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: Ratenkredite bleiben teuer

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Wenn es ans Geldverleihen geht, sind Banken in Deutschland zurzeit sehr vorsichtig. Bau- und Konsumentenkredite werden nicht mehr so leicht vergeben wie in der Vergangenheit. "Zu uns kommen zunehmend Verbraucher in die Beratungsstunde, ...

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          Wenn es ans Geldverleihen geht, sind Banken in Deutschland zurzeit sehr vorsichtig. Bau- und Konsumentenkredite werden nicht mehr so leicht vergeben wie in der Vergangenheit. "Zu uns kommen zunehmend Verbraucher in die Beratungsstunde, weil sie keinen Kredit bekommen", sagt Eva Raabe, Finanzberaterin bei der Verbraucherzentrale Hessen. Die meisten hätten es bei mehreren Instituten versucht. Die Banken lehnten Anfragen mit der Begründung ab, das Einkommen reiche nicht aus oder die Schufa-Auskunft sei negativ. "Wir haben den Eindruck, die Banken sind restriktiver als vorher", sagt die Verbraucherschützerin.

          Dabei wurde in der Finanzkrise alles getan, damit Banken günstig an Geld kommen und es weitergeben, um die Konjunktur anzukurbeln. Auf ein Rekordtief von zuletzt 1,0 Prozent ist der Leitzins der Europäischen Zentralbank gesunken. Das heißt: Banken kaufen Geld so günstig ein wie schon lange nicht mehr.

          Ihre Zögerlichkeit beim Verleihen begründen sie mit der Angst vor Risikoausfällen wegen drohender Arbeitslosigkeit. Verbraucherschützer wie Finanzexperten sind sich aber einig, dass Banken die hohen Zinserträge vor allem dafür nutzen, Gewinne einzustreichen, die ihnen durch das Wegbrechen anderer Geschäftsfelder, etwa dem Wertpapiergeschäft, fehlen.

          Dass beim Verbraucher vom billigen Geld nichts ankommt, ärgert auch Max Herbst von der FMH-Finanzberatung in Frankfurt. "Ich habe kein Verständnis dafür, dass für den Endkunden so wenig getan wird", sagt der Finanzberater. Nicht nur Konsumenten-, auch Dispokredite bewegten sich weiter auf hohem Niveau. Die Zurückhaltung der Banken sei übertrieben. "Es ist doch nicht so, dass jeder Kunde morgen plötzlich arbeitslos wird."

          Der Einzelhandel schafft derweil mit Sonderaktionen sein eigenes System. Das Möbelhaus Segmüller in Weiterstadt bietet zurzeit einen "Aktionskredit" zu 0,0 Prozent an. Das Angebot läuft voraussichtlich am Samstag aus. Die schwedische Kette Ikea hat soeben ihren Ratenkreditzins um vier Prozentpunkte auf 4,95 Prozent gesenkt. Das Geld solle dort ankommen, wo es gebraucht werde, begründet ein Sprecher den Schritt. Das Möbelhaus Mann Mobilia in Eschborn verlangt mit 9,9 Prozent Effektivzins, das heißt mit Bearbeitungsgebühren und anderen Kosten, für den Ratenkredit knapp das Doppelte.

          Unter Umständen ist es günstiger, einen Finanzierungskauf direkt über eine Bank abzuwickeln. Ratenkreditrechner im Internet (siehe Infokasten) zeigen, wo es das günstigste Geld gibt. Wie der Ratenvergleich auf dieser Seite zeigt, hat die Norisbank das beste Angebot, gefolgt von Ikea, dessen Effektivzins in der Tabelle aus Vergleichsgründen mit 5,50 Prozent angegeben ist, weil Kontoführungsgebühren mit eingerechnet wurden. Ein Vergleich lohnt sich. Zwischen dem günstigsten und teuersten Angebot in der Tabelle liegen knapp 850 Euro.

          Immer vorausgesetzt, der Kunde bekommt Kredit. Auch im Möbelhaus gibt es nur dann Geld, wenn der Kunde als kreditwürdig eingestuft wird. Das wird meistens über eine Abfrage bei der Schufa geregelt. Offensichtlich sind die Handelsunternehmen, die mit Banken zusammenarbeiten, aber nicht ganz so streng wie diese. Ikea etwa setzt die Messlatte bei der Bonitätsprüfung nach eigenen Angaben etwas niedriger an. "Wir haben ein anderes Niveau", heißt es.

          Aufpassen müssen Verbraucher gleichwohl auch hier, denn es gibt eine Reihe von verdeckten Kosten, die Kredite erheblich teurer machen können, als es auf den ersten Blick scheint. So gehört es inzwischen zur Praxis von Banken und anderen Kreditgebern, eine Restschuldversicherung zur Auflage zu machen. Diese zahlt, wenn der Kreditnehmer ausfällt, sei es durch Arbeitsunfähigkeit oder durch Todesfall. Verbraucher werden nicht immer ausreichend darüber aufgeklärt, moniert Finanzberaterin Raabe.

          Ein Grund: Im Effektivzins berücksichtigt werden muss die Restschuldversicherung nur dann, wenn sie zwingend vorgeschrieben ist. Im Kleingedruckten werden Hinweise dagegen gern überlesen. "Und Verbraucher sind dann nachher überrascht, dass der Kredit plötzlich 17 statt 7 Prozent kostet", sagt Raabe. Kunden sollten sich also unbedingt nach Zusatzversicherungen und Gesamtkosten erkundigen. Raabe weiß von einem Fall, bei dem die Kosten für die Restschuldversicherung teurer waren als der gesamte Nettokredit.

          Auch kleinere Beträge fallen ins Gewicht. Bei Mann Mobilia etwa gibt es 5000 Euro Kredit nur mit Restschuldversicherung in Höhe von 150 Euro. Darauf wird der Kunde hingewiesen. Berechnet man diese in den Zins mit ein, sind dies rund zwei Prozentpunkte und unterm Strich 173 Euro mehr. Verbraucherschützer lehnen Zusatzversicherungen nicht grundsätzlich ab. Bei hohen Summen könne dies durchaus Sinn machen, sagt Raabe. "Aber es gehört eine ordentliche Beratung dazu."

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