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Marco Sennholz: Johann von Leers : Übelster Antisemit seiner Zeit

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Johann von Leers Bild: Abbildung aus dem besprochenen Band

Je näher der Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ rückte, umso ideologischer und radikaler wurde Johann von Leers. Sein ehemaliger Freund und Förderer Walther Darré, der Reichsminister für Landwirtschaft und Ernährung, empfand ihn mittlerweile als „weltfremd“.

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          Der Nationalsozialist Johann von Leers war einer der einflussreichsten Propagandisten und übelsten Antisemiten seiner Zeit. Gemessen daran war über ihn bislang jedoch erstaunlich wenig bekannt. Peter Longerich widmet ihm in „Davon haben wir nichts gewusst“ zwar einige Seiten, und im „Biographischen Lexikon zum Dritten Reich“ findet sich ein Eintrag über den NS-Publizisten. Mit Ausnahme einiger Forschungsbeiträge und Arbeiten, die sich mit Einzelaspekten seines Schaffens befassen, war Leers in der Wissenschaft jedoch eine Randfigur des deutschen Nationalsozialismus. Marco Sennholz hat diese Lücke nun mit seiner lesenswerten umfassenden Biographie und Bibliographie geschlossen. Chronologisch und detailliert, ohne dabei zu langweilen, porträtiert er den umstrittenen Publizisten, Redner und Dozenten.

          Im Jahr 1902 in Mecklenburg geboren, war Leers zunächst ein typischer Vertreter seiner Generation: aus „gutbürgerlichem“ Hause, national geprägt, vom Ersten Weltkrieg politisiert. Er verabscheute die Weimarer Republik und suchte in der Freikorpsbewegung und einem stark völkisch geprägten Nationalismus eine neue emotionale und intellektuelle Heimat. Schon Ende der 1920er Jahre wurde er Nationalsozialist. Dabei beschäftigte ihn vor allem die „Rassenfrage“, seinem Judenhass verlieh er schon früh publizistisch Ausdruck. 1925 promovierte Leers als Jurist, es zog ihn jedoch zur Diplomatie. Fremdsprachen und der Osten faszinierten ihn, weshalb er unter anderem Japanisch und Russisch lernte.

          Nach einer kurzen Phase im Auswärtigen Amt kam er, protegiert von Joseph Goebbels, zur Publizistik (er schrieb beispielsweise für den „Angriff“) und arbeitete sich rasch zum viel gebuchten Reichsredner empor - Goebbels lobte seine „Orgien des Hasses“. Seine Freunde nannten ihn „Rabauki“. Auf Fotos wirkt „Rabauki“ indes körperlich eher zart, wegen einer Herzmuskelschwäche blieb ihm das von ihm so idealisierte Soldatendasein verwehrt. Seine Allmachtphantasien scheint er in Wortgewalt ausgelebt zu haben. Bald avancierte er zu einem ausgewiesenen Kenner der Parteigeschichte der NSDAP und veröffentlichte eine der ersten Hitler-Biographien. Die Grenze zwischen Wissenschaftlichkeit und polemischer Kampfschrift war in seinen Arbeiten oft nicht auszumachen.

          Seiner regelrechten Schreibwut lagen nicht nur Fanatismus, sondern auch wirtschaftliche Zwänge zugrunde: Das familiäre Gut war hoch überschuldet, Leers war stets mit dem wirtschaftlichen Überleben beschäftigt. 1933 veröffentlichte er „Juden sehen dich an“ - ein laut Sennholz „oft ans Obszöne grenzendes“, schlecht recherchiertes polemisches Buch, das dennoch rasch in der fünften Auflage erschien. 1944 schrieb Leers „Die Verbrechernatur der Juden“, worin er offen deren Vernichtung weltweit forderte. Kein anderer nationalsozialistischer Autor habe sich öffentlich so weit vorgewagt, bemerkt Sennholz. Leers hielt es offenbar nicht für nötig, seine Vernichtungswünsche hinter Euphemismen wie „Ausschaltung“ oder „Endlösung“ zu verstecken.

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