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: Trainer - ein Job, der lebensgefährlich sein kann

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FRANKFURT. Chris Faust tastet sich langsam wieder an sein altes Leben heran. Bis zu einem gewissen Punkt jedenfalls. Er will sich fortan im Leben an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten. Und damit ist nicht sein Fahrverhalten im Straßenverkehr gemeint.

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          FRANKFURT. Chris Faust tastet sich langsam wieder an sein altes Leben heran. Bis zu einem gewissen Punkt jedenfalls. Er will sich fortan im Leben an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten. Und damit ist nicht sein Fahrverhalten im Straßenverkehr gemeint. Die Ärzte haben dem Frankfurter verboten, bis zum Sommer 2011 als Trainer von Hockeymannschaften zu arbeiten. "Kleine internationale Projekte", wie Faust sagt, seien in Absprache mit den Medizinern ein Gradmesser, um zu sehen, wie und ob er die Rückkehr auf die Trainerbank verträgt. Und Coach zu sein, das ist sein Leben.

          Bei der am 8. Februar in der polnischen Stadt Poznan beginnenden Hallenhockey-Weltmeisterschaft wird der Zweiundvierzigjährige die tschechische Damenauswahl betreuen. Anderthalb Jahre nach seiner Herzattacke, erlitten bei einem Damen-Regionalligaspiel in Hanau. Faust weiß, dass er dem Tode sehr nahe war. Er musste den Trainerjob kündigen und "ließ alles fallen". Und der Familienvater, der sich selbst "leider als Adrenalinjunkie" bezeichnet, will auch "bloß nicht in alte Muster verfallen". Alte Muster heißt, dass Faust beispielsweise bei einem Verein wie dem Limburger HC schon mal gleichzeitig die 1. Herren, 2. Herren, A- und B-Jugendliche trainiert hat, werktäglich von 16 bis 23 Uhr durchgängig auf dem Kunstrasen stand und nachts daheim noch an Videos herumschnitt. Dass er parallel Sportlicher Leiter der Hockeyabteilung des MTV Kronberg war, im Trainerteam der australischen Damen-Auswahl bei der Hallen-WM 2007 stand und in Köln sein Studium zum Diplomtrainer vorantrieb. Ein Hans Dampf in allen Hockeygassen halt.

          Aber das will er eigentlich nicht mehr sein. Seine Diplomarbeit schrieb Faust zum Thema "Taktiktransfer vom Fußball zum Feldhockey" - den praktischen Teil erledigte der Fußballfan zum Teil beim SV Wehen Wiesbaden, dessen Spiele er filmte und dessen Trainer er mit seinen Videoanalysen beriet. Er kann sich einen Wechsel ins Fußballgeschäft durchaus vorstellen. "Wir von den olympischen Sportarten arbeiten halt anders, akribischer und intensiver als die Fußballer", sagt Faust. Das Studium, sagt er, "das hat mir die Augen geöffnet und neue Wege aufgezeigt". Sein emotionales Coachingverhalten damals sei "eine Art Selbstmord wie im Rausch" gewesen. Anderthalb Jahre habe er nun pausiert, sagt Faust. "Vielleicht war es Schicksal, und ich konnte in Ruhe mein Studium beenden. Ich bin zwanzig Kilo leichter, fit, ausgeruht und fühle mich den Aufgaben gewachsen." Und "kleinere Projekte", wie er sie nennt, liefen ja auch weiter. Einige Tage im Jahr kümmert Faust sich als Nationaltrainer um die U-16-Junioren im Hockeyentwicklungsland Schweiz, einige Stunden mehr kümmert er sich als Mitinhaber um sein Sportgeschäft "Matchball" in Höchst, das Frankfurt und Umland unter anderem mit Hockeyschlägern, -bällen und -trikots versorgt. Nicht zu vergessen seine Tätigkeit als Sportlicher Leiter beim HC Bad Homburg. Das ist ein Verein, der im Leistungshockey noch nie recht in Erscheinung getreten ist, aber derzeit erstaunliche 330 Kinder unter 16 Jahren in seinen Jugendteams hat. Faust kümmert sich vor allem um die Ausbildung der Trainer und die Inhalte der Übungseinheiten. "Der Verein hat mir sehr geholfen, als es mir schlechtging. Das werde ich zurückzahlen."

          Bei der Arbeit mit den technisch gut ausgebildeten Tschechinnen ist Faust wieder in seinem Element. "Ich habe gemerkt, dass mir das gefehlt hat." Sein Team hat mit Holland und der Ukraine bei der WM eine schwere Gruppe erwischt. Chris Faust wird zurückkommen - weiß er. Langsamer und ruhiger arbeiten - hofft er. Aber immer noch ein Getriebener sein - dagegen kann er sich nicht wehren. Alex Westhoff

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