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: Hilfe für Waisenkinder in Uganda

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hahn. HÜNSTETTEN. Vor zehn Jahren hat Pastor John Bosco eine schwere Entscheidung treffen müssen: Er konnte nur 160 Kinder in sein "Nkuruba Orphanage Project" aufnehmen. Doch in Fort Portal, einer Stadt mit rund 40 000 Einwohnern ...

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          hahn. HÜNSTETTEN. Vor zehn Jahren hat Pastor John Bosco eine schwere Entscheidung treffen müssen: Er konnte nur 160 Kinder in sein "Nkuruba Orphanage Project" aufnehmen. Doch in Fort Portal, einer Stadt mit rund 40 000 Einwohnern im Westen Ugandas, gab es mehr als 1000 Waisenkinder, die überwiegend auf der Straße lebten. Und fast alle hatten ihre Eltern durch Aids verloren. Etwa 25 Waisen können in Lehmhütten und als Schlafstätten hergerichteten alten Autos auf dem Gelände des Pastors wohnen. Die große Mehrzahl lebt bei Familien in der Gemeinde, die Bosco dafür mit Geld und Lebensmitteln unterstützt.

          Im vergangenen Winter erhielten die Kinder über Weihnachten Besuch aus Deutschland von dem Ehepaar Ágnes und Knut Bender aus Hünstetten im Rheingau-Taunus-Kreis. Das Paar war auf die Homepage des Projektes gestoßen und hatte dem Pastor eine E-Mail geschrieben, dass sie vorbeikommen und mitarbeiten möchten. Sie hatten schon mehrfach Urlaub in Afrika gemacht, wie Ágnes Bender sagt, doch nun wollten sie sich in den vier Wochen dort auch engagieren.

          Sie seien überrascht gewesen von der Herzlichkeit und Fürsorge, mit der die Kinder einander und ihnen begegneten, erinnert sich Bender. Die Jugendlichen seien etwas schüchterner, doch die kleinen Kinder überaus offen und zugänglich. So verbrachte das Paar nicht nur einen Monat Tür an Tür mit den 25 Waisen, sondern machte auch kleine Ausflüge mit ihnen und unterrichtete sie im Schwimmen, am Computer und in Englisch. Die Kinder hätten es geliebt, jemanden zu haben, der ihre englische Aussprache korrigieren konnte, sagt Ágnes Bender.

          Die Armut sei offensichtlich gewesen. Es gebe zwar eine Krankenstation, aber die Medikamente seien kaum zu bezahlen. Deswegen schicke der Pastor die Kinder meist erst dann zur Behandlung, wenn es unvermeidlich sei. Vor allem Aids-Medikamente und Hygieneartikel seien exorbitant teuer. In Uganda sei der Besuch der Grundschule zwar frei, für die weiterführend Schule müsse aber etwa 25 Euro im Monat gezahlt werden - was sich nur Wohlhabende erlauben könnten.

          Um den Kindern dauerhaft zu helfen, gründete das Ehepaar Bender im Mai den Verein "Chancen für Kinder und Jugendliche in Afrika". Dieser hat inzwischen zehn Mitglieder, deren Beiträge sicherstellen, dass die Verwaltungskosten gedeckt sind. So kostet eine Überweisung nach Uganda eine Gebühr von 30 Euro. Spenden kämen deswegen zu hundert Prozent den Kindern zugute.

          Seit der Vereinsgründung haben sich neun Paten gefunden, die einzelnen Waisen die Schulbildung ermöglichen. Von bislang 40 weiteren Spendern stamme außerdem Geld, das für Medikamente und Nahrung, aber auch für größere Anschaffungen gedacht sei. Die Verwendung des Geldes kontrollieren Ágnes und Knut Bender sehr genau, wie sie hervorheben.

          Eigentlich benötige das Projekt dringend eine neue Krankenstation oder eine eigene Schule für das Waisenheim. Aber dafür fehle nicht nur das Geld, sondern auch qualifiziertes Personal. Größere Projekte zu verwirklichen sei in Afrika ohnehin schwierig. Das mussten die beiden Deutschen jüngst feststellen als sie Geld für neue Matratzen gespart hatten und dann eine Missernte die Pläne durchkreuzte. Die Euros wurden dringend für Lebensmittel benötigt.

          Spenden für das Hilfsprojekt Chancen für Kinder und Jugendliche in Afrika e.V. können auf das Konto 427 36 05 der Wiesbadener Volksbank, BLZ: 510 900 00, eingezahlt werden. Informationen unter orphanage@ak-bender.de.

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