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: Dichter und Prediger

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Hadayatullah Hübsch, der am Dienstag in Frankfurt gestorben ist, zählte lange Jahre zu den bekanntesten Figuren des literarischen Lebens in Frankfurt. Hessens Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) würdigte ihn gestern außerdem als einen der prominentesten deutschen Konvertiten zum Islam.

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          Hadayatullah Hübsch, der am Dienstag in Frankfurt gestorben ist, zählte lange Jahre zu den bekanntesten Figuren des literarischen Lebens in Frankfurt. Hessens Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) würdigte ihn gestern außerdem als einen der prominentesten deutschen Konvertiten zum Islam. Als solcher habe Hübsch seinen Beitrag zur Integration geleistet, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums.

          Hübsch wurde am 8. Januar 1946 als Paul-Gerhard Hübsch in Chemnitz geboren und ging im oberhessischen Laubach zur Schule. In den späten sechziger Jahren gehörte er zur linken Szene in Frankfurt und zur Berliner Kommune 1. Im Frankfurter Westend gründete er den "Heidi-Loves-You-Shop", den er nach der Kuchenschlacht im Café Laumer wieder schließen musste, und war langjähriger Programmgestalter im Club Voltaire. Er debütierte mit dem Gedichtband "Mach, was du willst", veröffentlichte in den folgenden Jahren mehrere Lyrikbände und schrieb für den Hessischen Rundfunk und deutsche Tageszeitungen. Acht Jahre lang gehörte er zu den Mitarbeitern dieser Zeitung. Im Jahr 1969 trat er nach einer Reise durch Marokko zum Islam über. Beschrieben hat er dieses Erlebnis in "Marock'n'Roll". Das Buch erschien voriges Jahr im Mainzer Gonzo-Verlag. Hübsch trat der Ahmadiyya-Gemeinschaft bei, deren Sprecher er jahrzehntelang war. In der Frankfurter Nuur-Moschee hielt er die Freitagspredigt.

          Zu seinen mehr als hundert Veröffentlichungen zählen Sachbücher über den Islam. Er veröffentlichte aber auch weiterhin Prosa und Lyrik. In den neunziger Jahren ließ er seine Gedichtvorträge bei zahlreichen Auftritten musikalisch untermalen. Von 1991 bis 1998 führte er den hessischen Landesverband des Verbands deutscher Schriftsteller. Zuletzt organisierte er in Frankfurt eine Reihe von Wohnzimmerlesungen. Hübsch, der zweimal verheiratet war, hinterlässt acht Kinder. Die Beerdigung findet übermorgen von 10 Uhr an auf dem Frankfurter Südfriedhof statt. Es ist der Tag, an dem Hübsch seinen 65. Geburtstag gefeiert hätte. balk.

          Hadayatullah Hübsch

          war Autor und Geistlicher.

          Foto dpa

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