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Volker Kauder : Bodenständiger Gegenentwurf zu Guttenberg

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Volker Kauder könnte ein möglicher Guttenberg-Nachfolger sein Bild: dpa

Auch er hatte für den Verbleib Guttenbergs sein Möglichstes getan. Nun könnte Unionsfraktionschef Volker Kauder, der als bodenständig gilt und Distanz zur glamourösen Society hält, einen Freund, um Ratschläge bitten: den ehemaligen Verteidigungsminister Struck.

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          Es war im Sommer 2002, als sich Rudolf Scharping, der Bundesverteidigungsminister, politisch gesehen im freien Fall befand. Bei Gerhard Schröder daheim in Hannover trafen sich die damals wichtigsten Sozialdemokraten - neben dem Bundeskanzler der Chef des Kanzleramts, Steinmeier, der SPD-Generalsekretär Müntefering und Peter Struck, der SPD-Fraktionsvorsitzende. Mit Leib und Seele war Struck Parlamentarier und Fraktionschef. Er wollte es bleiben und die rot-grüne Koalition organisieren. „Meine Frau Brigitte hatte vor dem Termin eine böse Ahnung“, schrieb Struck später. Er versprach ihr, von dem Gespräch nicht als Verteidigungsminister zurückzukommen. Er konnte das Versprechen nicht halten.

          Volker Kauder, der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, machte am Dienstag Wahlkampf in Baden-Württemberg. Er hat auch - im Rahmen der Möglichkeiten - für das Verbleiben von Karl-Theodor zu Guttenberg im Amt des Verteidigungsministers gekämpft: Doch sind sie gänzlich unterschiedliche Typen. Kauder hält sich nicht für eitel. Er ist bodenständig. Er gehört nicht zur glamourösen Society; er will es nicht. Es hatte ihm auch nicht gefallen, wie Guttenberg mit einer der programmatischen Säulen der Unionsparteien, der Wehrpflicht, umgegangen ist.

          Mit einer Mischung aus Ironie und vermeintlichem Neid schaute er auf die Fähigkeit Guttenbergs, anderen Politikern, Wählern, gar Fernstehenden ein X für ein U vorzumachen. Doch ist Kauder ein Mann der Parteiräson. Er war in Baden-Württemberg und später auch im Bund Generalsekretär der CDU. Noch am Sonntag erklärte er im Fernsehen, warum Guttenberg Verteidigungsminister bleiben müsse und werde. Er gab nicht zu erkennen, ob er andere Befürchtungen hatte.

          Ratschläge von Struck

          Zu Angela Merkel hatte Kauder früher ein gebrochenes Verhältnis. Als die CDU-Vorsitzende Merkel 2002 - da stand noch Friedrich Merz an der Spitze der Unionsfraktion - sich um die Kanzlerkandidatur 2002 mühte, machte er ihr deutlich, die CDU in Baden-Württemberg unterstütze den CSU-Chef Stoiber als Kandidaten.

          Doch wurde Kauder, als Frau Merkel Fraktionsvorsitzende geworden war, deren „Erster Parlamentarischer Geschäftsführer“ und später dann ihr CDU-Generalsekretär. Er wurde zu einem Vertrauten Frau Merkels, der im Umgang mit ihr das offene und auch kritische Wort pflegte. Mit der Bildung der großen Koalition stieg Kauder zum Fraktionsvorsitzenden auf. Kauder, geboren 1949 in Sinsheim bei Heidelberg, ist Volljurist. Er war im Landratsamt Tuttlingen tätig, der Kommunalverwaltung also, die eine gute Schulung für angehende Berufspolitiker ist. Seit 1990 ist er im Bundestag. Von schwarz-grünen Bündnissen hält er wenig.

          Volker Kauder und Peter Struck sind - aus ihrer Zeit als parlamentarisches Scharnier der großen Koalition - privat miteinander befreundet. Hin und wieder erkundigt sich der Sozialdemokrat, wie es seinem Freund gehe. Nun könnte Kauder bei Struck, dem ehemaligen Verteidigungsminister, um Ratschläge bitten.

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