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: Viel zu tun

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Er ist eine der muslimischen Persönlichkeiten, die von diesem Frühjahr an an der neuen Runde der (bei den islamischen Verbänden zuletzt umstrittenen) Islamkonferenz teilnehmen werden, die Innenminister Thomas de Maizière vom Vorgänger übernommen hat.

          Er ist eine der muslimischen Persönlichkeiten, die von diesem Frühjahr an an der neuen Runde der (bei den islamischen Verbänden zuletzt umstrittenen) Islamkonferenz teilnehmen werden, die Innenminister Thomas de Maizière vom Vorgänger übernommen hat. Was unter Schäuble begann, soll nun konkreter werden. Dazu kann Bülent Ucar viel beitragen, denn der ordentliche Professor für islamische Religionspädagogik an der Universität Osnabrück beschäftigt sich seit vielen Jahren mit nichts anderem als jenem Fragenkomplex, den man pauschal unter dem Stichwort "Euroislam" zusammenfasst: mit islamischen Lehren, Sitten und Gebräuchen in einer säkularen, pluralistischen Demokratie und, vor allem, deren pädagogischer Vermittlung. Der Lehrstuhl, den Ucar innehat, ist einmalig in Deutschland, auch weil Ucar kein Konvertit ist.

          Die Scharia, das religiöse Gesetz des Islams, ist für ihn kein unveränderbarer Block von Vorschriften, sondern dem Wandel unterworfen; ebenso der Tafsir, die Koranexegese. Dies ist das Fabula docet seiner Habilitationsarbeit, die er 2008 als Islamwissenschaftler vorgelegt hat, erläutert am Beispiel der Türkei, wo die sogenannte Ankaraner Schule in dieser Richtung von sich reden macht. Ucars Arbeiten machen deutlich, dass er einer neuen Generation angehört, die - auch im Dialog mit Christen - eine Vorreiterrolle für junge, in Deutschland aufgewachsene Muslime spielen kann. Konservativen Muslimen war er schon öfter ein Stein des Anstoßes, von Islamisten ganz zu schweigen. Als sich Muslime über den Text der "Schalke-Hymne" erregten, in welcher angeblich der Prophet Mohammed und der Islam "beleidigt" würden, widersprach Ucar ausdrücklich.

          Bülent Ucar wurde am 24. Januar 1977 in Oberhausen geboren. Auf den Rat seines Vaters hin besuchte er - wegen der glaubensmäßigen Ausrichtung - eine katholische Bekenntnisschule. Das Studium der Rechtswissenschaft in Bochum von 1996 bis 2002 begleitete das der Islamwissenschaft in Bonn. Das "Recht als Mittel bei Reformen von Religion und Gesellschaft" (Ergon-Verlag) - ein Thema, für dessen Behandlung die Geschichte der Türkei seit den Tagen der Tanzimat oder großen Reformen über das Wirken Kemal Atatürks bis heute viel Stoff hergibt - beschäftigte ihn dabei besonders. Dem oft gepriesenen Religionsmodell der kemalistischen Türkei steht er allerdings nicht unkritisch gegenüber, denn faktisch herrsche dort eine Art "Staatsislam". Das Amt für religiöse Angelegenheiten (Diyanet), das dem Amt des Ministerpräsidenten angeschlossen ist, lege fest, was der Islam sei. Dieser aber sei vielfältig.

          Ucar kommt es besonders auf die spirituellen Aspekte bei der Vermittlung des Islams an, auf jene Fragen, die der Sinnfindung, Kontingenz- und Leidbewältigung der Gläubigen dienen und die mit dem Staat zunächst nichts zu tun haben. Das Verhältnis der Muslime zu anderen Religionen und Kulturen liegt ihm am Herzen. In Zeiten, da - nicht ohne aktuelle Anlässe - eine gewisse Islamfurcht herrscht, hat jemand wie Bülent Ucar noch viel zu tun. WOLFGANG GÜNTER LERCH

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