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: Streit in Italien über Migranten

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jöb. ROM, 27. März. Obwohl die italienischen Behörden seit dem Wochenende zügig die Migranten aufs Festland weitertransportieren, nimmt deren Zahl auf der Mittelmeerinsel Lampedusa nicht ab und bleibt mit gut 5000 höher als die der etwa 4500 Einwohner.

          jöb. ROM, 27. März. Obwohl die italienischen Behörden seit dem Wochenende zügig die Migranten aufs Festland weitertransportieren, nimmt deren Zahl auf der Mittelmeerinsel Lampedusa nicht ab und bleibt mit gut 5000 höher als die der etwa 4500 Einwohner. Gut 1200 Personen erreichten am Wochenende auf Fischerbooten von der tunesischen Küste aus die etwa 130 Kilometer entfernte Insel. In der Nacht zum Sonntag lief auch ein erstes Schiff mit 280 Eritreern aus Libyen ein. Während der Überfahrt, die am Freitag in Tripolis begonnen hatte, musste eine Frau mit ihrem auf dem Boot entbundenen Baby per Hubschrauber geborgen werden. Ein zweites Schiff aus Libyen mit 300 Menschen wurde am späteren Sonntag erwartet. 2008, vor dem Vertrag zwischen Libyen und Italien über die Kontrollen der Grenzen, waren knapp 37 000 Migranten auf Lampedusa angekommen; seit Beginn dieses Jahres sind es bereits gut 17 000.

          Außenminister Franco Frattini von der Regierungspartei "Volk der Freiheit" und der zur "Lega Nord" gehörende Innenminister Roberto Maroni hatten am Freitag in Tunis der tunesischen Regierung Kredite über 150 Millionen Dollar gewährt und dazu 80 Millionen Dollar, um die Küsten zu kontrollieren. Über Frattinis und Maronis Vorschlag, jedem Migranten 1500 Dollar zu geben und ihn in seine Heimat zurückzubringen, entbrennt ein Streit. Zunächst scheint unklar, ob Italien das Geld vorstrecken würde oder ob es direkt aus einem UN-Fonds gezahlt werden könnte. Lega-Chef Umberto Bossi ist grundsätzlich dagegen: "Ich würde nichts geben und sie zurückbringen; und wenn die Illegalen wiederkommen, würde ich sie nochmals zurückbringen." Der Präsident der Region Venetien, der Lega-Politiker Luca Zaia, sagte, er wolle "Flüchtlinge aufnehmen, aber keine Illegalen". Unternehmer seiner Region arbeiteten wieder in Tunesien; von ihnen wisse er, dass es keinen Grund gebe, aus Tunesien zu fliehen. Er, Zaia, habe in Venetien "schon 700 000 Migranten und 130 000 Arbeitslose". Der zur Opposition gehörende Präsident Apuliens, Niki Vendola, will seine Region dagegen offen halten. "Wie kann man zwischen Illegalen und Flüchtlingen unterscheiden?", sagte Vendola. Die Oppositionspolitikerin Rosy Bindi warf Frattini vor, man könne "die Lage nicht mit einer kleinen Bestechung oder einem Trinkgeld lösen".

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