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Emily S. Rosenberg: Weltmärkte und Weltkriege 1870 - 1945 : Drei Seiten für den Hakenwurm

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Necator americanus - Hakenwurm Bild: FAZ-Archiv

Erstmals sollen in einer neuen Buchreihe die Vorgeschichte der Globalisierung und die Entwicklung von Gesellschaften und politischen Ordnungen auf allen Kontinenten von führenden Fachleuten dargestellt werden.

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          Eine neue Buchreihe will uns die „Geschichte der Welt“ anders als bisher erklären: nicht mehr eine „Aneinanderreihung einzelner Spezialgeschichten“, sondern „Querbeziehungen und Wechselwirkungen“. Schwerpunkte sind „Migrationen von Einzelnen und Gruppen“, die „Gründung neuer Gesellschaften“, „interkontinentale Ausbreitung von Technologien, Religionen oder politischen Ideen“, „globale Kommunikationsnetze, Handelsströme und Konsummuster“, „Imperialismus, Kolonialismus und großräumige Kriege“. Sechs Bände sind geplant: Frühe Zivilisationen: Die Welt vor 600; Agrarische und nomadische Herausforderungen 600-1350; Weltreiche und Weltmeere 1350-1750; Wege zur modernen Welt 1750-1870; Weltmärkte und Weltkriege 1870-1945; Die globalisierte Welt seit 1945. Erstmals sollen in diesen Bänden „die Ergebnisse von mehreren Jahrzehnten internationaler Forschung zur Vorgeschichte der Globalisierung und zur Entwicklung von Gesellschaften und politischen Ordnungen auf allen Kontinenten von führenden Experten zusammenfassend dargestellt“ werden. Dieser Anspruch führt zu einer hohen Erwartungshaltung des Lesers.

          Jetzt liegt der erste Band vor mit Beiträgen von Charles S. Maier über „Leviathan 2.0. Die Erfindung moderner Staatlichkeit“, Tony Ballantyne und Antoinette Burton über „Imperien und Globalität“, Dirk Hoerder über „Migrationen und Zugehörigkeiten“, Steven C. Topik und Allen Wells über „Warenketten in einer globalen Wirtschaft“ sowie Emily S. Rosenberg über „Transnationale Strömungen in einer Welt, die zusammenrückt“. Frau Rosenberg ist auch Herausgeberin dieses Bandes. In ihrer Einleitung legt sie die Latte noch höher als die Reihen-Herausgeber Akira Iriye und Jürgen Osterhammel. Die Anordnung der Themen betone „eine in ständiger Veränderung begriffene Dyade von Einhegung und Durchlässigkeit“, das „Prozesshafte und Ungleichmäßige des Wandels, der sich im Rahmen von Austausch und Relationalität vollzieht“ - was auch immer das heißt.

          Frau Rosenberg weist auf die gemeinsamen Merkmale innerhalb der Kapitel hin: Schrumpfung von Zeit und Raum, Beschleunigung der Mobilität von Menschen, Gütern und Ideen, die Hegemonialmacht des Westens, die Überschneidungen und gemeinsamen Konstruktionen des Globalen und des Lokalen, die Rolle globaler Städte, Ausbreitung von Technologien der Massenproduktion. Globale Migranten-, Waren- und Ideenströme bilden demnach einen Kreislauf für die Zeit 1870 bis 1945.

          Mit dieser Methode wird die traditionelle Periode der Epoche aufgelöst. Und spätestens da wird es problematisch. Die Herausgeberin weist denn auch darauf hin, dass es keine Kapitelüberschriften gibt, etwa „ Die Burenkriege“, „ Der russische-japanische Krieg“, „Der Erste Weltkrieg“, „Die Weltwirtschaftskrise“ oder „Der Zweite Weltkrieg“ (was um andere wichtige Kapitel ergänzt werden müsste). Für sie ist das aber kein Defizit, denn der aufmerksame Leser finde in den Einzelkapiteln „mit Sicherheit wichtige Wegmarken wie globale Kriege und Wirtschaftskrisen“; diese „Wegmarken“ würden in „vielfältigen Kontexten“ auftauchen, und dadurch werde die Gesamtgeschichte „reichhaltiger und vielschichtiger“ - was zu beweisen wäre.

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