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Frankreich : Der Eiffelturm sitzt mit am Tisch

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Speisen in prominenter Gesellschaft: das Restaurant Les Ombres im Musée Quai Branly, einem Bau des Architekten Jean Nouvel. Bild: Volker Mehnert

Paris ist berühmt für seine Museen, doch manchmal muss die Kunst warten. Denn die Museumscafés sind Sehenswürdigkeiten für sich, ganz gleich, ob sie ein klassisches Gewand tragen oder Musterbeispiele moderner Architektur sind.

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          Der Mensch geht ins Museum, wird beim Kulturgenuss alsbald müde, bekommt Hunger und Durst. Das wissen auch die Museen und betreiben deshalb in ihren Gebäuden eigene Cafés und Restaurants. Oft aber sind es bloß Stiefkinder der Kunst, verbannt ins Untergeschoss und kärglich ausgestattet. In Paris hingegen schmücken sich die Museen inzwischen mit einer exklusiven Gastronomie, und zwar in Räumen, die als eigenständige Sehenswürdigkeiten gelten können. Manch einer geht deshalb gar nicht mehr in die Ausstellungen, sondern gleich ins Café. Bei all der behaglichen Atmosphäre und den spektakulären Ausblicken, die man dort findet, erscheinen sogar die Angebote auf den Speisekarten zweitrangig.

          Fangen wir gleich beim Museum aller Museen an: dem Louvre. Dort belegt das Café Marly einen Ehrenplatz unter den Arkaden im Richelieu-Flügel. Ein wenig erhöht sitzen die Gäste hinter einer steinernen Brüstung und schauen durch die großen Fenster direkt auf die Glaspyramide von I.M. Pei, der in dem altehrwürdigen Gebäudekomplex einen futuristischen Akzent gesetzt hat. Es ist der perfekte Beobachtungsstandort: mittendrin und doch etwas abgehoben vom großen Pariser Touristentrubel. Man hat das Gewusel der Kommenden und Gehenden im Blick und kann sich in Ruhe überlegen, ob es Mona Lisa wert ist, sich in die langen Warteschlangen einzureihen.

          Ein weiter Blick über die Dächer

          Ein weiterer Meilenstein der Pariser Museumslandschaft ist das Musée d'Orsay, ehemaliger Bahnhof und jetzt die zentrale Kultstätte für Liebhaber impressionistischer Malerei. Hier hat sich die Gastronomie im Oberstock einen phantastischen Aussichtsplatz gesichert. Als überdimensionales Fenster dient die legendäre stilisierte Uhr, die zwar nicht die richtige Zeit anzeigt, dafür jedoch eine ungewöhnliche Dekoration ist und gleichzeitig einen weiten Blick über die Dächer der Stadt ermöglicht. Im Unterschied zur farbenprächtigen Ästhetik der Ausstellungsräume herrscht im Café du Lion eine sachliche Atmosphäre. Hier kann sich das Auge vom überbordenden Farbspektakel der Monets, Renoirs und Cézannes erholen.

          Ein Klassiker: das Café Marly unter den Arkaden des Richelieu-Flügels im Louvre.

          Ein fabelhaftes Panorama auf das Stadtbild von Paris eröffnen auch die ausgedehnten Fensterfronten im Restaurant des Centre Pompidou. Die wichtigste französische Sammlung zeitgenössischer Kunst ist in einem industriell anmutenden Bauwerk untergebracht, passend dazu präsentiert sich in der sechsten Etage das Restaurant Georges: Eine streng geradlinige Möblierung, die enthaltsame Dekoration und die Farbgebung in schlichtem Weiß und Silber mit gelegentlichen knallbunten Flecken erzeugen ein unterkühltes Flair, das sich jedoch beim Blick aus dem Fenster auf die traditionellen Fassaden des Stadtviertels Marais rasch erwärmt.

          Tee und Törtchen in plüschigem Charme

          Ein klassisches Pariser Kaffeehaus hat sich dagegen im Musée Jacquemart-André einquartiert. Das Museum im ehemaligen Stadtpalais einer reichen Adelsfamilie präsentiert mit stilvollem Mobiliar und einer üppigen Auswahl von Kunstwerken an den Wänden den Luxus der französischen Hautevolee des neunzehnten Jahrhunderts. Auch im Café, untergebracht im früheren Speisesaal des Palastes, kann man sich bei Tee und Törtchen vom plüschigen Charme des alten Paris mit seinen Seidentapeten, Wandteppichen und goldgerahmten Riesengemälden umgarnen lassen.

          Ein Klassiker ganz anderer Art ist das Café Carlu im Palais de Chaillot, das den Besuchern der darin untergebrachten Museen für Völkerkunde, Marine und französische Baukunst offensteht. Hier bleibt dem Gast - ob im Café oder auf der Terrasse - nichts anderes übrig, als den Blick hinauswandern zu lassen auf ein unverwechselbares Pariser Panorama: das Champs de Mars, in dessen Zentrum sich der Eiffelturm erhebt.

          Kunstvolles Schattenspiel unter dem Glasdach

          Der aktuelle Favorit im Mikrokosmos der Pariser Museumsgastronomie ist ein Neuling, einquartiert im Musée Quai Branly. Das Museum selbst setzt in vieler Hinsicht Akzente. Der französische Architekt Jean Nouvel hat hier ein langgestrecktes Gebäude in Form einer Brücke geschaffen, umgeben von einer harmonisch gestalteten Gartenlandschaft. Die Ausstellungen widmen sich einmal nicht dem auf Europa und die westliche Welt zentrierten Kunstbetrieb, sondern würdigen das vielfältige Schaffen in den Kulturen Afrikas, Asiens, Ozeaniens und Lateinamerikas. Das Restaurant Les Ombres passt sich perfekt in die außergewöhnliche Architektur Nouvels ein.

          Es befindet sich im obersten Stockwerk des verzweigten Museumskomplexes. Die mächtigen Stahlträger des Glasdaches zeichnen bei Sonnenschein ein geometrisches Muster in den Raum, ein kunstvolles Schattenspiel, das mit dem Gang der Sonne auch über die Körper und Gesichter der Gäste wandert. Man hat nicht den ganz großen Überblick über die Stadt, aber direkt unterhalb fließt die Seine, und im Hintergrund versteckt sich die vergoldete Kuppel des Panthéons. Der Clou jedoch ist, keine zweihundert Meter entfernt, der Eiffelturm, der durch das transparente Dach zu sehen ist und das gesamte Panorama beherrscht. Vom Lokal aus sind sogar die Fahrstühle und die Besucher auf den Plattformen zu erkennen. Der tatsächliche Schatten des Turms fällt zwar im gesamten Tagesverlauf nicht auf das Museumsgebäude, doch das Metallgitter im Dach imitiert ihn und reproduziert damit auf originelle Weise die Turmkonstruktion. So unmittelbar und zugleich verfremdet hat man das Wahrzeichen von Paris noch nie gesehen.

          Café Marly, 93, Rue de Rivoli, Métro Palais Royal, Telefon: 0033/1/49260660, geöffnet täglich 8 bis 2 Uhr.

          Café du Lion, 1 Rue de la Légion d´Honneur, Métro Musée d'Orsay, Telefon: 0033/1/45494703, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 9.30 bis 17 Uhr.

          Georges, 19, Rue Beaubourg, Métro Rambuteau, Telefon: 0033/1/44784799, geöffnet Mittwoch bis Montag für Mittag- und Abendessen.

          Les Ombres, 27, Quai Branly, Métro Pont de l'Alma, Telefon: 0033/1/47536800, geöffnet täglich von 12 bis 14.30 Uhr, 15 bis 17.30 Uhr, 19 bis 22.30 Uhr.

          Café Jacquemart-André 158, Blvd. Haussmann, Métro Miromesnil, Telefon: 0033/1/45621159, geöffnet täglich von 11.45 bis 17.30 Uhr.

          Café Carlu, 1 Place du Trocadéro, Metro Trocadéro, Telefon: 0033/1/26467475, geöffnet Mittwoch bis Montag von 11 bis 19 Uhr.

          Auskunft: Maison de la France, Postfach 100128, 60001 Frankfurt, Telefon 09001/570025, Internet: www.franceguide.com.

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