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Dominikanische Republik : Der Weltenretter und sein Märchengeisterschloss

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Voodoo, Außeriridsche, Volkskunst: In der Phantasiewelt von Rolf Schulz findet vieles Platz. Bild: Philipp Lichterbeck

Natürlich ist Rolf Schulz ein Spinner - aber auch ein ernsthafter Phantast, der sich im Touristenort Sosúa in seiner dominikanischen Wahlheimat ein aberwitziges Universum erschaffen hat.

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          Unten im Ort nennen sie ihn „Gaudí auf Crack“. Das ist liebevoll gemeint, aber natürlich Quatsch, denn Rolf Schulz ist doch der „Mundo King“, der Welterlöser, der angetreten ist, die Menschheit zu retten. Es müsste nur mal jemand auf Rolf Schulz hören, der prophezeit, dass die Himmelskönigin bald die Sonne vernichten wird. „Die Menschen haben zu viel Mist gebaut“, sagt Schulz, geboren vor siebzig Jahren in Thorn an der Weichsel, aufgewachsen in Hamburg und 1990 in die Dominikanische Republik ausgewandert. Dort hat er auf einem Hügel am Rande von Sosúa ein futuristisches Märchenschloss errichtet, das obendrein noch eine ziemlich verrückte Sammlung haitianischer Kunst beherbergt. Das Gebäude steht jedem offen. Nur auf Schulz, den Hausherrn, muss man vorbereitet sein.

          Der Küstenort Sosúa ist bekannt für die vielen Deutschen, die sich hier niedergelassen haben. Sie schätzen das Klima, die niedrigen Preise und den entspannten karibischen Rhythmus, es gibt eine deutsche Bäckerei und eine Metzgerei. Sosúa ist aber auch berüchtigt für sein enthemmtes Nachtleben in den Bars an der Calle Clisante. Und es ist berühmt für die deutschen Juden, die 1938 hierherflohen und eine in der Karibik einzigartige Milchwirtschaft aufbauten. Nun also Rolf Schulz.

          Der Weltenkönig bittet zur Audienz

          Dass der Schulz ein Spinner sei, hatten sie in der deutschen Bar an der Clisante gerufen, „und zwar ein genialer“. Daran erinnert man sich, wenn man zu ihm fährt und hinter einer Weide plötzlich kalkweiße Säulen steil gen Himmel streben sieht. Obenauf leuchten raketenförmige Gebilde in der Nachmittagssonne. Rund um den Bau erkennt man Bögen, Balkons und Terrassen und, wie an einer mittelalterlichen Kathedrale, rätselhafte Ornamente und Symbole. Es ist ein surrealer und zugleich erhabener Anblick. Sofort kommt einem Antoni Gaudí in den Sinn, der verspielte Modernist aus Barcelona, oder Ludwig II. mit seinen Märchenschlössern oder der Ornamentalist Friedensreich Hundertwasser oder der sinnliche Monumentalist Oscar Niemeyer, Erbauer Brasílias. Aber kein Vergleich trifft es ganz.

          Wer soll die Welt vor den Aliens retten, wenn nicht er: Rolf Schulz in seinem Palast.

          Über der Haustür prangt in großen Lettern „Castillo Mundo King“. Darunter lehnt Rolf Schulz im Rahmen und sagt: „Moin Leute, kommt rein.“ Er trägt Sandalen, Jeans und ein Polohemd. Sein graues Haar hat er nach hinten gekämmt. Unter einer hohen Stirn blicken kleine braune Augen forschend hervor. In der Rechten knetet Schulz einen Zigarettenstummel. Als er lächelt, fällt auf, dass ihm einige Zähne fehlen. „Lasst uns die Raumschiffe anschauen“, schlägt er vor.

          Raumschiffe mit Atombombenantrieb

          Es geht voran durch einen dunklen, verwinkelten Flur, dann tritt er ins Freie an der Rückseite des Hauses. Unter einem Vordach hat Schulz die Modelle dreier Raumschiffe geparkt, fünf Meter hoch, aus Blechplatten zusammengeschweißt. Sie sehen aus wie riesige silberne Kreisel mit Insektenbeinen. „Mit diesen Fahrzeugen kann sich die Menschheit aus dem Sonnensystem retten, wenn die Außerirdischen zuschlagen“, sagt Schulz im gemütlichsten Norddeutsch. Dann erklärt er den Atombombenantrieb seiner Raumschiffe, „per Doppelzündung“. Und er flüstert, dass die Aliens neulich versucht hätten, ihm die Baupläne zu stehlen. Man glaubt erst, er scherze. Aber Schulz meint es ernst. Dabei will er niemanden bekehren. Er nimmt die Wirklichkeit eben etwas anders wahr als die meisten seiner Mitmenschen.

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