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: Enge Verbindung zu Deutschland

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Hochdeutsch habe er gewissermaßen auf dem zweiten Bildungsweg gelernt, sagt Jean-Claude Tribolet und lächelt. Denn zu Hause, da habe seine Mutter eher in österreichischem Tonfall gesprochen. Und der Vater französisch.

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          Hochdeutsch habe er gewissermaßen auf dem zweiten Bildungsweg gelernt, sagt Jean-Claude Tribolet und lächelt. Denn zu Hause, da habe seine Mutter eher in österreichischem Tonfall gesprochen. Und der Vater französisch. So kam der heute Dreiundfünfzigjährige erst in der Schule mit dem Standarddeutschen in Berührung. Das allerdings hat er auf dem französischen Gymnasium in Baden-Baden, beim Studium der Germanistik und später während einer Reihe von beruflichen Stationen in Deutschland so gut gelernt, dass man den neuen französischen Generalkonsul in Frankfurt tatsächlich auch für einen Deutschen halten könnte.

          Manchmal suche er schon noch nach Worten, sagt Tribolet. Vor allem wohl, weil er erst vor einer Woche von seinem jüngsten Posten als Leiter der Presseabteilung der französischen Botschaft in London an den Main gekommen ist. Aber die Eingewöhnung dürfte ihm kaum schwerfallen - dafür hat der in Baden aufgewachsene Sohn einer Österreicherin und eines französischen Kriegsgefangenen eine viel zu enge Verbindung zu Deutschland. Nach seinem Studium in Straßburg und Grenoble und ein paar Jahren als Journalist war er seit 1990 schon dreimal im Dienste der République für länge Zeit im Nachbarland: als Presseattaché und Austauschdiplomat in Bonn und als Presse-Botschaftsrat in Berlin.

          Nun also Frankfurt. Zu mehr als ein paar kurzen Besuchen in der Mainmetropole hatte es bisher nicht gereicht. Und auch nach einer guten Woche im neuen Amt möchte Tribolet sich noch kein Urteil über die Stadt erlauben. Nur so viel: "Frankfurt ist sehr grün und kompakt. Man kann fast alles mit dem Fahrrad erreichen." Mit seiner Frau, die an der französischen Grundschule unterrichtet, und seinem jüngeren Sohn, der am französischen Gymnasium Abitur machen will, wohnt der Generalkonsul im Westend. Mitten in der Stadt, so hatte er sich das vorgestellt.

          In seinem neuen Amt ist Tribolet für vier Bundesländer zuständig: außer für Hessen auch für Rheinland-Pfalz, das Saarland und Nordrhein-Westfalen. Offiziell leben etwa 50 000 Franzosen in diesem großen Konsulargebiet - tatsächlich aber schätzungsweise 70 000. Denn eine Pflicht, sich beim Konsulat anzumelden, gibt es für Franzosen, die nach Deutschland ziehen, längst nicht mehr.

          Es ist dem neuen Vertreter des Élysée am Main ein großes Anliegen, daran mitwirken, die deutsch-französischen Beziehungen weiter zu verbessern und zu intensivieren. Seine wichtigste Aufgabe wird allerdings die konsularische Betreuung der in seinem Amtsgebiet lebenden Franzosen sein, und dazu gehört die Begleitung der französischen Wahlen im nächsten Jahr: Außer den Präsidentschaftswahlen mit ihren voraussichtlich zwei Terminen im April und Mai finden im Juni auch die zweigeteilten Wahlen zur Nationalversammlung statt - eine große Herausforderung für Tribolet und seine 21 Konsulatsmitarbeiter. Denn erstmals können auch Auslandsfranzosen an allen vier Wahlgängen teilnehmen, was in Frankfurt und den anderen Städten und Kommunen im Konsulargebiet umfangreiche Vorbereitungen erfordert, von der Wählerregistrierung bis zur Einrichtung von Wahlbüros.

          Die Arbeit hat schon begonnen. Bevor es ernst wird, hat Jean-Claude Tribolet aber noch ein paar wichtige Termine: Er wird in den nächsten Wochen seine Antrittsbesuche bei Ministerpräsidenten und Oberbürgermeistern machen. Und als Erstes will er sich im Frankfurter Römer vorstellen.

          Peter Badenhop

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