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Mordfall in Wuppertal : Tod einer Fünfjährigen

Das Grab von Talea auf dem Unterbarmer Friedhof in Wuppertal Bild: Kai Nedden

In Wuppertal steht eine Pflegemutter unter Verdacht, ein fünfjähriges Mädchen getötet zu haben. Das Kind war von seiner leiblichen Mutter getrennt worden. Welche Rolle spielte das Jugendamt in diesem Fall?

          9 Min.

          Am 18. März war es in Wuppertal zu kalt für die Jahreszeit: acht Grad und ein wenig Nieselregen. 27 Grad betrug die Körpertemperatur der fünfjährigen Talea, als sie an jenem Tag in der Wohnung ihrer Pflegeeltern leblos mit nasser Kleidung, in kaltem Wasser in der Badewanne liegend, gefunden wurde. Das Badezimmer war nicht geheizt. Ein Unfall, sagte die Pflegemutter dem Notarzt. Erstickt, sagten die Ärzte im Krankenhaus.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Gerichtsmediziner werden sich später nicht auf eine einzige Todesursache festlegen können: Sowohl die extreme Unterkühlung als auch ein „trockenes Ersticken“ habe das Leben Taleas beendet. Im Krankenhaus betrug ihre Körpertemperatur bei der Messung mit einem speziellen Thermometer sogar nur 22 Grad, nichts in der Welt konnte ihr Herz wieder zum Schlagen bringen. Da sie zudem kein Wasser in der Lunge hatte, kann sie nicht in der Badewanne ertrunken sein. Wahrscheinlicher scheint, dass ihr Mund und Nase zugehalten wurden - vielleicht mit einem Tuch.

          „Sie wurde entweder getreten oder mit dem Schuh geschlagen“

          Taleas Körper war übersät mit Blutergüssen: am Ohr, am Auge, auf den Wangen, an den Armen. Auch das Profil einer Schuhsohle fanden die Gerichtsmediziner auf ihrem Körper. „Sie wurde entweder getreten oder mit dem Schuh geschlagen“, sagt der ermittelnde Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt. Die Hämatome waren so verteilt, dass sie unmöglich auf einen Sturz zurückzuführen, sondern laut Obduktion das Ergebnis „stumpfer Gewalt“ sind.

          So endete der 18. März für die Ärzte im Krankenhaus mit der Gewissheit, dass Talea eines gewaltsamen Todes gestorben sein musste. Für die Pflegemutter Kaja G. endete der 18. März mit einem Nervenzusammenbruch in der Psychiatrie. Zuvor hatte sie jedoch den Polizisten gesagt, sie sei nur kurz aus dem Haus gegangen und habe nachher das Kind in der Badewanne so vorgefunden. Seitdem sitzt Kaja G. in Untersuchungshaft und schweigt.

          Sponge Bob, my little Pony, der Hase Felix, Bärchen, Pferdchen, Lämmchen und Mäuschen, Ernie und Winnie Puh sitzen auf Taleas Grab und zeigen knopfäugig und pastellig jedem schon von weitem, dass sie auf einem Friedhof eigentlich nichts verloren haben - und das kleine Mädchen unter ihnen schon gar nicht. Fassungslos auch die leiblichen Eltern in der Todesanzeige für ihre Tochter: „Wir konnten dich nicht schützen. Gewaltsam wurde dein Leben beendet.“ Dabei war Talea ebendiesen Eltern zu ihrem Schutz am 6. September 2007 weggenommen worden. Denn die Möbel flogen tief in der Familie, wie die Leute sagen. Haushaltshilfe, Erziehungshilfe, ambulante Beratung - vieles von dem, was deutsche Jugendämter als Unterstützung für Familien vorsehen, die ihr Leben nicht bewältigen können, war der Familie mit den Mädchen Talea und Lenya schon zugutegekommen.

          Das Auswahlverfahren dauert mehrere Wochen

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