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Segeln in der Karibik : Captain Kevins wilde Geschichten

Unser Skipper guckt nach den Segeln: Das ist gut, dann können wir aufs Wasser gucken. Oder Rum trinken. Oder sonnenbaden. Bild: Andrea Diener

Die British Virgin Islands sind ein wunderbares Segelrevier - dank eines erfahrenen Skippers auch für uns Landratten. Aber die eigentliche Sensation ist die Welt unterhalb der Wasseroberfläche.

          8 Min.

          Bloß nicht zu eng ziehen soll ich das Kopfband, die Taucherbrille mit Spülmittel einreiben gegen das Beschlagen und den Kopf nach unten halten. Keine Angst, einfach ruhig ins Wasser legen, der Druck presst die Brille auf die Augen. Ich treibe aufrecht im Meer, klammere mich am Katamaran fest, atme leicht röchelnd durch den Schnorchel und bin ansonsten damit beschäftigt, meine Klaustrophobie angesichts all des Gummis, das meinen Kopf umschließt, in Schach zu halten. Captain Kevin redet beruhigend auf mich ein. Alles okay? Alles okay, ich atme noch.

          Über die Karibiksonne hat sich eine dieser typischen Karibikregenwolken gehängt, deren häufige Schauer für das fette Grün auf den Inseln sorgen. Vor mir befindet sich eine Bucht namens Monkey Point und unter mir angeblich ein Riff. Ich muss mich nur dazu überwinden, endlich ruhig zu atmen und meinen Kopf unter Wasser zu halten. Tagelang sind wir schon auf dem Meer unterwegs, Captain Kevin und seine Crew, also wir, die wir ihm über die Schulter gucken und ihn mit Fragen löchern - was ihn dazu bringt, die nächste Piratengeschichte zu erzählen, denn alle Geschichten hier rund um die British Virgin Islands sind auf die eine oder andere Weise Piratengeschichten. Wir trinken Rum in sämtlichen verfügbaren Darreichungsformen, und das sind ziemlich viele, wir schieben Küchendienst, liegen an Deck herum und springen zwischendurch ins Wasser. Und wir merken: Ohne Boot geht gar nichts.

          Die fette Jungfrau ist gar nicht so hässlich

          Insgesamt besteht das kleine britische Überseegebiet der BVIs, wie der Kenner abkürzt, aus sechzig Inseln und Inselchen. Einige davon sind privat und gehören reichen, prominenten Menschen wie dem Gründer der Virgin-Gruppe Sir Richard Branson oder Google-Gründer Larry Page. Die Strände jedoch, alle Strände, sind öffentlich, das ist staatlich so vorgeschrieben. Die zwei großen Inseln heißen Tortola, dort befindet sich auch die etwas provisorisch anmutende Hauptstadt Road Town, und Virgin Gorda, die „fette Jungfrau“, die ihren Namen angeblich zum einen ihrer Form und zum anderen Kolumbus verdankt. Nach vielen Wochen auf See sieht vermutlich so ziemlich alles aus wie eine fette Jungfrau. Die Inseln liegen rechts und links eines breiten Kanals, des Francis Drake Channels. Ihn kreuzen wir ständig, das ist gar nicht zu vermeiden, wenn man hier segeln will. Und das wollen wir. Keiner von uns hat Segelerfahrung, aber dafür haben wir ja Captain Kevin, der eigentlich von den Great Lakes im Norden der Vereinigten Saaten stammt und wie viele Anwohner der Great Lakes das harsche Klima irgendwann satthatte. Nun arbeitet er als Segellehrer und Skipper im warmen Süden, was mitunter, je nach Gruppe und Dauer der Reise, auch in eine Tätigkeit als Familientherapeut umschlagen kann.

          Welt der Wunder: Unter Wasser offenbart das Meer erst seine ganze Schönheit.

          Bei uns aber herrscht Harmonie, also kann er Piratenräuberpistolen erzählen und Geschichten vom Meer. Wie er einmal durch einen Sturm gesegelt ist zum Beispiel. Dass das Wichtigste beim Segeln ist, nie den Respekt vor dem Meer zu verlieren. Und dass dort der Channel ins offene Meer übergeht, was sich manchmal als Linie abzeichnet, manchmal sieht man einfach nur, dass die Wellen anders verlaufen, und manchmal sieht man gar nichts. Jeden Tag ist die Linie an einer anderen Stelle. Nichts ist gewiss auf dem Meer, alles schwappt und fließt ineinander, und wir sind diesem Meer ausgeliefert und dem Wind, der an den Segeln und Leinen unseres Katamarans zerrt.

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