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: Pädophiler gesteht Mord an Tobias

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sup. BÖBLINGEN, 25. August. Fast elf Jahre nach dem Mord an dem elf Jahre alten Tobias ist der Fall offenbar aufgeklärt. Ein 47 Jahre alter pädophiler Mann habe die Tat gestanden, berichtete die Polizei am Donnerstag in Böblingen.

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          sup. BÖBLINGEN, 25. August. Fast elf Jahre nach dem Mord an dem elf Jahre alten Tobias ist der Fall offenbar aufgeklärt. Ein 47 Jahre alter pädophiler Mann habe die Tat gestanden, berichtete die Polizei am Donnerstag in Böblingen. Er sei der Tat überführt, weil das Blut, das an der Kleidung des erstochenen Jungen gefunden worden war, mit der DNA des Manns übereinstimme. "Das ist eindeutig", sagte Horst Failenschmid, der stellvertretende Leiter der Polizeidirektion Böblingen: "Wir waren von Anfang an überzeugt, dass das Blut die Spur zum Täter ist."

          Zur Festnahme führte allerdings eine Hausdurchsuchung im Zusammenhang mit Ermittlungen des Landeskriminalamts (LKA) Rheinland-Pfalz. Das LKA macht anhand ihrer Spuren im Internet die Benutzer von Plattformen ausfindig, die kinderpornographisches Material austauschen. Im Fall des Mörders von Tobias fiel den Beamten auf, dass der wegen des Verdachts auf Kinderpornographie überprüfte und bis dahin unbescholtene Mann auch Zeitungsartikel und Informationen aus dem Internet zum Mordfall Tobias sowie weiteren Kindermorden gesammelt hatte. Schriftliche Anmerkungen zum Fall Tobias hätten die Beamten stutzig werden lassen. Bei der Vernehmung habe der Mann zunächst nur seine Anwesenheit am Tatort, später aber dann auch die Tat selbst gestanden.

          Getötet wurde Tobias am 30. Oktober 2000 an einem kleinen Fischweiher bei Weil im Schönbuch südlich von Stuttgart durch zahlreiche Messerstiche. Der jetzt geständige Mann, ledig, berufstätig, deutsch und wohnhaft im benachbarten Landkreis Esslingen, sei in einer Gruppe zuvor schon einmal an dem Weiher vorbeigeradelt und habe die Radtour noch einmal wiederholen wollen. Ob Tobias oder andere Kinder schon bei der ersten Radtour am See waren, ist noch nicht geklärt.

          Bei seiner zweiten Fahrt zum Weiher habe der Mann dann Tobias angesprochen und hinter eine Hütte gelockt, berichtete Kriminaldirektor Rüdiger Winter. Den Tod von Tobias begründete der mutmaßliche Täter damit, dass ihm die Situation "entglitten" sei. Das Kind sei vor seinem Tod nicht sexuell missbraucht worden, berichteten die Ermittler.

          Ein forensisch-psychologischer Sachverständiger ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft Stuttgart eingeschaltet. Es gehe darum, die Persönlichkeit und die Motivlage des jetzt inhaftierten Mannes zu ergründen, der sich selbst als pädophil bezeichnet habe.

          Die Polizeidirektion sei von der Schuld des 47 Jahre alten Mannes nicht nur wegen seines Geständnisses und wegen des belastenden DNA-Tests überzeugt, sondern auch, weil er bei seinen Vernehmungen auch Täterwissen offenbart habe, sagte Horst Failenschmid. Der Mann kenne Details des Falls, die bislang nirgends veröffentlicht worden seien.

          Solches Täterwissen freilich schien kurz nach dem Mord im Herbst 2000 schon einen 16 Jahre alten Jungen der Tat zu überführen. Er konnte genau beschreiben, dass der Junge Laub in den Händen hatte und wo seine Angel lag, und er gestand die Tat. Der geistig behinderte Junge widerrief das Geständnis später, und auch die DNA passte nicht. Die Eltern von Tobias klagten vergeblich gegen die Polizei, als das Verfahren gegen diesen Verdächtigen eingestellt wurde.

          "Das Vertrauen in die Polizeiarbeit ist wiederhergestellt", lautete am Donnerstag Failenschmids Resümee unter Hinweis auf die erdrückende Beweislage gegen den jetzt Festgenommenen. Er fügte als persönliche Bemerkung den Appell an die Medien an, Kritik an polizeilichen Ermittlungen dürfe nicht ins Persönliche und Verletzende gehen: "Wir sind eine lernende Organisation, aber es muss fair zugehen."

          Während der spektakulären Ermittlungen, deren Kosten jetzt auf rund eine halbe Million Euro beziffert werden und für die bei einem Massentest fast 13 000 Speichelproben genommen wurden, hatte es wiederholt Kritik an der Polizeiarbeit gegeben. Im Jahr 2004 erschoss sich Peter Kegreiß, der vormalige Leiter der bis zu 40 Beamte starken "Soko Weiher" - "ein Schock für die Polizeidirektion Böblingen", wie Failenschmid jetzt sagte: "Der Fall lastete wie ein schwerer Stein auf uns."

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