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: Suhrkamp vor Gericht

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Die Anwälte des Suhrkamp Verlags haben gestern vor dem Landgericht Frankfurt bestritten, dass auf der Gesellschafterversammlung des Unternehmens Anfang Februar ein Beschluss zum Umzug des Verlags nach Berlin gefasst wurde.

          Die Anwälte des Suhrkamp Verlags haben gestern vor dem Landgericht Frankfurt bestritten, dass auf der Gesellschafterversammlung des Unternehmens Anfang Februar ein Beschluss zum Umzug des Verlags nach Berlin gefasst wurde. Sie reagierten mit dieser angesichts der Umzugsvorbereitungen durch die Geschäftsführung überraschenden Volte auf eine Klage Joachim Unselds. Der Sohn des 2002 gestorbenen Suhrkamp-Verlegers Siegfried Unseld, der als einer von zwei Minderheitsgesellschaftern auch weiterhin Anteile am Verlag hält, hatte sich im Frühsommer mit der Bitte an das Gericht gewandt, den Umzugsbeschluss vom Jahresanfang für nichtig zu erklären.

          Bis das Gericht über Unselds Klage entscheidet, wird es noch einige Wochen dauern. Die erste Verhandlung bot jedoch einen Einblick in die Ereignisse rund um die Gesellschafterversammlung vom 6. Februar, nach der der Umzug verkündet wurde. Suhrkamp hatte nach der Sitzung der Anteilseigner lediglich mitgeteilt, die Gesellschafter hätten den Vorschlag der Geschäftsführung, den Verlag nach Berlin zu verlagern, mehrheitlich begrüßt. Auf Nachfrage des Gerichts sagte Suhrkamp-Geschäftsführer Jonathan Landgrebe nun, es sei zum damaligen Zeitpunkt kein Beschluss darüber gefasst worden, das dem Verlag von der Stadt Berlin gemachte Angebot zu verfolgen. Man habe darüber auch nicht abgestimmt. Unseld beharrte darauf, das sei geschehen. Gegen den Umzug nach Berlin habe er schließlich gestimmt, weil er das Angebot, das Suhrkamp kurz zuvor von der Stadt Frankfurt gemacht worden sei, für besser gehalten habe. Auf seine Nachfrage, ob auch über dieses Angebot gesprochen werde, sei ihm entgegnet worden, es werde nicht verfolgt, auf der Tagesordnung stehe nur Berlin. Er beklagte, ihm seien für die Entscheidung für oder gegen Berlin von der Verlagsgeschäftsführung keine schriftlichen Unterlagen zur Verfügung gestellt worden. Auch das Protokoll der Sitzung, für das sich einer der Geschäftsführer Notizen gemacht habe, sei nie angefertigt und zugestellt worden.

          Während das Gericht zu einer Entscheidung kommen muss, wartet auf Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz die Klärung einer Anzahl offener Fragen. Der Umzug des Verlags ist nur noch vier Monate hin und dürfte einiges kosten. Suhrkamps letzter öffentlich zugänglicher Jahresabschluss weist für das Jahr 2007 jedoch jährliche Zinszahlungen in Höhe von knapp 415 000 Euro aus, die Beobachtern des Verlags zufolge auf Schulden in Höhe eines hohen einstelligen Millionenbetrags hindeuten dürften. Umso dringlicher ist ein Verkauf der Verlagsarchive an das Deutsche Literaturarchiv Marbach oder die Goethe-Universität. Universitätspräsident Werner Müller-Esterl sagte auf Anfrage, Suhrkamp und die hessischen Bieter ließen den Inhalt der Archive von einem externen Gutachter bewerten. Über eine begründete Einschätzung des Archivwerts wird die Universität nach seinen Worten in den nächsten Tagen verfügen. (Siehe Feuilleton, Seite 29.) balk.

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