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: Kraut gegen Graskarpfen und Blaualge

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ajw. OFFENBACH. Umweltdezernentin Birgit Simon zog gestern Mittag flugs Schuhe und Socken aus, krempelte die Hosenbeine hoch und stapfte im Schultheis-Weiher durch das noch kalte Wasser. Die grüne Umweltdezernentin, die weder schreckhaft ...

          ajw. OFFENBACH. Umweltdezernentin Birgit Simon zog gestern Mittag flugs Schuhe und Socken aus, krempelte die Hosenbeine hoch und stapfte im Schultheis-Weiher durch das noch kalte Wasser. Die grüne Umweltdezernentin, die weder schreckhaft noch um öffentlichkeitswirksame Aktionen verlegen ist, hatte in der jüngsten Stadtverordnetensitzung dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Peter Freier angeboten, zur Eröffnung der Badesaison am 1. Mai im Schultheis-Weiher gemeinsam baden zu gehen. Ob es dazu kommt, bleibt abzuwarten. Beim Ortstermin gestern Mittag jedenfalls war Simons wichtigste Botschaft, dass - nach der Zwangspause im vorigen Jahr - in diesem Sommer wieder im Schultheis-Weiher gebadet werden könne. "Eine Garantie, dass es durchgängig klappt, gibt es nicht. Aber wir hoffen, dass der Weiher dem Badebetrieb standhält", sagte die Dezernentin.

          Die Fachleute sind zuversichtlich. Michael Maiwald, Leiter des Stadtgesundheitsamts, verweist auf die neuesten Messergebnisse. Demnach ist die Wasserqualität des in einem Naturschutzgebiet liegenden, nur 2,80 Meter tiefen Weihers "prima". Die Messwerte für Kolibakterien und Fäkalstreptokokken, am vergangenen Freitag ermittelt, seien "hervorragend". Im Abstand von 14 Tagen würden weitere Messungen vorgenommen. Zufrieden ist auch der Gewässerökologe Christian Schuller, der die Sanierung des Weihers seit 2005 begleitet.

          Dass sich in dem "Flachgewässer" wieder Wasserpflanzen wie das Raue Hornblatt und das Laichkraut ausbreiten und wiederum das Algenwachstum stoppen, sieht Schuller als Zeichen der Gesundung. Die Pflanzen, die in solchen Gewässern heimisch seien, würden aber gerne von den gefräßigen Graskarpfen vertilgt, so dass die unerwünschten Blaualgen wiederum profitierten. "Die Frage ist, wer am Ende das Wettrennen gewinnt: die Blaualgen oder die erwünschten Wasserpflanzen?" Als ein weiteres positives Zeichen wertet Schuller den Fischbestand. So finden die Sportangler im Weiher Hechte, Schleie, Rotaugen, Barsche und Aale.

          Zu den Sanierungsschritten gehört neben der Beseitigung der exotischen Graskarpfen die Entfernung der Blaualgen. Nach Angaben von Teichmann-Kucharskis, Projektleiter im Umweltamt, wurden bislang in 14 "Abfischaktionen" insgesamt 2,4 Tonnen Fische aus dem Weiher geholt. Darunter waren 44 Graskarpfen, die zusammen 642 Kilogramm wogen. Im Oktober sollen weitere Aktionen folgen. Zudem werden die Blaualgen, die sich vor allem entlang des Ufers und vor allem, wenn es heiß ist, ausbreiten, mit einer Art Staubsauger, "Skimmer" genannt, aus dem Wasser entfernt. Für die Sanierung, die voraussichtlich 2010 endet, gibt die Stadt jährlich etwa 45 000 Euro aus.

          Überdies treffen die Badegäste in dieser Saison auf einige Verbesserungen. So hat die stadteigene Gebäudemanagement GmbH (GBM) den Betrieb des Areals übernommen. Die GBM stellt nicht nur Bademeister und Gehilfen, sondern kümmert sich auch um die Sauberkeit auf dem Areal. Ein Sicherheitsdienst wacht bis in die Nacht über die Einhaltung der Badeordnung. Auch hat das Umweltamt, wie seine Leiterin Heike Hollerbach mitteilte, den gesamten Sand am Ufer ausgetauscht. Auch wurde Sand an das Ufer des Weihers geschüttet, damit die Badegäste sachte ins Wasser schreiten können.

          Der Schultheis-Weiher ist einer der beliebtesten Badeseen in der Rhein-Main-Region. In einem warmen Sommer kommen bis zu 100 000 Badegäste an das Gewässer. Das 2,5 Hektar große Areal wurde 1983 als Naturschutzgebiet ausgewiesen, für das Baden, Angeln und den Modellbootsport freigegeben. Auf dem Gelände hatte die Firma Schultheis seit 1929 Sand und Kies abgebaut, und zwar bis in die siebziger Jahre. Die Gruben wurden danach mit Bauschutt und Müll verfüllt. Mittlerweile ist das Areal als Teil des EU-Vogelschutzgebietes anerkannt. Wer Geduld hat, entdeckt am Schultheis-Weiher den Eisvogel, Kormorane, Graureiher, Haubentaucher und den Zwergvogel.

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