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Marcel Berlinghoff: Das Ende der „Gastarbeit“ : Einwanderung und Identität

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Der Kölner Fordstreik 1973. Türkische Arbeiter fordern die Wiedereinstellung entlassener Kollegen. Bild: Aus dem besprochenen Band

Bemühungen der Brüsseler Kommission , eine gemeinsame Anwerbepolitik aller Mitgliedsländer der EG zu entwickeln, liefen Anfang der siebziger Jahre ins Leere, entsprechende Ankündigungen in Regierungsprogrammen wurden nicht verwirklicht.

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          Der Anwerbestopp für ausländische Arbeitnehmer, den Arbeitsminister Walter Arendt auf dem Höhepunkt der „Ölkrise“ am 23. November 1973 verkündete, gilt in der deutschen Erinnerung als Wendepunkt in der deutschen Einwanderungs- und Ausländerpolitik. Marcel Berlinghoff macht darauf aufmerksam, dass diese drastische Begrenzung des Zuzugs ausländischer Arbeitnehmer Teil eines Regimewechsels war, der sich zu Beginn der siebziger Jahre in allen Industriestaaten Nordwesteuropas vollzog, unabhängig von den bis dahin sehr unterschiedlichen nationalen Regelungen der Arbeitsmigration.

          In der Schweiz wurde schon 1970 eine Obergrenze für neue Arbeitskräfte aus dem Ausland festgelegt, die sich an der Zahl der Rückkehrer des Vorjahres orientierte. In Schweden blockierten die Gewerkschaften 1972 die Anwerbung weiterer Ausländer. Dänemark beschränkte die Zuwanderung im gleichen Jahr auf Arbeitnehmer aus dem EWG-Raum und den skandinavischen Ländern. Großbritannien setzte die überwiegende Mehrheit der Commonwealth-Bürger vom Beginn des Jahres 1973 an mit Ausländern gleich. Kurz darauf schränkten Belgien und die Niederlande ihre Einwanderungsbestimmungen stark ein; in Österreich wurden die Einwanderungsquoten rigoros herabgesetzt. Im Juli 1974 verhängte die französische Regierung einen totalen Einwanderungsstopp.

          Wie kann man den nahezu gleichzeitigen und gleichartigen Politikwechsel im westlichen Europa erklären? Der geläufige Hinweis auf die Rezession infolge der Ölkrise greift offensichtlich zu kurz, setzte der Wandel doch lange vor dem Ende des Booms ein. Berlinghoff geht den Diskussionen und Entscheidungsprozessen in drei exemplarisch ausgewählten Ländern nach: der Schweiz, der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich. Dabei wird deutlich, dass es die starke Zunahme der Arbeitsmigration in der letzten Phase des Booms von 1968 an war, die für einen Bewusstseinswandel sorgte. Es stellte sich jetzt heraus, dass die bequeme Vorstellung von einer permanenten Rotation der „Gastarbeiter“ nicht funktionierte. Die ausländischen Arbeitnehmer blieben länger als ursprünglich gedacht, mit den Qualifikationen, die sie erwarben, wurden sie für die Unternehmen zunehmend unverzichtbar, und sie holten ihre Familien nach.

          Damit entstand nun ein Problem, auf das keiner der westeuropäischen Industriestaaten vorbereitet war: Die Infrastrukturkosten für die Unterbringung und Versorgung der ausländischen Arbeitnehmer stiegen gewaltig an, und da die Unternehmer wenig Bereitschaft zeigten, sie zu übernehmen, entstand die doppelte Gefahr der Gettobildung und der Entwicklung von Fremdenhass. Wachsende Unruhe unter einheimischen Arbeitern und Empörung über die Zustände in Wohnquartieren der Ausländer sorgten dafür, dass dies den zuständigen Behörden und Politikern nicht lange verborgen blieb.

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