einem sensiblen Waldgebiet errichtet werden. In Helpershain werde der Mindestabstand von 3000 Metern zu einem Schwarzstorchnest nicht eingehalten. Bei der Anlage in Nentershausen seien überregional wichtiger Rastplatz von Zugvögeln betroffen, die Fläche bei Sontra beherberge ein bedeutendes Vorkommen des von Windkraftanlagen stark bedrohten Rotmilans. Auch der Rödeser Berg bei Wolfhagen müsse wegen seiner Bedeutung für den Rotmilan von Windrädern frei gehalten werden.

          Eine besondere Situation stelle die Vasbecker Hochfläche dar, die ein wichtiges Rastgebiet für Zugvögel sei. Die dort errichteten Windkraftanlagen haben nach Erkenntnissen von Vogelschützern zu einem starken Rückgang an rastenden Vögeln geführt, die Demontage auf einem Teil der Fläche werde deshalb empfohlen.

          Vogelschützer unterscheiden zwei Aspekte der Gefährdung von Vogelbeständen durch Windenergieanlagen: Zum Teil mieden die Tiere deren Umgebung, wodurch ihnen Lebensräume verlorengingen. Bei Kiebitz und Goldregenpfeifer etwa zeige sich eine mit der Größe der Anlagen zunehmende Meidedistanz. Arten ohne Furcht vor Windrädern könnten dagegen kollidieren. Das betreffe vor allem Großvögel wie Rotmilan und Schwarzstorch. Zudem verweist der Nabu auf Untersuchungen, wonach auch Fledermäuse häufig an Windenergieanlagen verunglücken.

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