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: Kuschelmusik für eng gesetzte Gäste

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Mit der Frankfurter Naxoshalle war für das Eröffnungskonzert des neunten Cello-Festivals der Kronberg Academy eine unkonventionelle "Location" gefunden worden, die zum Thema der Biennale passen sollte: Unter dem Motto "Kontrapunkte" ...

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          Mit der Frankfurter Naxoshalle war für das Eröffnungskonzert des neunten Cello-Festivals der Kronberg Academy eine unkonventionelle "Location" gefunden worden, die zum Thema der Biennale passen sollte: Unter dem Motto "Kontrapunkte" gibt es insgesamt 19 Konzerte an verschiedenen Spielstätten viele "Cross-over-Projekte" und zahlreiche Uraufführungen, wie Raimund Trenkler als Künstlerischer Leiter zur Begrüßung erläuterte. Ein aktuelles Auftragswerk der Kronberg Academy stand so auch gleich am Beginn des russisch-baltisch geprägten Abends mit dem Festivalorchester, der Kremerata Baltica, und renommierten Solisten: Der "Midsummer Song" der 1975 geborenen Litauerin Raminta Serksnyte teilte die Streicher vielfach bis hin zu solistischen Stimmen, bewegte sich mit häufigen Flageoletts und Tremoli ruhig, statisch und irisierend im Klang, verwendete tonale Versatzstücke und schmeichelte mit sanft klingelnder "Percussion" samt gestrichenem Vibraphon den Ohren.

          Einfach in der rhythmischen Struktur, erweitert tonal und somit ebenfalls eingängig erklang als eine Art Doppelkonzert für Cello, Pauken und Streichorchester unter der Leitung von Gaetano d'Espinosa mit dem einzig genannten Cello-Solisten Gary Hoffman die 2001 im Auftrag der Academy entstandene "Parabola Concertante" von Altmeister Rodion Shchedrin. Interessant war der Pauken-Part, der ein ständiges Um- und weites Hinaufstimmen mittels der Pedale forderte.

          Einen schwachen, teils unfreiwillig komischen Eindruck in den ungelenken Übergängen machte "Sogno di Stabat Mater" für Violine, Viola und Vibraphon (Andrei Pushkarev) der aus dem Ural stammenden Lera Auerbach (Jahrgang 1973) mit den Widmungsträger Gidon Kremer und Ula Ulijona als Streicher-Solisten: ein mit (Stil-)Zitaten durchsetzter, völlig ungebrochener Kuschel-Neobarock mit süßlich-kitschigen Vibraphon-Einlagen. Ein im ästhetischen Sinne naiver Ansatz trug auch die Variationen über ein Thema von Joseph Haydn mit dem Titel "Tod ist ein langer Schlaf" des Schostakowitsch-Schülers Edison Denisov (1929-1996). Das begann neoromantisch fast im reduktiven Spätstil Mahlers, verdichtete sich dann doch, auch dank des von Nicolas Altstaedt ausdrucksstark gestalteten Cello-Solo-Parts, und endete leise mit drei Schlägen auf die Totenglocke.

          Der so herbeigerufene Geist Joseph Haydns, dessen 200. Todestag in diesem Jahr begangen wird, wehte dann mit dem Spiel des Solisten Steven Isserlis im Cellokonzert Nr. 1 C-Dur Hob. VIIb:1 durch die langgestreckte ehemalige Fabrikhalle: mit Leichtigkeit, Drive und profilscharfen Akzentuierungen. Die Naxoshalle erwies sich leider als nicht ganz geeignet, denn in der Pause klagten Zuhörer, auf den hinteren Plätzen sei die Akustik für die leisen Töne kaum tragfähig. Dass sie zudem eng gedrängt saßen, war vielen Besuchern nicht sehr angenehm - dauerte das Konzert statt der angekündigten zwei Stunden doch eine ganze Stunde länger. GUIDO HOLZE

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