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Namibia : Ein Käfer steht kopf

  • -Aktualisiert am

Wer sucht, der findet: In der Wüste Namib sollte man nur im Sand buddeln, wenn man weiß, was einem entgegen springt. Bild: Elke Sturmhoebel

Eine Großwildsafari in der Namib ist spannend. Doch wer wirklich etwas über den Überlebenskampf der Tiere dort lernen will, geht am besten in die Knie - auf einer Winzlingsafari im afrikanischen Dünensand.

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          Dürfen wir mal kurz stören? Mit Argusaugen hat François Loubser die feine Spur auf der Düne entdeckt, die ihn zur Sandviper führt. Nur die Augen der Schlange schauen aus dem Sand hervor, außerdem ihre dunkle Schwanzspitze. Sie soll hungrigen Echsen und Vögeln einen fetten Käfer vorgaukeln. Nähern sich diese unvorsichtigerweise dem vermeintlichen Beutetier, dann schlägt die Schlange mit ihren Giftzähnen zu. In der Wüste Namib ist der Tod manchmal blitzschnell.

          Mit einem Schlangenhaken am Stock angelt François Loubser - barfuß und in kurzen Hosen - die etwa dreißig Zentimeter lange Viper aus dem Sand und führt sie fünfundzwanzig Augenpaaren vor. In der anderen Hand hält er seinen Hut, um ihn dem züngelnden Reptil im Falle eines Falles schnell überstülpen zu können. Wir halten trotz der Vorsichtsmaßnahme lieber Abstand. Der Biss einer Sandviper ist auch für Menschen äußerst gefährlich. Als der Fährtensucher die Schlange wieder loslässt, schlängelt sie sich seitwärts, Stück für Stück, die Düne hinauf. Zurück bleibt das Strickleitermuster, das so charakteristisch für die Sandviper ist.

          Schwarzwälder Kirschtorte im Café

          Hut und Stock sind die wichtigsten Utensilien auf der Jagd nach den "Little Five" - den "kleinen Fünf". Der Stock eignet sich nicht nur hervorragend zum Bändigen von Schlangen, sondern auch, um eine White Lady aus der Familie der Riesenkrabbenspinnen darauf balancieren zu lassen. Die kleinen Tiere der Namib-Wüste finden aufgrund ihrer Größe gemeinhin wenig Beachtung. Dabei gestaltet sich die Suche nach ihnen ebenso spannend, als jagte man auf einer Großwildsafari den "Big Five" - Löwe, Elefant, Nashorn, Leopard und Büffel - hinterher. Gegen acht Uhr morgens hatte man uns in Swakopmund zu der Winzlingsafari abgeholt. Wir sind schon begeistert, bevor wir die Stadt ganz hinter uns gelassen haben.

          Besser getarnt als das Chamäleon geht fast nicht.

          Es ist noch kühl an diesem Morgen. Nebelbänke wabern über das namibische Küstenstädtchen. Das ist nicht ungewöhnlich für diesen Teil des Landes, zweihundert Tage Nebel zählt hier das Jahr. Die kurze Zeitspanne, in der die Region eine Kolonie des deutschen Kaiserreichs und das "südlichste Seebad Deutschlands" war, hat Spuren hinterlassen. Die koloniale Architektur wird gepflegt, im Café Anton steht Schwarzwälder Kirschtorte in der Kuchenvitrine, und im Brauhaus wird nach deutschem Reinheitsgebot hergestelltes Bier gezapft. Typisch norddeutsch in dem Küstenort ist auch die Wetterlage. Schietwetter also.

          Durstige Wüstenelefanten

          Hinter der Stadtgrenze, wo die Wüste beginnt, rollt François Loubser ein Satellitenbild aus, das den Verlauf der Wüste Namib zeigt. Etwa zweitausend Kilometer zieht sie sich wie ein Gürtel entlang der namibischen Atlantikküste, ins Landesinnere reicht sie jedoch nur hundertdreißig Kilometer. Tagsüber herrscht hier sengende Hitze, nachts wird es klirrend kalt. Unter diesen extremen Bedingungen kämpfen einhundertzwanzig Reptilien-, einhundertachtzig Vogel- und mehr als neunzig Säugetierarten um ihre Existenz. Es gibt auch Elefanten und Nashörner, sagt François Loubser und zeigt auf der Satellitenkarte mit dem Stock auf die Gegend um Brandberg und Twyfelfontein: "Drei bis vier Tage kommen die Wüstenelefanten ohne Wasser aus."

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