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: Neuer Möbelmarkt in weiter Ferne

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htr. WIESBADEN. Das Baudezernat hat sich festgelegt. Mit knapp sieben Millionen Euro lasse sich die Boelckestraße im Wiesbadener Stadtteil Kastel so ausbauen, dass der Neubau eines großen Möbelmarkts dort möglich sei, erklärte der ...

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          htr. WIESBADEN. Das Baudezernat hat sich festgelegt. Mit knapp sieben Millionen Euro lasse sich die Boelckestraße im Wiesbadener Stadtteil Kastel so ausbauen, dass der Neubau eines großen Möbelmarkts dort möglich sei, erklärte der Leiter des Tiefbauamtes, Dieter Bohr, am Mittwochabend in einem "Workshop". Den hatte die frühere Jamaika-Koalition in der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung im Mai beschlossen, um darüber hinwegzutäuschen, dass ein entsprechender Bebauungsplan zwar die Unterstützung von CDU und FDP, aber nicht die Stimmen der Grünen bekommen hätte. Bauherr wäre XXXL. Die Unternehmensgruppe ist nach Ikea und Höffner der drittgrößte Möbelhändler Deutschlands.

          Sie besitzt das Baurecht, um das relativ kleine, an der Äppelallee im Wiesbadener Stadtteil Biebrich gelegene Haus ihrer Marke Mann Mobilia so auszubauen, dass es am Ende eine Verkaufsfläche von 90 000 Quadratmetern hätte. In Wiesbaden bezweifelt allerdings niemand, dass dies einen Verkehrskollaps nach sich ziehen würde. Verhindern ließe sich dieses Szenario, wenn Mann Mobilia in Kastel einen Neubau errichten könnte. Er würde eine Verkaufsfläche von 41 000 Quadratmetern haben. Ungefähr so groß ist zum Beispiel das Haus des Konkurrenten Segmüller in Weiterstadt. Hinzu kämen ein Baumarkt und ein Gartencenter. Die gesamte Fläche umfasst knapp 17 Hektar.

          Die Regionalversammlung hat gegen die Pläne nichts einzuwenden. In Wiesbaden sind CDU und FDP dafür, weil die Stadt vor Jahren viel Geld in das Gewerbegebiet investiert hat, das Areal bislang aber nur teilweise an Investoren verkaufen konnte. Das Geld, das die Unternehmensgruppe XXXL für die Fläche zahlen würde, soll zur Finanzierung der Verkehrsanbindung dienen.

          Mit Hilfe von Verteilungsmodellen und anhand von Gutachten sei man zu der Überzeugung gelangt, dass das Projekt in Kastel "verkehrlich in vernünftigen Bahnen abgewickelt werden kann", sagte Bohr am Mittwochabend. Die stark belastete Straße verläuft zwischen der Theodor-Heuss-Brücke im Süden und der Autobahn A 671 im Norden von Kastel. Das Tiefbauamt will sie vierspurig ausbauen und stellenweise durch eine zusätzliche Linksabbiegespur ergänzen. Bohr unterstrich, dass man die durch einen Möbelmarkt angezogenen zusätzlichen Fahrzeuge nicht einfach zu den jetzt schon dort verkehrenden addieren dürfe.

          Denn viele Kunden kämen zum Beispiel erst abends, wenn der normale Berufsverkehr schon nachgelassen habe. Die in erster Linie aus Kastel stammenden Gegner des Projekts äußerten die Befürchtung, dass die Verkehrsbelastung unzumutbar sein werde.

          Die Hoffnung, dass ihnen der Möbelmarkt vor der Haustüre erspart bleiben möge, nährt sich zum einen aus der bislang noch fehlenden Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung. Das könnte sich aber unter Umständen in den Koalitionsverhandlungen nach den Kommunalwahlen ändern. Darüber hinaus gibt es aber noch ein weiteres Hindernis. Stadtentwicklungsdezernent Joachim Pös (FDP) bestätigte am Mittwochabend, dass die Stadt noch einige Grundstücke kaufen müsse, um die Boelckestraße ordentlich ausbauen zu können. Dies sei eine unabdingbare Voraussetzung, um das Projekt verwirklichen zu können.

          Der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Michael Kullmann lehnte den Möbelmarkt in Kastel wegen des sogenannten Randsortiments ab. Es reicht gewöhnlich vom Wasserglas bis zum Fahrrad. In Kastel wäre dafür eine Fläche von 4100 Quadratmetern vorgesehen. Kullmann meinte, diese Konkurrenz schade den Geschäften in der Innenstadt. Er behauptete überdies, dass die Möbelmärkte sich an die Begrenzung der Flächen nicht hielten.

          Die Vertreter der CDU wiesen ihn darauf hin, dass Mann Mobilia an dem Standort in Biebrich für das Randsortiment noch viel mehr Platz hätte. Auf die Frage, ob ihm dieser Standort denn lieber sei, antwortete er, beide seien gleich schlecht. Im Übrigen sei der Einzelhandelsverband auch gegen Ikeas Pläne in Hofheim-Wallau, Segmüllers Vorhaben in Bad Vilbel und den geplanten Neubau von Möbel Martin in Mainz-Hechtsheim. Birgitt Wachs, die Vertreterin der Gesellschaft für Markt- und Konsumforschung, riet der Stadt dazu, sich durch mögliche Konkurrenten im Rhein-Main-Gebiet nicht beirren zu lassen. Es fließe Kaufkraft in erheblichem Umfang aus Wiesbaden ab. "Sie brauchen ein großflächiges Möbelhaus."

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