https://www.faz.net/-1w5-6xj7o

Burma : Das Glück wohnt in Pagoden

Vor 2559 Jahren, drei Wochen nach der Erleuchtung des Erleuchteten, wurde der Grundstein der Pagode gelegt. Zwei Brüder kehrten damals mit acht Haaren Buddhas aus Indien zurück und schenkten sie ihrem König, der sofort einen Tempel errichten ließ. Zweieinhalbtausend Jahre später ist daraus ein ganzer Tempelberg geworden, ein Gebirge der Pracht und Herrlichkeit aus Dutzenden von Pagoden und Pavillons, Skulpturenspalieren und Monumentalglocken, Opfersteinen und Devotionalienständen rund um eine hundert Meter hohe, goldglänzende Haupt-Stupa, die wie Gottes Zepter für alle Ewigkeit in einem Hügel steckt. Es ist ein buddhistisches Tohuwabohu aus Tausenden mythologischer Wesen vom fliegenden Elefanten bis zur züngelnden Himmelsschlange, aus Hunderten Opferschalen, in denen Sesamöl flackert, aus Dutzenden Verkaufsständen, an denen Frauen Blattgoldspenden wie Marktweiber ihre Heringe anpreisen. Und auch sonst ist bei aller Heiligkeit genug Platz für Profanes und Skurriles - etwa für haushaltsübliche Fußmatten an Tempeleingängen, auf denen ein herzhaftes "Welcome" steht, oder für Leuchtreklamen-Buddhas, um deren Köpfe rote und blaue Neonlichter als Symbol der Erleuchtung blinken und die doch eher an amerikanische Tankstellenwerbung erinnern.

Gedanken für Götter oder Kopfkissen

Vor allem aber ist alles voller Menschen, die sich hier unter dem großen Schutzschirm des immerwährenden buddhistischen Toleranzediktes zusammenfinden: Heerscharen von westlichen Touristen mit Trekkingsandalen und schwerer Foto- oder Videoartillerie, Horden paramilitärisch gehorsamer Besucher aus Fernost mit einem brüllenden Megaphon-Mann an der Spitze, burmesische Schulklassen beim gelebten Religionsunterricht, Großfamilien beim fröhlichen Gemeinschaftsgebet, tobende Kinder beim Fangenspielen, schwatzende Großmütter beim Blumenkranzspenden, Tempelwächter bei der Siesta, murmelnd meditierende Mönche, Radikalbuddhisten im letzten Zustand der Transzendenz, Schaulustige und Weltvergessene, Weihwasserschöpfer und Menschen, die sich mit solch leidenschaftlichster Hingabe vor Buddha niederwerfen, immer und immer wieder, mit flehenden Armen und vergeistigtem Blick, als sei es das Letzte, was sie auf dieser Erde tun werden - um dann mit einem befreiten Lachen aufzustehen, das selbst die größten Gotteszweifler ins Grübeln bringt.

Solche Menschen schenken ihre Gedanken beim Einschlafen wahrscheinlich ihrem Gott. Allen anderen bleibt nur das Kopfkissen.


 

Aufbruch im goldenen Land

Anreise: Am bequemsten mit Thai Airways (www.thaiair.de) über Bangkok und dann weiter nach Rangun. Die Preise beginnen bei 680 Euro.

Einreise: Das Visum muss bei der Botschaft der Union Myanmar beantragt werden (Thielallee 19, 14195 Berlin, Telefon: 030/206-1570, www.botschaft-myanmar.de/resources/Tourist_Visa.pdf). Die Bearbeitung dauert etwa eine Woche.

Arrangements: Verschiedene Veranstalter wie Rose Travel haben Burma im Angebot (RTC Rose Travel Consulting, Nördliche Hauptstraße 2, 83700 Rottach-Egern, Tel.: 08022/66250, info@rosetravel.de, www.rosetravel.de). Eine fünfzehntägige Rundreise inklusive Badeaufenthalt kostet ab 4930 Euro; dabei fährt man von Bagan nach Mandalay auf dem Kreuzfahrtschiff "Road to Mandalay". Ein siebzehntägiges Arrangement ohne Kreuzfahrt kostet ab 3590 Euro.

Informationen: im Internet unter www.myanmar-tourism.com.

Topmeldungen

Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) stürmen in Calw während einer Übung in eine Tür (Archivbild).

Wehrbeauftragte Eva Högl : „Es wäre falsch, das KSK aufzulösen“

Das Kommando Spezialkräfte wird grundlegend reformiert, um rechtsextreme Umtriebe künftig unmöglich zu machen. Die Wehrbeauftragte war bei der „Höllenwoche“ des Verbands dabei. Ein Gespräch über ihre Eindrücke.
SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach

SPD-Gesundheitsexperte warnt : Lockdown möglicherweise schon in wenigen Wochen

Die jetzigen Einschränkungen reichten nicht aus, um einen deutlichen Anstieg der Todeszahlen zu verhindern, sagt Karl Lauterbach laut einem Bericht. Er fordert mehr Homeoffice und eine Aufteilung von Schulklassen. Auch der Außenhandelsverband warnt vor einem neuen Lockdown.

Verbannung beim FC Arsenal : Warum Mesut Özil polarisiert und spaltet

Mesut Özil wird beim FC Arsenal nicht mehr gebraucht. Sein Verhalten auf und neben dem Platz wirft Fragen auf, auf die es keine Antworten gibt. Denn Politik lässt sich nicht mit Fußballschuhen vermessen.