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Superlative im Schnee (4) : Gipfel und Grenzen

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Schwerstarbeit für Mensch und Maschine: Frühmorgendliche Pistenpräparierung am Klein Matterhorn.
          7 Min.

          Amerikanische Verhältnisse herrschen in Zermatt. Der Walliser Skiort mit den Pisten im Bannkreis des Matterhorns bombardiert seine Gäste mit so vielen Superlativen, wie man sie sonst nur jenseits des Atlantiks serviert bekommt: dreimal in Folge vom ADAC als bestes alpines Skigebiet in Europa ausgezeichnet, größtes Ganzjahres-Skigebiet der Alpen, am höchsten gelegener Gletscherpalast der Welt, achtunddreißig Viertausender in der Schweiz, Italien und Frankreich, die von drei Aussichtspunkten oberhalb von dreitausend Meter Höhe zu sehen sind, darunter die höchste Panoramaplattform Europas; dazu der schönste Ausblick aufs Matterhorn, die höchste im Freien angelegte Zahnradbahn und der am höchsten gelegene Seminarraum Europas, das beste italienische Restaurant und das am höchsten gelegene Hotel der Schweiz, achtzehn Restaurants mit zusammen zweihundertsechsundvierzig Gault-Millau-Punkten und außerdem noch das am höchsten gelegene Berggasthaus Europas.

          Dass Größen- und Höhenrekorde auch Nachteile haben können, erfährt Rinaldo Kuonen wieder einmal am eigenen Leib. Er steuert eine der Schneeraupen, die in der Nacht die Pisten am Kleinen Matterhorn präparieren, zu dessen Gipfel die höchste Luftseilbahn der Alpen hinaufschwebt - bis auf 3883 Meter Höhe. Das ist eigentlich Zermatts liebster Superlativ. Jetzt aber, um halb sechs Uhr morgens, sorgt er nicht gerade für Begeisterung. In Sturm und Schneegestöber und bei zehn Grad minus steht Rinaldo in der ausgestorbenen, finsteren Talstation am Ortsrand. Zusammen mit vier Kollegen schwebt er kurz darauf in einer Gondel durch die Dunkelheit zur Mittelstation Trockener Steg. Viel geredet wird nicht in der eiskalten Kabine, die einer der Männer per Knopfdruck in Bewegung setzt.

          Gespensterlichter in nächtlicher Einöde

          Den Wetterbericht haben die Fahrer der Pistenbullys schon zu Hause angeschaut, und er hat an diesem Morgen nicht unbedingt für gehobene Stimmung gesorgt. Deshalb wird als Erstes die Windgeschwindigkeit kontrolliert. "Wir wollen ja nicht im Blindflug gegen einen der Pfeiler prallen", heißt es lakonisch. Mit zweiunddreißig Stundenkilometern bleibt der Wind jetzt aber im erträglichen Rahmen, auch wenn die Gondel mit ihrem geringen Ballast merklich hin- und herschwankt. Erst bei sechzig Stundenkilometern wird es heikel, und das geschieht dann eher auf der zweiten Etappe der Pendelbahn, die vom Trockenen Steg hinauf zum Klein Matterhorn führt. In acht Minuten rauscht die Kabine dort normalerweise hinauf, bei starkem Wind jedoch muss sie langsamer fahren und kann bis zu zwanzig Minuten benötigen. Weht es noch stärker, wird der Betrieb ganz eingestellt. Es ist sogar schon passiert, dass die obere Sektion zwei Wochen lang geschlossen blieb.

          Der berühmteste Berg der Welt: das Matterhorn bei Zermatt in dramatischer Wolkenkulisse.
          Der berühmteste Berg der Welt: das Matterhorn bei Zermatt in dramatischer Wolkenkulisse. : Bild: REUTERS

          Auch an diesem Morgen manövriert der Kabinenführer die schwankende Gondel mit höchster Vorsicht in den Betonschacht an der Mittelstation. Dort angekommen, stapfen die Männer durch Sturm, Kälte und dreißig Zentimeter Neuschnee zur Garage. Nach der technischen Kontrolle der Fahrzeuge folgt eine kurze Verteilung der Aufgaben. Dann geht es los, mit fünfhundert PS auf die Piste, die um diese frühe Uhrzeit noch keine ist, sondern eine von Schneefall, Frost und Verwehungen gestaltete weiße Wildnis. Die fünf Maschinen verteilen sich im Gelände, jeder kennt seine Aufgabe. Gespenstisch bohren sich die Scheinwerfer durch die nächtliche Einöde. Auf dem weichen Neuschnee scheint das tonnenschwere Pistenfahrzeug wie auf einer Wasserfläche zu schwimmen.

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